Gazprom umzingelt Europa
(23. Juli 2008) Nach einem Bericht der "Financial Times
Deutschland" unter dem Titel "Gazprom umzingelt
Europa" kauft Gazprom weltweit die Gasvorräte der
großen Produzenten auf. Die Europäer hätten im
Kampf um Lieferanten kaum noch eine Chance, heißt es.
So wolle Gazprom Libyens gesamte Erdgas- und Erdölexporte zu
aktuellen Marktpreisen aufkaufen. In Algerien, dem drittwichtigsten
Gaslieferanten der EU, wo Europäer und Nordafrikaner seit
Jahren zwei neue Großpipelines planen, habe Gazprom mit der
algerischen Sonatrach vereinbart, Unternehmensbeteiligungen zu
tauschen, gemeinsam Felder zu erschließen und Pipelines zu
bauen.
In Nigeria, das eine Pipeline quer durch die Sahara Richtung Europa
bauen will, hätten die Russen angeboten, mit bis zu 10 Mrd
Dollar alle Offerten potenzieller Wettbewerber um eine Beteiligung
zu überbieten. Im Iran wolle Gazprom ein Kooperationsabkommen
mit der staatlichen NIOC abschließen.
Am deutlichsten werde das Versagen der Europäer bei der
"Nabucco"-Pipeline, die Gas aus Zentralasien fördern
und Russland umgehen soll, so der Bericht. Dort fehle das Gas.
Russland habe mit Kasachstan und Turkmenistan einen Vertrag zum Bau
einer Gaspipeline nach Südrussland geschlossen und die
Turkmenen hätten ihr Gas größtenteils schon
verkauft. Aktuell umwerbe Russland Aserbaidschan, die letzte
große Hoffnung der "Nabucco"-Betreiber.
Außerdem gehe der russische Plan der Konkurrenzpipeline
"South Stream", die ebenfalls im österreichischen
Baumgarten enden soll, voran: Griechenland, Bulgarien, Ungarn,
Slowenien liefen zum Gazprom-Projekt über, Österreich
mache mit und die italienische Eni sei Projektpartner.