Solarauto_450_dupl-web.jpg

Segment-ID: 3209

Solarautos: "Mit der Sonne umsonst und ohne Ende fahren"

Phaethon , das griechische Solarrennen, setzt neue Impulse und lockt Teilnehmer aus der ganzen Welt.
Interview mit David Fewchuck, Begründer des australischen Teams Aurora über Solarrennen, Fahrzeugentwicklung und Effizienz.

1347 David Fewchuck

(13. Juni 2004)

Herr Fewchuck, seit 25 Jahren arbeitet "Aurora" als Team zusammen - bauen Sie seit dieser Zeit Solarfahrzeuge?

Nein. Zwischen 1980 und 1987 entwickelten wir stromlinienförmige, hocheffiziente Benzinautos. Unser Ziel war: mit einer Gallone möglichst viele Meilen weit zu kommen.

Bei soviel Entwicklungsarbeit: Wurden Ihre Ideen realisiert, können wir sie in alltäglichen Fahrzeugen wiederfinden?

Nun, das war sehr speziell. Die Prinzipien vielleicht. In den Jahren 1983 bis 1985 erreichten wir den Weltrekord für Benzineffizienz.1985 lag unser Weltrekord bei 5.107 Meilen pro Gallone (das entspricht etwa 1.8010 km/Liter Benzin)

Aber irgend jemand muss das Projekt doch unterstützt haben?

Es gab Sponsoren. Für uns war das Freizeitbeschäftigung. Unsere Gruppe bestand damals aus Kollegen, die alle bei Ford als Ingenieure arbeiteten.

1985 begannen Sie dann Solarfahrzeuge zu entwickeln.

Solarfahrzeuge wurden durch Rennen entwickelt. Das erste Rennen war die die "Tour de Sol" 1985 in der Schweiz. Es wurde tatsächlich von Mercedes-Benz gewonnen.

Und wie ging es weiter?

Sie gewannen dieses erste Rennen und das war's. Wir wollten erst 1987 bei der World Solar Challenge in Australien teilnehmen. Das war damals eine sehr unbekannte und verrückte Angelegenheit: ein Solarautorennenquer durch einen Kontinent. Es gab natürlich keine Unterstützung oder Sponsoren. Wir konnten nicht wie heute im Hotel übernachten, wir hielten einfach am Straßenrand und campten in der Wildnis; es war ein großes Abenteuer. Dieses Rennen wurde von General Motors gewonnen und wir wurden bei unserem allerersten Rennen Zweiter.

1347 Solarmobilteam Aurora

Aurora ist eines der besten Solarmobilteams der Welt. Es hat an allen World Solar Challenge-Rennen (WSC) teilgenommen, einmal den ersten und dreimal den zweiten Platz belegt. Das WSC findet seit 1987 statt und durchquert auf etwa 3.000 km den australischen Kontinent von Darwin nach Adelaide. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des besten Teams hat sich seit 1987 verdoppelt: von knapp 45 km/h auf knapp 92 km/h 2003.

Was ist Aurora: eine Firma, ein Verein oder einfach lockerer Zusammenschluss von ein paar Freunden?

So eine Art Verein mit ungefähr 70 Mitgliedern, von denen immer etwa 20 aktiv sind. Die Fahrzeuge entwickeln wir in unserer Freizeit.

Warum und mit welcher Idee hat Aurora begonnen Solarmbile zu entwickeln?

Uns faszinierte, dass man umsonst und ohne Ende fahren kann.

Ziel war also nicht Unabhängigkeit vom Öl oder Ähnliches?

Der Organisator der World Solar Challenge, ein Däne namens Hans Tholstrup, glaubte, dass das Öl bald zu Ende sein wird oder unbezahlbar für die Masse der Leute. Er findet öffentlichen Verkehr schrecklich, hasst Busse und Bahnen. So suchte er nach Individualverkehrsmitteln unabhängig vom Öl.

Das war aber nicht Ihre Idee?

Nein, uns faszinierte die Technik.

Vielleicht ist das ja die unterschiedliche Sichtweise zwischen Europa und Australien.

In Australien kümmern wir uns nicht so sehr um Energieeffizienz, wir haben soviel Sonne und Öl. Das Problem heute ist, dass wir daran gewöhnt sind, Energieüberfluss zu haben. Die Erwartungen an ein Auto sind überzogen. Ohne Klimaanlage, perfekte Stereowiedergabe und die totale Aufprallsicherheit könnten wir viel effizientere Autos bauen.

