Jede Spülmaschine lässt sich an die Warmwasserleitung anschließen
Aber nicht in allen Fällen macht das Sinn. Gut gemeinte Ratschläge können sich als falsch herausstellen.

Jede Spülmaschine lässt sich an die Warmwasserleitung anschließen

Aber nicht in allen Fällen macht das Sinn. Gut gemeinte Ratschläge können sich als falsch herausstellen.
Von Oliver Stens

(07. Dezember 2003) Eine Kilowattstunde Strom kostet mit zirka 16 Cent vier Mal so viel wie die gleiche Energiemenge aus Gas oder Öl. Da liegt die Idee nahe, die Maschine ans Warmwassernetz anzuschließen. Zusätzliche Anschlusskosten fallen in der Regel nicht an, da meistens eine Warmwasserleitung zur Spüle vorhanden ist. Aber die Einsparung hält sich oft sehr in Grenzen. In manchen Fällen erhöhen sich sogar die Kosten. Es gibt einige Effekte, die dieser Sparabsicht entgegenwirken.

Vergleich Kosten Kaltwasser Warmwasser mit Geldmünzen

Drei bedauerliche Haken

Der erste Haken: Das Programm der Spülmaschine setzt nicht nur warmes, sondern auch kaltes Wasser ein. Üblicherweise werden Reinigungs- und Spülwasser elektrisch aufgeheizt. Vorspülgang, Zwischenspülgänge und der Regeneriervorgang erfolgen bei den meisten Modellen mit Kaltwasser. Beim Anschluss ans Warmwassernetz wird so mehr Warmwasser als nötig angefordert, im Extrem doppelt so viel.

Eine Entwicklung von Maschinen mit Warm- und Kaltwasseranschluss, was es bei Waschmaschinen bereits gibt, wäre aber aufgrund der geringen Wassermengen aberwitzig. Doch warten wir ab, wann der erste Hersteller die Idee aufgreift und dem gutgläubigen Kunden als geniale Innovation verkauft.

Je nach Gegebenheiten verkürzt sich die Laufzeit des Programms um zehn bis 30 Minuten. Dies ist aber keineswegs ein Vorteil, denn diese Zeit fehlt für die Reinigung. Bei manchen Herstellern erlischt beim Anschluss ans Warmwasser der Anspruch auf Garantie.

Der zweite Haken: Etwa die Hälfte der Energie wird zur Erwärmung des Geschirrs und der Maschinenteile geschluckt. Denn auch diese erwärmen sich auf die gleiche Temperatur wie das Wasser. 60 Grad heißes Wasser wird nach etwa zwei Minuten Umwälzung vom Geschirr auf 40 Grad herunter gekühlt. Hier muss dann doch wieder die elektrische Heizung der Maschine zum Nachheizen einspringen.

Ein dritter Haken kann sich herausstellen, wenn man sich die Gegebenheiten der Warmwassererzeugung und -verteilung klar macht.

Diagramm Geschirrspülmaschine am Kaltwasser- und Warmwasser-Anschluss

Der Betrieb am Warmwassernetz ist oft, aber nicht immer lohnend. In diesem Fall (Warmwasser mit Gas, ohne Zirkulation) halten sich Vor- und Nachteile etwa die Waage. Die Kurven zeigen den Verlauf der elektrischen Leistung und Temperatur während eines Spülprogramms.

Warmwasser elektrisch? Umklemmen nutzlos

Ein Anschluss ans Warmwassernetz wäre hier Unsinn. Kosten und Stromverbrauch würden sich durch Wärmeverluste zwischen Boiler und Spülmaschine erhöhen.

Öl oder Gas? Kommt drauf an

Zirkuliert das Warmwasser, kommt es ohne viel Vorlauf in die Maschine.

Der Nachteil: Diese Umwälzung ist generell mit hohen Strom- und Wärmeverlusten verbunden. Wer diesen Komfort aber ohnehin in Anspruch nimmt, für den lohnt sich der Anschluss ans Warmwassernetz sicher.

Hat man keine Warmwasser-Zirkulation, liegen die Dinge etwas anders. Man kennt das Phänomen vom Spülbecken: Es dauert stets einige Zeit, bis das warme Wasser tatsächlich aus dem Hahn läuft. Dasselbe gilt auch für die Zuleitung zur Spülmaschine. Selbst bei kurzen Leitungswegen können zwei bis drei Liter Kaltwasser dahinrauschen, bis der erste Tropfen Warmwasser dazu läuft.

Die Folge: Die Spülmaschinenheizung muss dementsprechend nachheizen. Schade eigentlich, denn die gleiche Menge Heißwasser bleibt in der Zuleitung stehen und kühlt bis zur nächsten Wasseranforderung langsam wieder ab. Hier ist die Sache also nicht so eindeutig, wie man zunächst vermutet. In einer Vergleichsmessung (Warmwasser über Gas-Durchlauferhitzer) ergab sich keine nennenswerte Gesamteinsparung. Was man beim Strom spart, zahlt man beim Gas wieder drauf, siehe Grafik.

Warmwasser solar? Nur zu!

Wenn die Aufheizung über die hauseigene Solaranlage geschieht, kann man den Anschluss pauschal befürworten. Zwar hat man im Winter und in der Übergangszeit die gleichen Nachteile des dann einspringenden Heizungssystems, aber dafür hat man das halbe Jahr Warmwasser quasi umsonst.