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Heizöl wird wieder teurer

Heizöl wird wieder teurer

Heizöl ist derzeit so günstig wie zuletzt im Jahr 2010. Aber das wird wahrscheinlich nicht mehr lange so bleiben.
Warum, erklärt Ölmarktexperte Frank Urbansky.

(26. Juni 2015) Im April stiegen die Heizölpreise um gut fünf Eurocent je Liter an. Damit bewegen sie sich aber noch immer auf dem Niveau von vor fünf Jahren. Damals begann eine kurzfristige Teuerung, die es abgesehen vom Spekulationsjahr 2008, so in der Geschichte des Heizöls in Deutschland noch nicht gegeben hat. Der Höhenflug führte Heizöl damals bis auf durchschnittlich 94 Eurocent je Liter bei einer Liefermenge von 3.000 Litern HEL im Oktober 2012. Danach begann ein schleichender Rückgang bis etwa Juni 2014. Von da an gab es für die Preise nur noch eine sehr deutliche Richtung: bergab. Im Januar 2015 zahlte man gerade noch 54 Eurocent – und das, obwohl ein permanent schwächerer Euro das Produkt eigentlich hätte verteuern müssen.

Gewollter Niedrigpreis

Bedingt war dies durch die expansive Förderpolitik Saudi-Arabiens. Der neben Russland weltgrößte Produzent Saudi Aramco wirft jeden Tag zehn Millionen Barrel (englisch für „Fass“ entspricht rund 159 Liter) des Heizöl-Ausgangsstoffs Rohöl auf den Markt. Das ist ein Zehntel des Weltbedarfs.

2429 Tankschiff / Foto: navy.mil / Wikimedia

Tankschiffe werden derzeit genutzt, um die Öl-Überproduktion auf den Weltmeeren zwischenzulagern. Foto: navy.mil / Wikimedia

In der OPEC haben die Saudis die größte Macht. Stimmten sie das Kartell bis dahin immer auf eine ausgleichende Politik ein – Förderdrosselung bei Preisverfall und Förderanhebung bei zu hohen Preisen, stand nun das Verteidigen der Marktanteile im Vordergrund. Denn die hatten die Saudis durch ihre Politik des Ausgleichs reichlich verloren. Das lag zum einen an der zunehmenden Eigenversorgung der USA durch Schieferöl, das zum Großteil mittels Fracking gewonnen wird, zum anderen an der schwächelnden Weltkonjunktur und an Effizienzmaßnahmen, die einen geringeren Bedarf zur Folge haben.

Den Saudis darf man jedoch nicht allein den Schwarzen Peter zuspielen. Andere Player fahren eine ähnliche Politik.

Förderungen der OPEC

Derzeit produziert die OPEC jeden Tag etwas mehr als 30 Millionen Barrel. Das sind rund 500.000 Barrel mehr als benötigt. Für diese Übermengen finden sich keine Abnehmer. Da das Öl des Kartells im Vergleich zum Fracking, aber auch im Vergleich mit der Nordseeförderung Norwegens, der Niederlande und Großbritanniens vergleichsweise billig zu fördern ist, werden so genau diese lästigen Konkurrenten aus dem Markt gedrängt (siehe Tabelle).

Land Förderkosten in US-Dollar
je Barrel im Durchschnitt
Saudi-Arabien bis 25
Rest-OPEC bis 37
Russland bis 42
USA (klassische Förderung) 50
Norwegen (Nordsee) 60
USA (Fracking-Schieferöl) ab 70
Kanada (Ölsand) 80

Quelle: Unicredit, Angaben der Unternehmen

Aktuell bewegt sich der Preis leicht oberhalb der Grenze von 60 Dollar, mit leicht steigender Tendenz. Im April hat die OPEC ihre Förderung nicht eingeschränkt. Dadurch wird dieses niedrige Preisniveau noch eine Weile halten können. Produktionen jenseits der 60-Dollar-Grenze werden damit unwirtschaftlich und verschwinden aus dem Markt. Rohstoff-Analysten der Unicredit rechnen damit, dass zwölf Prozent der gesamten Weltproduktion derzeit unrentabel sind.

Schlechte Zeiten für Fracking

Als Erstes wird es wohl die US-Fracker erwischen. Die führenden Bohrlochausrüster Halliburton und Schlumberger entlassen momentan rund 10.000 Mitarbeiter. Der Grund: Die Anzahl der aktiven Bohrlöcher ist im April 2015 auf den Stand von 2010 gesunken – etwa zu der Zeit, als der Fracking-Boom begann.

„Kurzfristig, und das kann man seit Januar 2015 bereits erkennen, erwarte ich vor allem einen Förderrückgang des gefrackten Öls. Dieses trägt weltweit vier bis fünf Prozent bei. In den USA liegt der Anteil allerdings deutlich höher“, bestätigt der Energiemarktkenner Dr. Werner Zittel von der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH.

Unwirtschaftliche Förderungen

Auch  die Förderung des Nordseeöls durch Norwegen rechnet sich kaum. Der Staatskonzern Statoil hat bereits angekündigt, jeden fünften Mitarbeiter im technischen Bereich zu entlassen. Ein weiterer Grund hierfür ist auch das immer schwerere Aufspüren lukrativer Felder, die eine kostengünstige Förderung versprechen. „2014 waren laut IHS Energy die neuen Ölfunde so gering, wie letztmals 1952 mit etwa 4,5 Milliarden Barrel“, so Zittel. Dafür hätten die Firmen fast genauso viel Geld ausgegeben wie 2013 und auch ähnlich viele Explorationsbohrungen niedergebracht. „Wenn jetzt“, so Zittel weiter, „für 2015 deutlich weniger Geld für Exploration ausgegeben wird, dann dürfte sich das natürlich negativ auf die neuen Funde für die Jahre 2015 und 2016 auswirken.“

Gleichzeitig hielten die Ölkonzerne ihre Fördermengen aufrecht. Die Erklärung liege wohl darin, dass alle gerade in Zeiten eines niedrigen Ölpreises so viel wie möglich fördern wollen, um den Umsatz und damit die Marktanteile möglichst hochzuhalten und laufende Ausgaben decken zu können. Damit ähneln sie durchaus der Politik von Saudi Aramco. „Förderer haben also eher einen noch größeren Anreiz, die Förderung auszuweiten, um ausreichende Einnahmen zu generieren“, meint Zittel.

Fusionen in großer Zahl

Die aus den niedrigen Erlösen resultierenden krisenhaften Zustände machen viele Unternehmen der Ölbranche billig und anfällig für Fusionen. In den USA schlossen sich etwa Shell mit der British Gas Group zusammen. Die BCG hatte im Jahr 2014 ein Milliarden-Minus eingefahren und war dadurch finanziell stark angeschlagen. Dieser Deal war nur die Spitze eines Eisbergs, der auf insgesamt 130 Fusionen allein im letzten Jahr in der Ölbranche in den USA kam. 2015 setzt sich dieser Trend fort. Der dadurch geminderte Wettbewerb wird zwar nicht kurzfristig, dennoch aber in absehbarer Zeit ebenfalls zur Kostensteigerung beim Öl beitragen.

Steigende Preise voraus!

Die jetzt und in Folge ausfallende Produktion führt zudem zwangsläufig zu einer Verknappung und damit zu steigenden Preisen – auch für Heizöl. Wann das sein wird, ist schwer zu sagen. Denn die derzeitige Überproduktion wird den Preis noch eine ganze Weile niedrig halten. Die Rechnung der Saudis könnte dennoch aufgehen.