Atom-Renaissance?

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Keine Kernkraft-Renaissance

Zahl der Atomkraftwerke nimmt ab

(27. April 2009) Eine Atomrenaissance finde nicht statt, neue KKW in Europa seien teure Ausnahmen, sie verschärften Sicherheits- und Entsorgungsprobleme und bremsten den Ausbau der erneuerbaren Energien, so Lutz Mez von der Forschungsstelle Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin in einer Analyse.

Kurz vor dem 23. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe betonte er zusammen mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), ein Comeback der Kernkraft sei nicht in Sicht und auch nicht wünschenswert. Die Kernenergie trage weltweit so gut wie nichts zum Klimaschutz bei.

Sie bleibe eine Technologie unbeherrschbarer Risiken, gerade was die Weiterverbreitung nuklearer Materialien und die Entsorgung des Strahlenabfalls betreffe. Die Anzahl der weltweit betriebenen Atommeiler bezifferte der BUND auf aktuell 436, acht weniger als vor sieben Jahren.

Der Atomstromanteil im globalen Strommix sei auf derzeit 14% gesunken. Trotz einiger KKW-Neubauten in China oder Indien gingen weltweit deutlich mehr Meiler altersbedingt vom Netz als neue gebaut würden.

In verschiedenen Weltregionen seien Regierungsbeschlüsse zu Neubauten nicht umgesetzt worden, u.a. in den USA und in Russland. In der EU sei die Zahl der KKW 1988 am höchsten gewesen. Damals seien 177 Reaktoren in Betrieb gewesen, derzeit seien es noch 145.

Das sichtbarste Exempel für ein finanzielles und sicherheitstechnisches Desaster liefere der finnische Atommeiler bei Olkiliotu. Der Zeitplan liege Jahre hinter den Ursprungsplänen zurück, dem Konsortium Areva-Siemens drohten Milliardenverluste.

Bei dem bulgarischen Projekt Belene gebe es wegen der Erdbebengefahr derart hohe Sicherheitsrisiken, dass sogar der frühere Leiter der bulgarischen Atomaufsicht davor warne.

In Großbritannien hätten EdF und E.ON der britischen Regierung mitgeteilt, sie würden kein neues KKW bauen, wenn die Ausbauziele für erneuerbare Energien nicht nach unten korrigiert würden.

Mez und der BUND appellierten an die Politik, sich nicht von "fadenscheinigen" Argumenten beeindrucken zu lassen. Dahinter stünden die Gewinninteressen der großen Energiekonzerne, für die jedes zusätzliche KKW-Betriebsjahr einen Reingewinn von rund 300 Mio Euro bedeute.

Im Wahljahr 2009 gehe es um die Frage, ob sich der Atomausstieg beschleunigen lasse oder ob es Laufzeitverlängerungen für alte und gefährliche Reaktoren gebe.

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