Speicher für Sonnenstrom

Segment-ID: 15949

Marktübersicht

(8. Juni 2017) Bei jeder neuen PV-Anlage ist eine für die Wirtschaftlichkeit wichtige Entscheidung zu treffen: Soll die Anlage mit oder ohne Batteriespeicher gebaut werden?

1495 Batterien / Foto: depositphotos.com/ilfede

Dafür lassen sich zwar allgemeine Hinweise geben, letztlich kommt es jedoch in jedem konkreten Einzelfall auf die Umstände und insbesondere das individuelle Stromverbrauchsverhalten an. Umso erfreulicher ist, dass es jetzt einen aktuellen Überblick über die am Markt verfügbaren Speicher gibt: bdev.de/speichermm

Als mit Abstand günstigster Speicher hat sich im Überblick der „Power-wall 2“ vom Elektroautohersteller Tesla erwiesen, in dem Zellen aus Teslas eigener Akkuproduktion verbaut werden. Der Speicher hat 13,5 Kilowattstunden (kWh) nutzbare Kapazität und kostet in Deutschland inkl. MwSt. 6.750 Euro zuzüglich Installation. Der Hersteller gibt eine Garantie über 10 Jahre auf maximal 20 Prozent Leistungsverlust:
bdev.de/tesla

Eine Untersuchung des Leipziger Instituts für Energie von 2014 ergänzt den Marktüberblick mit methodischen Hinweisen, insbesondere zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung: bdev.de/speicherl

Checkliste „Batteriespeicher“ der Verbraucherzentrale NRW: bdev.de/speichernrw

Hinweise des VDE für den Netzanschluss von Speichern: bdev.de/speichervde

Segment-ID: 17392

Wie der Herdendrang uns in die Irre führt

Warum können Energieverbrauchern noch um ein Vielfaches mehr Ölheizungen als PV-Stromspeicher verkauft werden? Warum verjubeln Verbraucher Geld, das ihnen gut investiert einen echten Mehrwert bescheren könnte? Diesen Fragen ist unser Mitglied Walter Danner nachgegangen.

(19. September 2016) Mein Neffe hat mir letztens erklärt, dass sich ein Stromspeicher für seinen Hof und das Einzelhandelsgeschäft nicht rechnet und sein Geld stattdessen für  einen neuen Audi mit 78.000 Euro Listenpreis ausgegeben. Dabei laufen insbesondere im Sommer die Tiefkühltruhen und die Kühlregale rund um die Uhr auf Hochtouren und ziehen klimaschädlichen Strom aus dem Netz. Obwohl der Strom komplett über die PV-Anlage von Sonne kommen könnte. Einige Zeit später hat im Nachbarlandkreis Rottal-Inn/Niederbayern ein Jahrtausend-Hochwasser einen Schaden von einer Milliarde (!) Euro angerichtet und sieben Menschen das Leben gekostet. Das Jahrtausend-Hochwasser hat sich allein in diesem Sommer bei uns bereits dreimal wiederholt. Wie kurz heutzutage ein Jahrtausend sein kann! Jedem ist klar: Der Klimawandel ist da.

1495 Walter Danner

Walter Danner - Agraringenieur und Unternehmer, hat in 10 Ländern, auf 4 Kontinenten bereits über 40 Biogasanlagen, mit Kapazitäten zwischen 10 kW und 4 MW, designt und gebaut. Seine über 20-jährige Erfahrung bringt er als Biogasberater der UN und natürlich im, von ihm gegründeten, Unternehmen Snow Leopard Projects erfolgreich ein.

Wie passt das zusammen?

Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 38.000 Ölheizungen verkauft. Wahrscheinlich, weil der Heizölpreis gerade eine Niedrigpreisphase hat. Zur Erinnerung: Heizöl ist ein fossiler, endlicher Rohstoff und trägt massiv zur Klimaerwärmung und damit zu Naturkatastrophen bei. Bis heute wurden hingegen nur etwa 30.000 bis 35.000 Stromspeicher in Deutschland installiert – nicht pro Jahr, sondern insgesamt!

Spinnen die Leute?

Eigentlich müssten schon mindestens eine Millionen Stromspeicher in Deutschland installiert sein. Denn PV-Stromspeicher sind für Millionen Haushalte mit einem Stromverbrauch von über 5.000 Kilowattstunden pro Jahr bereits heute wirtschaftlich. Das zeigen meine Berechnungen (siehe Tabelle). Wir haben in Deutschland etwa zehn Millionen Haushalte mit drei oder mehr Personen. Mal angenommen, dass die Hälfte davon ein Haus mit einem Dach hat, dann bleiben etwa fünf Millionen Haushalte, für die sich eine PV-Stromspeicher-Lösung rentiert. Wenn wir von 35.000 bisher installierten Speichern ausgehen, dann haben nur 0,7 Prozent der möglichen Anlagenbetreiber eine PV-Anlage mit Speicher.

