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Corona-Konjunkturpaket
Milliarden für Wasserstoff

Corona-Konjunkturpaket: Milliarden für Wasserstoff

Von Louis-F. Stahl

(9. August 2020) In Sachen Wasserstoff gibt die Bundesregierung jetzt Vollgas: Am 10. Juni wurde durch das Bundeswirtschaftsministerium die am gleichen Tag vom Bundeskabinett beschlossene „Nationale Wasserstoffstrategie“ vorgestellt. Nur knapp drei Wochen später wurde am 29. Juni 2020 vom Bundestag das „Konjunktur- und Krisenbewältigungspaket“, beschlossen, welches unter anderem 9 Milliarden Euro für Wasserstoffprojekte bereitstellt.

Die Bundesregierung erhofft sich damit, nachdem die Solarindustrie aus Deutschland vertrieben wurde, die Windbranche im Sterben liegt und sich in Deutschland auch keine Batteriefertigung etablieren konnte, nun einen „Markthochlauf von Wasserstofftechnologien in Deutschland“. 

1900 Hydrogen Wasserstoff Bus / Foto: Oleksandr / stock.adobe.com

Koordiniert werden soll die Strategie durch einen mit den Staatssekretären von fünf Bundesministerien besetzten „Staatssekretärsausschuss“, der von einem „Nationalen Wasserstoffrat“ bestehend aus Wissenschaftlern, Beamten und Vertretern der Bundesländer beraten wird. Daneben wird eine „Leitstelle Wasserstoff“ eingerichtet, die jährlich einen Monitoringbericht erstellen soll.

Die „Nationale Wasserstoffstrategie“ listet 38 konkrete Vorhaben auf. Dazu zählen fragwürdige Punkte wie die Schaffung von „Möglichkeiten für neue Geschäfts- und Kooperationsmodelle von Betreibern von Elektrolyseuren mit Strom- und Gasnetzbetreibern. […] Der Änderungsbedarf des regulatorischen Rahmens zur Schaffung der dafür notwendigen Voraussetzungen wird entsprechend geprüft.“ Neben der zukünftigen Sicherung der bereits heute mehr als auskömmlichen Renditen von Netzbetreibern (siehe „Sprudelnde Gewinne“) und dem Abbau von „regulatorischen Hemmnissen“ soll insbesondere auch die „Industrie unterstützt“ werden, um „Wasserstofftechnologien zu einem zentralen Geschäftsfeld der deutschen Exportwirtschaft [zu] entwickeln.“

Inwieweit die sehr geringe Energie- und Kosteneffizienz der Wasserstofftechnik im Bereich der Elektrolyse aus grünem Strom sowie im Mobilitätssektor als physikalisches Hemmnis den wohlklingenden Plänen der Regierung im Wege steht (siehe „Wasserstoffmobilität als Königsweg?“), darauf gibt das Strategiepapier keine Antwort. Für die deutschen Automobilhersteller, die inzwischen auf die effizientere Batterietechnik setzen, ist der Wasserstoffzug wohl bereits abgefahren (siehe ED 2/2020 S. 5) in diesem Heft). Für die angeschlagenen deutschen Energiekonzerne könnten sich die 9 Milliarden Euro der Wasserstoffstrategie jedoch als rettende Einnahmequelle erweisen.