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Emissionshandel Schmutzige Geschäfte mit Zertifikaten

Schmutzige Geschäfte mit Zertifikaten

(23. Juni 2010) Europa hat den ersten Skandal mit CO2-Zertifkaten: Das Unternehmen Hungarian Energy Power soll bereits verwendete Verschmutzungsrechte über zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid an einen Londoner Händler verkauft haben, der die Papiere an einen großen EU-Händler weitergab. Die Börsen Bluenext in Paris, Greenmarket in München und die nordeuropäische Nordpool stoppten daraufhin kurzfristig ihren Kassahandel. Nur an der European Climate Exchange (ECX) wurde weitergehandelt.

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Die EU-Kommission untersucht, ob recycelte Verschmutzungsrechte („Certified Emission Reductions", kurz CER) in Umlauf gekommen sind. Diese dürfen nicht mehr gehandelt werden, weil der ausgewiesene Kohlendioxid-Ausstoß bereits erfolgt ist.

Auch in Deutschland gibt es Unregelmäßigkeiten: Mehr als 1.000 Fahnder durchsuchten in ganz Deutschland Büros und Privatwohnungen, um einen Steuerbetrug im Handel mit Emissionszertifikaten aufzudecken. Der Verdacht richtet sich gegen 50 Unternehmen und 150 Verdächtige. Durchsucht wurden mehr als 230 Objekte. Betroffen waren auch die Deutsche Bank und die RWE-Handelstochter RWE Supply & Trading. Den Schaden durch den betrügerischen Handel mit CO2-Emissionsrechten in ganz Europa schätzt Europol auf mehr als fünf Milliarden Euro.

Unterdessen hat das Uno-Klimasekretariat den TÜV Süd von der Zertifizierung von CDM-Klimaschutzprojekten ausgeschlossen.

Der Clean Development Mechanism (CDM) ist ein Instrument des Kyoto-Protokolls, mit dem beispielsweise konventionelle Energieerzeuger aus Industrieländern in Entwicklungsländern Projekte zur CO2-Reduzierung umsetzen und dafür Emissionszertifikate bekommen, um ihre eigene Emissionsbilanz zu verbessern.

Der TÜV Süd war bislang die zweitwichtigste Prüfstelle weltweit auf dem Feld und hat bereits 1150 Projekte genehmigt. Das Unternehmen hat nun sechs Monate Zeit, die Mängel zu beheben. Das Uno-Klimasekretariat wirft dem TÜV Süd vor, auch CDM-Projekte positiv begutachtet zu haben, an deren Zuverlässigkeit es Zweifel gegeben habe. Ähnlich erging es bereits der Det Norske Veritas (DNV), einem zweiten großen Player in diesem Geschäft.

Insgesamt befinde sich das CDM-Modell auf einem Auslaufpfad, meint das Öko-Institut: Sein Konstruktionsfehler sei, dass der jeweilige Auftraggeber das Unternehmen bezahle, das die Zertifikate ausstellt. Bis zu 50 Prozent der Projekte verstoßen nach Ansicht der Experten gegen das Kriterium der Zusätzlichkeit. Dieses soll sicherstellen, dass das Projekt ohne CDM nicht durchgeführt worden wäre.

letzte Änderung: 06.06.2018