Die Autoindustrie weckt mit jedem neuen Modell neue Wünsche. Sie ist Sponsor von Aurora und anderen Solarmobilteams. Wie passt das zusammen?

In vielen Ländern, z.B. in Amerika oder Australien gibt es Gesetze, um Fahrzeuge effizienter zu machen. Der Druck auf die Autoindustrie trieb die Entwicklung von Hybridfahrzeugen voran. Hybridfahrzeuge verdoppeln die Effizienz herkömmlicher Benzinfahrzeuge.

Werden Hybridfahrzeuge in Zukunft ein nennenswerten Anteil erreichen?

Ja, viel mehr als heute.

Und welche Technik wird sich zukünftig durchsetzen - Elektrofahrzeuge, Hybridfahrzeuge oder Wasserstofffahrzeuge?

Hybridfahrzeuge sind ein Schritt auf dem Weg. In den nächsten 2-3 Jahren werden in den USA vielleicht eine halbe Million verkauft. Interessant ist, dass Toyota und Honda, die der Hybridtechnik weltweit führen, beide auch Solarmobilteams haben. Die Konstruktionsprinzipien sind nämlich beim Hybridfahrzeug dieselben wie beim Solarfahrzeug.

Toyota entwickelte ein Hybridfahrzeug mit allen technischen Finessen - genau entgegen Ihrer Vorstellung von einfacheren, angepassteren Fahrzeugen.

Toyota will, dass sich ein Hybridfahrzeug für den Kunden wie ein herkömmliches Auto anfühlt. Technisch ist es natürlich ganz anders, viel leichter, viel aerodynamischer, viel effizienter.

Denken Sie nicht, dass Kunden immer mehr Leistung und Technik wollen und dadurch alle Effizienzbemühungen zunichte gemacht werden?

Nein, da ist schon soviel, zuviel in den Fahrzeugen, das ist verrückt.

Emissionsfreie Alltagsfahrzeuge, das wäre ein schöner Traum, vor allem für Städte wie Athen.

Wenn man in die Geschichte zurückschaut gab die Ölkrise einen gewaltigen Schub. In verschiedenen Staaten der USA, darunter Kalifornien und Massachusetts, gab es Gesetze, die den Autofirmen vorschrieben, dass sie Null-Emissionsfahrzeuge anbieten müssen und das geht nur mit Elektrofahrzeugen.

Was passierte? Die Autofirmen steckten Millionen Dollar in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen. Aber das Problem waren die Batterien. Die Reichweite der Autos entsprach nicht den Kundenwünschen. Der AB1 von General Motors hat z.B eine Reichweite von 200 Meilen (das entspricht etwa 322 km), er hatte eine Klimaanlage, eine Stereoanlage usw., aber sobald man etwas davon einschaltete sank die Reichweite dramatisch.

Die Batterien waren einfach nicht gut genug für die Erwartungen. Es gab keinen Markt für Elektroautos. Industrievertreter gingen dann zur Regierung und sagten "Warten Sie bis wir Wasserstoffautos entwickelt haben, diese sind emissionsfrei." Die Reichweite ist aber im Moment noch geringer als bei Elektrofahreugen und Wasserstoff kann bislang an keiner Tankstelle gekauft werden. Die Infrastruktur ist ein großes Problem.

Solarauto Team-Lux

Fünf von sechzehn Teams und die ersten beiden Siegerplätze: Beim griechischen Solarmobilrennen "Phaethon" konnten japanische Teams ihre Leistungsfähigkeit in puncto solarer Fahrzeugtechnik beweisen. Das Team der Ashiya Universität wurde Erster, die Osaka Sangyo Universität Zweiter. Dritter wurde das Team der Principia Universität aus den USA, die FH Bochum kam mit dem Fahrzeug "Hans Go!" auf den zehnten Platz. Australien, Europa, Südamerika, Taiwan und USA: Aus der ganzen Welt waren die Teams angereist, um vom 22. -29. Mai in Athen an dem Rennen teilzunehmen, das im Rahmen der Kulturolympiade stattfand. Das Rennen hatte zwei Teile: ein Kurzstreckenrennen auf dem alten Flughafen"Hellenikon" und ein Wettbewerb über etwa 800 km, vorbei an den antiken Stätten Olympia und Delphi. Namensgeber des Rennens ist Phaethon, Sohn des Sonnengottes Helion.