1495 3046 Schafherde mit schwarzen Schaf / Foto: Fotolia.com/Mikel Wohlschlegel

Ein Erklärungsversuch

Psychologie ist das passende Stichwort! Wir Menschen denken nicht wirtschaftlich. Der vielzitierte „Homo oeconomicus“ ist wirtschafts-wissenschaftlicher Unsinn. Es gibt den wirtschaftlich rational denkenden Menschen nicht. Es gibt das Herdentier, den Sippenmenschen. Die meisten Menschen tun dasselbe, was der Nachbar tut. Wenn viele Nachbarn eine PV-Anlage haben, dann kaufe ich mir auch eine PV-Anlage – die werden schließlich wissen, was sie tun. Haben die Nachbarn keine, dann kaufe ich mir auch keine. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Mannheim zeigt das sehr schön: Haben die Nachbarn eine PV-Anlage, dann ist die Anzahl von neu installierten PV-Anlagen um 50 Prozent höher als wenn die Nachbarn keine PV-Anlagen besitzen. Solche Sozialfaktoren bestimmen ganz entscheidend das Tempo der Energiewende.

Wirtschaftlich oder nicht?

Ein Sprichwort sagt: „Es kommt darauf an“. Eine Geschichte, die das erläutert: Ich habe im Bayerischen Wald einen Vortrag zum Thema „Sonnenenergie als Altersversorgung“ gehalten. Da meinte ein Zuhörer, dass ich „die Sache mit dem Speicher“ zu positiv darstelle. „Er habe einen Speicher und der hat sich erst nach 16 Jahren amortisiert.“ Er hat aber keine Strompreiserhöhung einkalkuliert und nur mit der jetzigen Investition und dem jetzigen Strompreis gerechnet. Und er hat einen Jahresstromverbrauch von 2.800 Kilowattstunden, was im Einzelfall gegen die Wirtschaftlichkeit eines Stromspeichers spricht. Dabei ist es relativ einfach: Wenn er keine PV-Stromspeicher-Anlage gekauft hätte, dann müsste er jetzt mehr Strom vom Energieversorger kaufen und Geld an diesen überweisen. Die Summe, die die PV-Stromspeicher-Anlage gekostet hat, wäre bei seiner Situation nach 16 Jahren aufgebraucht. Das Geld ist weg. Endgültig. Er hat aber eine PV-Anlage und einen Stromspeicher von dem Geld gekauft. Das Geld ist weg – aber nur vorübergehend. Nach 16 Jahren ist das Geld wieder zurück: Von der PV-Anlage und dem Stromspeicher und der Sonne verdient. Dazu hat er eine PV-Anlage, die noch mindesten 25 Jahre Strom liefert und einen Speicher, der mit etwas Wartung und Ersatz auch noch ein paar Jahre läuft. Das ist wirtschaftlich! Der Skeptiker und die anderen Zuhörer haben das verstanden, ohne Verzinsung, Amortisationsdauer und andere wirtschaftswissenschaftliche Begriffe zu verwenden.

Experten rechnen falsch!

Warum rechnen die meisten Experten nur mit 20 Jahren? Eine PV-Anlage hat heute eine Lebensdauer von 40 Jahren. Die Experten schreiben sie in ihren Kalkulationen aber auf 20 Jahre ab. Beim Stromspeicher wird rechnerisch die Batterie nach 15 Jahren ersetzt und hält dann weitere 15 Jahre. 15 Jahre plus 15 Jahre addieren sich aber auf 30 Jahre. Warum in Gottes Namen schreiben die Experten dann einen Stromspeicher auf 20 Jahre ab? Die Erklärung: Es wird genauso gemacht, wie bei den PV-Anlagen mit EEG-Einspeisevergütung. Keiner denkt darüber nach, dass nach 15 Jahren beim Batteriewechsel eine Batterie kommen wird, die 30 Jahre und länger hält und nur noch ein Viertel des heutigen Preises kostet. Sicher, das wären hypothetische Annahmen und der Experte macht sich angreifbar. Bei Atomkraftwerken darf man das, aber nicht bei Stromspeichern.

Experten erzählen Unsinn!

