Umweltbelastungen und hohe Kosten durch Elektroheizungen jetzt aktenkundig
Die Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums belegt die guten Gründe für den Ersatz der extrem klimaschädlichen Nachtstromspeicherheizungen.

Umweltbelastungen und hohe Kosten durch Elektroheizungen jetzt aktenkundig

(3. Oktober 2007) Eine wissenschaftliche Studie hat Umweltbelastungen und hohe Kosten von Elektroheizungen belegt. Die Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums belegt die guten Gründe für den Ersatz der extrem klimaschädlichen Nachtstromspeicherheizungen.

Download Studie Stromheizungen (1.42 MB)

Nachtstromspeicherheizungen wurden von den Energieversorgungsunternehmen in der Vergangenheit insbesondere in der Nähe von Kohlekraftwerken gezielt gefördert ("Kohle per Draht"), um diese nachts auf Grund der Lasttäler nicht zu sehr drosseln zu müssen bzw. das Netz vor Überspannung zu schützen.

Seit der Liberalisierung der Energiewirtschaft Ende der 90er Jahre haben sich die Rahmenbedingungen für die Versorgung mit Elektrizität grundlegend geändert. Physikalisch gleicher Strom wird nunmehr ökonomisch, ökologisch und im Zeitgang differenziert weit über die Landesgrenzen hinaus gehandelt. Eine bessere Regelbarkeit der Kraftwerke, die Verstärkung der europäischen und nationalen Verbundnetze, der Ausbau der Windenergie u. v. a. m. haben die technischen Gegebenheiten erheblich verändert.

Mit der Errichtung von Gebäuden wird zugleich der Energieträger bzw. das Heizsystem ausgewählt und damit eine Entscheidung für Jahrzehnte getroffen. Die die konkurrierenden Energieträger (Strom, Heizöl, Erdgas, Nah- und Fernwärme) anbietenden Unternehmen versuchen naturgemäß, mit verlockenden Angeboten die Entscheidung in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Elektrische Speicherheizungen erscheinen auf Grund der geringen Investitionsaufwendungen und quasi Null-Emissionen im Gebäude als ideales Heizungssystem. Bei genauerer Betrachtung erweist sich jedoch, dass ihre Nutzung die mit Abstand klimaschädlichste Art zu heizen ist. Zudem schneiden Nachtspeicherheizungen bei einem Wärmevollkostenvergleich gegenüber Heizungen auf der Basis anderer Energieträger am schlechtesten ab.

Insbesondere auf Grund der ökologischen Nachteile der Nachtstromheizungen ist zum 31.12.2006 auch die Steuerermäßigung für Strom zum Betrieb von Nachtspeicherheizungen, die vor dem 1. April 1999 installiert wurden, ausgelaufen. Zum Ausgleich wird seit Mai 2003 der Ersatz von elektrischen Nachspeicherheizungen im Rahmen des mit Bundesmitteln ausgestatteten KfW-CO2-Gebäudesanierungsprogramms als Einzelmaßnahme gefördert: www.kfw-foerderbank.de [http://www.kfw-foerderbank.de].

Elektrische Widerstandsheizungen kommen als Speicherheizungen (insbesondere Nachtspeicherheizungen mit einem Anteil von 99 %, aber auch Fußbodenspeicherheizungen bzw. Blockspeicher) oder Direktheizungen (Flächenheizungen, Konvektoren, Radiatoren, Strahler, Lüftungsheizgeräte etc.) zum Einsatz. 1,4 Mio. Wohnungen (jede 25.) werden derzeit in Deutschland elektrisch beheizt. Der Heizstromverbrauch stieg vor allem infolge des Neuanschlusses von elektrischen Widerstandsheizungen in Wohngebäuden von 1995 bis 2004 um 6 % und damit stärker als der Gesamtenergieverbrauch von Raumwärme.