Beim griechischen Rennen "Phaethon" traten 16 Teams an, fünf davon kamen aus Japan. Sind japanische Automobilbauer besonders engagiert bei der Entwicklung von Solarfahrzeugen?

Japan hat die meisten Solarautos und die meisten Teams weltweit. Daran waren auch Elektrizitätswerke und Regierung beteiligt. Sie waren an einem positiven Image in der Öffentlichkeit bedacht. Japan war sehr auf Atomkraft fixiert. Auch die gesamte japanische Autoindustrie versuchte sich. Nissan, Honda und Toyota haben einige Prototypen entwickelt. Aber Honda war am besten und am größten. Ein Aspekt ist noch wichtig: In Japan ist praktisches Techniktraining, Selbermachen, in High-Schools und Universitäten sehr beliebt. Da bieten Solarmobile eine Menge: Chassis, Räder, Bremsen, die Elektrik, das Solarsystem - man lernt wahnsinnig viel.

Wie auch andere Autorennen werden Sie von der Industrie gesponsert.

Nicht so sehr. Aber die Rennen sind eine phantastische Werbung. 1987 hatte z.B. General Motors eine riesige Werbekampagne gestartet. Sie bauten zwei Fahrzeuge, die zwei Jahre lang an 250 verschiedenen Orten ausgestellt wurden. Sie entwickelten technisches Lehrmaterial und verteilten 19.000 Pakete an Schulen. Das war eine phantastische Werbung! Genauso Honda, 1993 und 1996 gewannen sie die Meisterschaften. Egal wo das Fahrzeug in Japangezeigt wurde, Tausende kamen und bestaunten es. Der Name Honda stand für fortschrittliche Technologie. Es war weniger Werbung für solare Mobilität.

Wie steht es mit der Medienwirksamkeit von Solarmobilrennen?

Formel 1 und Phaeton, da trennen sich Welten. Unsere Rennen sind weniger Kampf gegen die anderen Teilnehmer als gegen die eigene Technik. Alle Fahrzeuge sind unterschiedlich. Bei den meisten Autorennen gibt es Regeln, welche die Fahrzeuge sehr ähnlich machen. Bei Solarrennen gibt es nur einige fundamentale Regeln. Jedes Fahrzeug hat unterschiedliche Batterien, Solarzellen, mal drei mal vier Räder usw. Solarrennen sind für Zuschauer weniger interessant, es gibt kein Krach und keine Unfälle. Das Medieninteresse ist daher nicht so groß.

Solarfahrzeuge als Alltagsfahrzeuge sind eigentlich Elektrofahrzeuge, da es zumindest in Europa sinnvoller ist, Solarzellen aufs Dach zu montieren.

Aber für Rennen braucht man diese tollen Fahrzeuge, wer das als Kind sieht erzählt noch seinen Enkeln davon. Kleine Elektroautos sind langweilig. Und viele Rennen in Europa nennen sich nur Solarautorennen, in Wirklichkeit sind das aber Elektrofahrzeugrennen. In Europa ist die Entwicklung von Solarfahrzeugen ausgestorben und dieses Phaethon ist der Versuch in Europa wieder etwas anzufangen. Damals als die "Tour de Sol" in der Schweiz stattfand, zwischen 1985 und 1993, wurden auch mehr Solarsysteme für Häuser und Elektrofahrzeuge verkauft. Der Verkaufszuwachs hörte auf, als die Tour de Sol nicht mehr stattfand. Phaethon könnte ein Neuanfang in Europa sein.

Nicola Bludau

Kurzporträt: Phaethon, der Namenspatron des Rennens

Helion, der Sonnengott, hatte viele Frauen und noch mehr Kinder. Eines davon war Phaethon. Dieser quengelte solange, bis er den Sonnenwagen des Vater einen Tag lang lenken durfte. Unerfahren und zu schwach, konnte er die Pferde nicht auf der Bahn halten. Bald kam der Sonnenwagen der Erde zu nahe und versengte die Felder. Bald entfernte er sich in große Höhen und die Erde erfror. Da beschloss Zeus, die Erde vor größerem Schaden zu retten, und stieß Phaethon mit seinem Blitz vom Sonnenwagen. Dieser fiel brennend in den Fluss Eridanos. Dort fanden in seine Geschwister, die Heliaden, und bestatteten ihn.

Segment-ID: 3208