Experten, Fachzeitschriften und Verkäufer erzählen den Interessierten, dass ein Stromspeicher noch nicht wirtschaftlich ist. Wenn die Preise in zwei bis drei Jahren um ein weiteres Drittel gesunken sind, dann sind Speicher wirtschaftlich. Natürlich ist der Stromspeicher alleine „nicht wirtschaftlich“. Mit einer PV-Speicherkombination als Neuanlage aber bin ich wirtschaftlich. Wir haben in Deutschland noch Millionen Dächer ohne PV und Keller ohne Speicher, bei denen es sich sofort rentieren würde.

Die Angst, etwas falsch zu machen

Millionen Leute haben Geld auf der Bank liegen, ohne wirklich Zinsen zu bekommen. Die eigene Stromversorgung von der Sonne bringt eine Rendite von zwei bis vier Prozent. Für das Festgeld bekommen sie 0,2 Prozent Zinsen. Dennoch zögern sie in PV und Speicher zu investieren. Warum ist das so? Die einzige Erklärung ist, dass die Menschen Angst haben. In persönlichen Gesprächen habe ich festgestellt, dass die Leute glauben, Bescheid zu wissen. Sie wissen, dass Speicher noch viel zu teuer sind. Sie wissen, dass Speicher eine kurze Lebensdauer haben. Sie wissen, dass Speicher unrentabel sind. Sie wissen alles, kennen aber keine Fakten. Da treffen wir mal lieber gar keine Entscheidung. Und warten, was der Nachbar macht.

Was ist zu tun?

Wir müssen Geschichten erzählen. Geschichten, wie viel Spaß ein Stromspeicher macht. Über die Freude heute wieder mal keinen Strom vom Netz bezogen zu haben. Ich kenne das. Ich habe einen Stromspeicher. Und natürlich habe ich mir einen Stromspeicher gekauft, der völlig „unwirtschaftlich“ ist. Ein Modell mit drei Phasen, mit dem ich auch meinen Brennholzspalter oder alle Herdplatten gleichzeitig betreiben kann. Die Leute verstehen Geschichten besser als alle ausgefeilten Wirtschaftlichkeitskalkulationen. Audi erzählt tolle Geschichten und verkauft so teure Autos, die keiner wirklich braucht. „Mein Audi“ ist mein Stromspeicher. Da habe ich meinen „Vorsprung durch Technik“. Wir appellieren oft an die Vernunft des Menschen sich doch umweltfreundlich zu verhalten. Doch kein Mensch entscheidet aus Vernunftgründen. Die Leute müssen sehen, dass der Nachbar einen Stromspeicher hat. Dann kaufen sie auch. Die Leute müssen was zum Erzählen haben. Am Stammtisch. Am Arbeitsplatz. Im Kirchenchor.

Jeder, der Geld auf der Bank rumliegen hat und kaum bis keine Zinsen dafür bekommt, sollte sich sofort eine PV-Anlage mit Stromspeicher kaufen. Jetzt! Dann denkt sich der Nachbar, das mache ich auch! So geht das. Vielleicht mache ich mir selbst noch einen Anstecker für die Jacke mit „Ich habe einen Stromspeicher!“. Dann weiß es jeder.

Beispielrechnung

Ausgangsdaten

Strompreis brutto 0,286 €
Strompreissteigerung/Jahr 2 %
Stromverbrauch/Jahr 5.000 kWh
Autarkiegrad 70 %
Speicherwirkungsgrad 70 %
Anlagengröße PV-Anlage 9,36 kWp
Speichergröße netto 8,5 kWh

Stromkosten beim EVU in 30 Jahren
Stromkosten bei EVU in 30 Jahren 58.566 €
Selbsterzeugter und verbrauchter Strom 108.500 kWh
Vermiedene Kosten beim EVU in 30 Jahren für „eigenverbrauchten“ Strom 42.362 €
Durchschn. Strombezugspreis über 20 Jahre 0,39 €/kWh
Zusätzlicher Bezug beim EVU trotz Speicher & PV 16.203 €

FALL: Speicher & PV – Unternehmer Jahre 1 bis 5;
Kleinunternehmer nach 5 Jahren
Einnahmen
Förderung KfW 3.063,28 €
Einnahmen aus eingespeistem Strom 13.276 €
Ausgaben
Investition 28.900 €
Betriebskosten 12.000 €
Zinsen KfW-Darlehen 0 €
Umsatzsteuer 1.007 €
Steuerlast bei 30% Est.-Satz 524 €
Kosten für selbsterzeugten und verbrauchten Strom 24.902 €
Durchschn. Strompreis – Eigenerzeugung 0,23 €/kWh
Ersparnis auf 30 Jahre 17.460 €
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