Wirbel um Billiganbieter Experten und Kunden beschweren sich über Tarife mit Vorauskasse, Kaution, wenig Nachhaltigkeit und schlechten Service.

Wirbel um Billiganbieter

(21. Oktober 2010, geändert am 15. Dezember 2010) Teldafax wirkt in vielen Tarifvergleichen zwar wie der billigste Stromanbieter - aber nur auf den ersten Blick. Experten und Kunden beschweren sich über Tarife mit Vorauskasse, Kaution, wenig Nachhaltigkeit und schlechten Service. Ähnliche Kritik wird auch am Konkurrenten Flexstrom geübt.

Teldafax geriet in den vergangenen Wochen in die Schlagzeilen: Das Handelsblatt berichtete Mitte Oktober 2010 von finanziellen Schwierigkeiten des Troisdorfer Billiganbieters. Das Handelsblatt, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung sowie andere Medien berichteten von Zahlungsschwierigkeiten des Strom- und Gasanbieters. Teldafax bestreitet alle Berichte zur Überschuldung und sieht sich als Opfer einer Medienkampagne.

Der Bund der Energieverbraucher empfiehlt seit Jahren auf seiner Internetseite:

Wir raten von Anbietern ab, die Vorauszahlungen verlangen: Wenn der Anbieter pleite geht, bekommt der Kunde den vorab gezahlten Strom nie geliefert.

Wir raten zur Vorsicht bei sensationell günstigen Angeboten, denn solche Preise sind möglicherweise nicht kostendeckend kalkuliert. Die neuen Kunden bezahlen den Strom der alten Kunden. Das geht schief, wenn die Zahl der Neukunden nicht ständig gewaltig ansteigt.

Tatsache ist, dass der ehemalige Aufsichtsrat des Stromanbieters, Michael Josten, im Gefängnis eine Freiheitsstrafe verbüßt. Die Richter bescheinigten ihm "erhebliche kriminelle Energie". Grund für die Schieflage des Unternehmens könnte das Geschäftsmodell von TelDaFax sein: Der Konzern gibt Strom teilweise vermutlich unter dem Einstandspreis an seine Kunden ab. Das lockt viele neue Kunden an. Die neu geworbenen Kunden ermöglichen mit ihren Vorauszahlungen die Lieferungen an die Altkunden. Teldafax bestreitet ein solches Schneeballsystem zu betreiben.

Eine Analyse von A. T. Kearney, Düsseldorf (Studie vom 28. September 2009) bestätigt: "Die bestehenden Billigstrom-Angebote können kaum kostendeckend sein. Nach Abzug der üblichen Steuern, Abgaben und Beschaffungskosten führen die Billigstrom-Tarife auch ohne Berücksichtigung interner Kosten zu negativen Ergebnissen."

Angesichts der aktuellen Berichte rät der Bund der Energieverbraucher e.V. allen Verbrauchern zu noch größerer Vorsicht. Kunden müssen zwar nicht befürchten, im Dunklen und Kalten zu sitzen: Bei einer Insolvenz springt der örtliche Grundversorger ein. Allerdings gehen die vorabbezahlten Beträge verloren, und betroffene Kunden müssen für die Versorgung des Grundversorgers zusätzlich bezahlen. Die Kunden von Versorgern mit Vorkasse wie Flexstrom und Teldafax konnten in den vergangenen Jahren allerdings auch von den sehr geringen Energiepreisen dieser Anbieter profitieren.

Im Buch Energie für Verbraucher weist der Bund der Energieverbraucher e.V. auch darauf hin, dass die Flexstrom AG im Jahr 2008 21 Millionen Euro Verlust ausweist, im Jahr 2007 14 Millionen Euro.

letzte Änderung: 28.07.2018