EU kritisiert deutsche Pläne zu Ostseepipeline
Kommission befürchtet zu starke Abhängigkeit von Russland

EU kritisiert deutsche Pläne zu Ostseepipeline

(11. Februar 2016) Die EU stellt sich gegen den auch von Deutschland forcierten Bau der Pipeline Nord Stream 2 (mehr dazu hier). Deutschland will damit die Versorgungssicherheit von Erdgas erhöhen, da in absehbarer Zeit die Nordsee-Gasfelder der Niederlanden, bisher nach Russland und Norwegen die Nummer 3 der hiesigen Importeure, erschöpft sein werden. Damit steigt die Abhängigkeit von russischen Lieferungen, die nun die EU verhindern will.

311 Maroš Šefčovič. Foto: EU/flickr

Foto: EU-Vizepräsident Maroš Šefčovič. EU/flickr

Der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Maroš Šefčovič, fordert nun nach einem Bericht des Spiegel eine neue Debatte über die Nord Stream 2. Seiner Meinung nach würden dann 80 % aller russischen Gaslieferungen über die Ostsee erfolgen. Dies könne nicht im Sinne der Versorgungssicherheit der EU sein. Die Vorschläge der EU sehen eine Lösung innerhalb der Union vor. Dazu gehören

  • Nutzung von amerikanischem und norwegischem Flüssiggas (wobei Norwegen kein EU-Mitglied ist), insbesondere zur Versorgung des Baltikums
  • mehrere Pipelines zur Anbindung von Finnland und dem Baltikum
  • rasche Fertigstellung eines Flüssiggasterminals in Kroatien mit Pipeline Richtung Ungarn
  • Ausbau des Pipeline-Netzes in Rumänien, Bulgarien und Griechenland.

Der EU-Kommissar folgt damit der Linie der osteuropäischen Länder, die ebenfalls vehement die neue Ostseepipeline kritisieren.

Generell bedeutet die Verflüssigung von Erdgas auf diese Distanzen (Norwegen-Baltikum oder Deutschland) höhere Kosten in Verarbeitung und Logistik als ein Pipelinetransport. Das könnte die Pläne der Bundesregierung konterkarieren, die hiesige Versorgungssicherheit vor allem mit Erdgas aus Russland sicherzustellen, das sich bisher immer als zuverlässiger Lieferant erwiesen hat. Zu erwarten ist jedoch,dass Deutschland an den Plänen zu Nord Stream 2 festhält und der Doppel-Pipelinestrang wie geplant realisiert wird.