Im Ergebnis dient jede siebte Kilowattstunde Strom der Niedertemperaturwärme (Raumheizung plus Warmwasser). Allein für elektrische Widerstandsheizungen sind dies 35 TWh. Diese Stromanwendung verursacht 30 Mio. t CO2/a, das sind mehr als 3 % der gesamten deutschen CO2-Emissionen.

Ineffizienz der Stromheizung

Elektrische Widerstandsheizungen sind exergetisch (hinsichtlich des Arbeitsvermögens) eine Verschwendung hochwertiger Energie für die Bereitstellung niederwertiger Raumwärme. Nach einer Studie [/energieeffizienz/downloads/doc/print/39929.php] von IZES/Bremer Energieinstitut sind die spezifischen CO2-Emissionen gegenüber einer Gas-Brennwertheizung um den Faktor 3,6 und gegenüber einer Pellet-Heizung sogar um den Faktor 13 höher. Nachtspeicherheizungen sind damit extrem klimaschädlich.

CO2-Minderungspotenzial

Mindestens 23 Mio. t CO2/a können durch den Ersatz von Nachtspeicherheizungen eingespart werden. Besonders vorteilhaft ist die Umstellung auf eine Holzpellet-Heizung mit Solaranlage oder hocheffiziente Nah- bzw. Fernwärmeversorgung.

Derzeitige Kosten für Stromnutzung

Die Preiskalkulation für Strom für elektrische Widerstandsheizungen beruht insbesondere auf einem extrem niedrigen Wert für Netznutzungsentgelte - im Bundesschnitt 2 Ct/kWh, weit weniger als ein Drittel der regulären Netznutzungsentgelte im Niederspannungsbereich. Dies dürfte sich aus rechtlichen, betriebswirtschaftlichen und betriebstechnischen (z.B. Veränderung des Kraftwerksparks, bessere Regelbarkeit der Kraftwerke) sowie anderen Gründen zunehmend ändern. Einige Stromanbieter haben bereits ihre Tarife nach oben korrigiert bzw. preisgünstige Sondertarife nicht verlängert.

Ein realistisch kalkulierter Preis für Elektroheizungen müsste bei 15 - 16 Ct/kWh liegen. Das liegt jenseits der Energiepreise, die für die sonst üblichen Heizsysteme anzusetzen sind (z.B. Erdgas ca. 7 Ct/kWh). Würden die Strompreise für Elektroheizungen auf dieses Niveau angehoben würde sich der Druck stark erhöhen, diese Heizungen schnellstmöglich zu ersetzen. Die Mieter hätten das Nachsehen, was u. a. zu sozialen Problemen führen würde.

Umstellung auf eine umweltfreundliche Heizung

Der Kabinettsbeschluss sieht vor, Nachtstromspeicherheizungen zur Erzeugung von Raumwärme stufenweise in einem Zeitraum von mindestens 10 Jahren außer Betrieb zu nehmen.

Die Heizungsumstellung durch die nachträgliche Ausstattung der Gebäude z.B. mit einer Pumpenwarmwasserheizung (Verrohrung, Heizkörper, Warmwasserspeicher etc.) verursacht vergleichsweise hohe Kosten. Es ist deshalb vorgesehen, den Austausch von Nachtstromspeicherheizungen im Gebäudebestand durch Fördermaßnahmen zu flankieren, die die Investition für den Bauherrn in Verbindung mit der Energiekosteneinsparung rentabel machen.

Außerdem sind Härtefall- und Befreiungsregeln vorgesehen. Dazu gehört auch, dass die Außerbetriebnahme nicht erfolgen muss, wenn selbst unter Berücksichtigung von Fördermöglichkeiten der Austausch unwirtschaftlich ist. Mieter sind in jedem Fall die Gewinner, weil sie von der Heizungsumstellung durch die Energiekosteneinsparung profitieren.

Auswirkungen auf Beschäftigung

Die Ausschöpfung des CO2-Minderungspotenzials würde Investitionen von rund 18 Mrd. € auslösen. Verteilt über 13 Jahre würden damit ca. 35.000 Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen.