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Change – Die radikale Wende
Vorschläge von Graeme Maxton

Change – Die radikale Wende

Die Menschheit braucht eine radikale Wende, und mit jedem Tag, den wir zögern, muss sie noch radikaler werden, sagt Graeme Maxton in seinem neuesten Buch mit dem Titel „Change“. Der irische Manager und Banker fordert einen sofortigen und radikalen Wandel. Wir zitieren nachfolgend aus seinem Buch.

(21. Januar 2019) „Da der Zusammenbruch bereits relativ weit fortgeschritten ist, lassen sich viele der gravierenden Folgen, die uns bevorstehen, mit keiner Maßnahme der Welt mehr verhindern. [...] Statt den Zusammenbruch zu verhindern, geht es heute darum, den Zusammenbruch in kontrollierbare Bahnen zu lenken und seine langfristigen Folgen zu reduzieren. Nichts davon geschieht. Die Menschheit steuert geradewegs und immer schneller auf eine noch viel schlimmere Krise zu, die ihr langfristiges Überleben in Frage stellt.  [...] Das Problem zu lösen, ist jetzt so dringlich, dass wir es nicht mehr unseren Kindern und Enkeln überlassen können.

1900 Schriftzug Change Chance / Foto: peterschreiber.media / stock.adobe.com

Folgen einer Erwärmung um 4 Grad

Wenn wir es zulassen, dass die Durchschnittstemperatur um 4 Grad steigt – was der aktuellen Prognose für das Jahr 2100 entspricht, sofern nichts geändert wird – kippt die Erde in einen Zustand wie vor über 40 Millionen Jahren, in eine Zeit, als es keine Polkappen und Gletscher gab. Dieser Schmelzprozess wird extrem langsam vonstatten gehen und Jahrhunderte dauern.

Nur 500 Mio. Menschen könnten überleben

Aufgrund der Verzögerungen im System und weil die Treibhausgase weiter aufsteigen, auch wenn die Menschheit keine mehr produziert, wird es ab 2020 nicht mehr möglich sein, den Temperaturanstieg auf unter 1,5 Grad zu halten. Das werden wir allerdings erst Anfang oder Mitte der 2030 Jahre zu spüren bekommen. [...] Sobald die 2-Grad-Schwelle erreicht ist, wird sich die Erwärmung immer weiter beschleunigen und zum Ende des Jahrhunderts 4 Grad betragen und danach weiter ansteigen. [...] Die Veränderungen werden so groß sein, dass es für die Menschheit nahezu unmöglich sein wird, so weiterzuleben wie bisher. [...] Schätzungen gehen davon aus, dass kaum 500 Millionen Menschen überleben könnten, ohne Berücksichtigung der Konflikte, die sich aus dem Überlebenskampf ergeben werden.

All unsere Bemühungen zur Klimarettung haben bislang so gut wie nichts gebracht und werden vor allem keine nur annähernd ausreichende Wende in den nächsten 20 Jahren bringen. Trotz aller Investitionen in erneuerbare Energien sind die Treibhausgasemissionen so hoch wie nie zuvor und steigen weiter.

Ohne radikales Umdenken zieht eine Katastrophe auf, und zwar unweigerlich. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit wird eine Generation eine klare Vorstellung davon haben, was ihre Kinder erwartet: unkontrollierbarer Klimawandel.“

Die Radikalkur

Das Grundproblem ist das fortwährende Wirtschaftswachstum und die damit verbundenen Umweltbelastungen. Das Wirtschaftssystem muss also umgebaut werden. Für das zentrale Problem gibt es keine technologische Lösung. Die Treibhausgasemissionen müssen jährlich um mindestens drei Prozent gesenkt werden, in zehn Jahren um 35 Prozent und bis 2040 um 80 Prozent. Maxton hat einen radikalen Plan: „Es dürfen keine Investitionen mehr in die fossile Energiewirtschaft fließen.“ Diese Industrie sollte bis 2030 weitgehend stillgelegt werden, wobei die Kohle an erster Stelle steht. „Flugfreier Himmel und autofreie Straßen: Die Verkehrsemissionen aus fossilen Kraftstoffen müssen bis 2030 um mindestens 35 Prozent gesunken sein, bis 2040 um über 80 Prozent. Stopp dem Zement, Plastik muss kosten, Bäume leben lassen, lokal denken, lokal handeln, Gashahn abdrehen, besser bauen, Strom überall, nachhaltiger Nahverkehr zum Nulltarif, von fossil auf erneuerbar, gemeinsam für die Meere, neu denken und sequestrieren, Abrüstung, die Verursacher zur Kasse bitten.

Die Folgen wären immens: Fast alle Langstreckenflüge würden verboten, ebenso alle Billigflugtickets, die Energiekosten würden steigen, Benzin und Diesel 100 Euro je Liter kosten.

Sind solche radikalen Umstellungen machbar?

Der Schlüssel liegt in der Organisation und in federführenden Vorbildwirkungen. [...] Mir ist vollauf bewusst, dass meine Vorschläge und Warnungen höchstwahrscheinlich auf taube Ohren stoßen werden. Ich weiß aber auch, dass dieser Weg der einzig gute Weg ist, der uns noch bleibt.

Ein Schuldenerlass und hohe Transfers von Nord nach Süd reduzieren globale Ungleichheit und Migration.
Einzelpersonen können nur dann echte Veränderungen bewirken, wenn sie gemeinschaftlich  agieren, als Aktivisten, Aktionäre und Wähler. Einzelpersonen können Freunden und Familie dabei helfen, weiter positiv zu denken.“

Interview mit Graeme Maxton