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Die Mär vom schmutzigen Elektroauto

Die Mär vom schmutzigen Elektroauto

Ständig stolpert man über Rechtfertigungsversuche, die dem deutschen Autofahrer das Gewissen reinwaschen sollen und das Elektroauto als Umweltsau identifizieren. Doch immer wieder sind diese Argumentationen viel zu kurz gedacht, meint Jana Höffner.

(19. Februar 2018) Nicht erst seit „Dieselgate“ wissen wir, dass Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren unsere Städte nicht zu Luftkurorten machen. Trotz vermeintlich sauberen Dieseln leiden viele Städte in Deutschland unter hoher Feinstaub- und Stickoxidbelastung. Wer schon einmal an einer Hauptverkehrsstraße gewohnt hat, weiß, wie belastend und krankmachend die Verkehrsbelastung ist.

1900 Jana Höffner

Jana Höffner bloggt unter www.ZoePionierin.de seit 2012 über Elektromobilität. Sie hat den Verein Electrify-BW e.V. mitgegründet und ist dessen zweite Vorsitzende. Auf www.Electrify-BW.de produziert sie einen regelmäßigen Podcast, der sich mit allen Themen rund um die Elektromobilität und die Verkehrswende beschäftigt.

Rückzugsgefechte der Autolobby

Aber gegen das leise Elektroauto ohne Auspuff werden Bedenken vorgebracht. Der Strom sei ja nicht sauber und der CO2-Rucksack der Batterie sei so groß, dass er sich nie kompensieren lasse. Mit solchen Argumenten begeben wir uns in ein Scheingefecht und führen einen argumentativen Stellvertreterkrieg für die „Old Boys“ der deutschen Automobilindustrie, die die Elektromobilität scheuen, wie der Teufel das Weihwasser, und die Mineralölkonzerne, die ihr Geschäftsmodell massiv bedroht sehen.

In China erleben die erneuerbaren Energien einen unvergleichlichen Boom. In den USA entwickelt man nicht nur die Autos von morgen, sondern auch die dazugehörigen Plattformen. Und währenddessen beschäftigen wir uns mit Debatten und Glaubenskriegen darüber, ob eine auf endlichen Rohstoffen aufbauende Mobilität besser ist, als eine, die auf nachhaltige Quellen setzt – deren stärkerer Ausbau zum Konzept der Elektromobilität ohnehin dazugehört.

Umweltvorteil des Elektroautos

Der Elektroantrieb ist die Zukunft. Denn Strom ist erneuerbar! Diesen Vorteil spielt das Elektroauto nicht nur auf der Straße aus, sondern auch in der Produktion. Eine Studie aus Schweden hat das bestätigt. Zell- und Batterieproduktion basieren auf dem Einsatz elektrischer Energie. Würde dafür Strom aus erneuerbaren Energien verwendet, dann würde das den CO2-Rucksack beim Bau des Elektroautos signifikant verringern. Und im Betrieb sind die CO2-Emissionen von Elektroautos selbst mit dem aktuellen deutschen Strommix um den Faktor 2 bis 2,5 geringer. So lange wir einfach zu bequem sind, Energie zu sparen, braucht niemand damit kommen, dass Elektroautos anderen den Ökostrom wegnehmen.

Effizienzvorteil des Elektromotors

Der Elektromotor geht viel effizienter mit der Energie um. Ein Verbrennungsmotor hat einen Wirkungsgrad von 15 bis 30 Prozent. Ein Elektromotor hat 90 bis 95 Prozent. Von der Quelle bis zum Rad liegt der Gesamtwirkungsgrad beim Verbrenner bei unter zehn Prozent. Beim Elektroauto mit Ökostrom sind es 73 Prozent. Auch die Lärmbelastung in unseren Städten würde dramatisch sinken.

Stromnetzstabilisierung

Jeder, der sich mit erneuerbaren Energien beschäftigt, weiß um die Bedeutung von Dezentralisierung, Smart Grids sowie Mikrogrids. Und auch hier kommt das Elektroauto ins Spiel. Denn das Elektroauto wird zum Stromspeicher. Ideal um die Spitzen und Senken der volatilen erneuerbaren Energien auszubügeln.

Batterierecycling

Daneben treibt das Elektroauto die Batterietechnik massiv voran. Ausgediente Elektroautobatterien finden ein zweites Leben in Netzspeichern und Pufferbatterien für Schnellladestationen. Alte Elektroauto-Batterien sind kein Sondermüll. Vielmehr sind sie wertvolle Rohstofflager. Die Batterie „verbraucht“ ihre Bestandteile nicht, daher können Sie recycelt werden. Auch wenn es hier noch Forschung und Innovation braucht, um die Recyclingprozesse weiter zu verbessern. Die Hersteller stehen jedenfalls in den Startlöchern.

2015 fielen laut Umweltbundesamt im Strommix pro erzeugter Kilowattstunde (kWh) 535 Gramm CO2 an.

  • Ein Tesla Model S verbraucht 21 kWh pro 100 km. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 112,35 g CO2/km.
  • Ein vergleichbarer Audi A7 3,0 TDI braucht 8 Liter Diesel pro 100 km. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 211,2 g CO2/km.
  • Ein vergleichbarer Audi A7 3,0 TSFI braucht 11,8 Liter Benzin pro 
100 km. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 274,94 g CO2/km.

Auch in der Kompaktklasse ist diese Rechnung positiv für das Elektroauto:

  • e-Golf (116 PS): 16,64 kWh/100 km = 89,02 g CO2/km.
  • Diesel-Golf (100 bis 130 PS): 5,56 Liter/100 km = 146,78 g CO2/km.
  • Benzin-Golf (100 bis 130 PS): 7,32 Liter/100 km = 170,56 g CO2/km.