Heiligt der Zweck die Mittel?

Kritische Gedanken des italienischen Pazifisten und Schriftstellers Dario Fo:

(2001/2002) "Die Teppichbombardements auf Afghanistan wurden begonnen, es starben Frauen und Kinder und ganze Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht, aus Barmherzigkeit " ein menschlicher Irrtum. Niemand verspürt für diese Toten ohne Handy das gleiche Mitleid und die gleiche Bestürzung.

Auszeichnung

Dario Fo bei der Verleihung des Nobelpreises für Literatur 1997

Wie läuft diese Abstumpfung des Empfindens ab, diese monströse Fähigkeit, noch einen Toten vom anderen zu unterscheiden und sie im Unterbewusstsein mit zwei komplett verschiedenen mentalen Kategorien zu verknüpfen? Und die Moral ist die, dass der Zweck (Terroristen bestrafen) die Mittel (unschuldige Zivilisten töten) heiligt.

Wir sind jedoch der gegenteiligen Ansicht: Um ein gerechtes Ziel zu erreichen, können nur Aktionen stattfinden, die die Gerechtigkeit dieses Ziels widerspiegeln. Davon sind wir nicht nur aus moralischen Gründen überzeugt, sondern auch, weil wir einen Blick in die Geschichte geworfen haben: Jedesmal, wenn der Zweck die Mittel heiligte, sind daraus Katastrophen entstanden. Stalindiktatur in der Sowjetunion, Einmarsch in die Tschechoslowakei, Sturz von Pinochet, Diktatur der Generäle in Griechenland und Argentinien.

Die Anti-Taliban-Koalition rechtfertigt die Unterstützung von Diktatoren und Folterern und Kriminellen - man zieht sich die Terroristen von morgen groß. Die Philosophie des Zweckes, der alle Mittel heiligt, dient ja auch den Terroristen selbst als zentrale Rechtfertigung.

Eine amerikanische Mutter, die ihren Sohn beim Zusammensturz der Türme verlor: "Wenn ihr glaubt, meinen Schmerz lindern zu können, indem ihr weitere unschuldige Opfer schafft, müsst ihr wissen, dass ihr meine Verzweiflung damit nicht auslöscht, sondern verdoppelt".

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