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Klimaschutzpaket: Neue Fördergelder für Hausbesitzer

Klimaschutzpaket: Neue Fördergelder für Hausbesitzer

Für Bauherren und Hauseigentümer enthält das Klimaschutzpaket ein Füllhorn guter Nachrichten: Die Zuschüsse der KfW-Programme für energieeffizientes Bauen und Sanieren werden erhöht. Die BAFA-Energieberatungsförderung wird aufgestockt und Heizungsmodernisierungen werden fürstlich belohnt.
Von Louis-F. Stahl

(14. März 2020) Das in den letzten Monaten öffentlich viel kritisierte „Klimapaket“ der Bundesregierung wurde inzwischen nach zähen Verhandlungen und mit einigen Kompromissen vom Bundestag beschlossen. Für die noch immer anhaltende Kritik sorgt beispielsweise der viel zu langsame Kohleausstieg bis zum Jahr 2038 (siehe ED 1/20 S. 5) sowie die klimaschädlich wirkende Erhöhung der Pendlerpauschale von 30 auf 35 und später 38 Cent pro Kilometer. Im Gegenzug wurde aber auch der neue Preis auf CO2 mit Wirkung zum Jahr 2021 von den erst geplanten 10 Euro pro Tonne auf wirksamere 25 Euro pro Tonne CO2 angehoben. Bis zum Jahr 2025 soll die CO2-Abgabe auf 55 Euro pro Tonne steigen. Zudem wurde der Mehrwertsteuersatz auf Bahntickets von 19 auf 7 Prozent gesenkt und ein ganzes Maßnahmenpaket geschnürt, das Hausbesitzern die energetische Modernisierung ihrer Gebäude zu günstigen Konditionen ermöglichen soll und damit die Energiewende insbesondere im Heizungskeller voranbringen wird.

982 Geldscheine und Thermostat / Foto: gourmecana / stock.adobe.com

Die wichtigsten Änderungen haben wir für Sie nachfolgend zusammengefasst.

KfW: Energieeffizient Bauen

Wer ein Wohngebäude energieeffizient neu baut, dem winken Fördermittel aus dem Programm 153 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Förderung wird in dem als Kredit mit einem effektiven Jahreszins von -0,5 Prozent ausgestalteten Programm in Form eines Tilgungszuschusses gewährt. Dieser Tilgungszuschuss wurde mit Wirkung zum 24. Januar 2020 um 10 Prozentpunkte aufgestockt. Für ein Gebäude nach dem Standard „KfW-Effizienzhaus 55“ sind statt bisher 5 Prozent nun bis zu 15 Prozent Zuschuss möglich. Für den Standard „KfW-Effizienzhaus 40“ gibt es bis zu 20 Prozent und für ein „KfW-Effizienzhaus 40 Plus“ bis zu 25 Prozent Tilgungszuschuss. Die Kredithöhe ist auf 120.000 Euro und der Tilgungszuschuss auf 30.000 Euro je neu gebauter Wohneinheit begrenzt.

KfW: Energieeffizient Sanieren

Für die energetische Sanierung bestehender Gebäude auf einen KfW-Effizienzhausstandard werden Kredite mit Tilgungszuschüssen über das Programm 151 angeboten sowie zusätzlich auch Zuschüsse ohne einen Kredit über das Programm 430. Die Kredittilgungszuschüsse wurden mit Wirkung zum 24. Januar 2020 um 12,5 Prozentpunkte aufgestockt und die Direktzuschüsse ohne Kredit um 10 Prozentpunkte, sodass die Förderung beider Zuschussarten nun gleichauf liegt. Für eine Sanierung auf den Standard „KfW-Effizienzhaus 55“ winken bis zu 40 Prozent Zuschuss, begrenzt auf maximal 48.000 Euro je Wohneinheit. Die Höhe der Zuschüsse sinkt, wenn nur ein geringerer Standard erreicht wird. Tabellen mit allen Zuschusshöhen finden Sie auf der Webseite der KfW. Für Einzelmaßnahmen ohne das Erreichen eines KfW-Effizienzhausniveaus werden über das ebenfalls um 12,5 Prozentpunkte aufgestockte Kredit-Programm 152 nunmehr 20 Prozent der Investitionskosten, maximal aber 10.000 Euro je Wohneinheit, als Tilgungszuschuss geleistet.
www.kfw.de

982 Solarthermie auf dem Dach / Foto: bilanol / stock.adobe.com

BAFA: Heizungsmodernisierung

Das vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle – kurz BAFA – administrierte „Marktanreizprogramm zur Förderung von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt“ besteht inzwischen seit über 20 Jahren und hat mit rund 3 Milliarden Euro bereits ein Investitionsvolumen von etwa 20 Milliarden Euro angeschoben. Das Programm wurde durch das Klimapaket mit Wirkung zum 1. Januar 2020 vollkommen umstrukturiert. An die Stelle von festen Zuschüssen treten nun – wie bereits bei der KfW – einfach nachvollziehbare Fördersätze bezogen auf die Investitionssumme. Mit Zuschüssen von bis zu 45 Prozent sind die neuen Fördersätze drastisch höher als die bisherigen Pauschalen. Förderfähig sind die Installation von Biomasseheizungen, Solarthermieanlagen und Hybridheizungen, wie beispielsweise Gas-Brennwertthermen mit Solarunterstützung. Obwohl der Kohle- und Atomausstieg noch nicht vollzogen und Strom damit noch lange nicht vollständig erneuerbar ist, fördert das Programm auch Stromwärmepumpen. Ein zusätzlicher Bonus winkt, wenn eine Heizölheizung durch eine der geförderten Wärmequellen ersetzt wird. Die Fördersätze können der Tabelle entnommen werden. Eine Kombination mit dem KfW-Programm 153 oder dem KfW-Ergänzungskredit 167 ist möglich.
BAFA: Heizen mit Erneuerbaren Energien

Das BAFA Heizungs-Förderprogramm
Normaler
Zuschuss
Bei Austausch
einer alten
Ölheizung
Wärmepumpen 35 % 45 %
Biomasseheizungen
(z.B. Pelletheizung)
EE-Hybridheizungen
(z.B. Biomasse mit
Solarunterstützung)
Gas-Hybridheizungen
(z.B. Gas-Brennwertheizung
mit Solarunterstützung)
30 % 40 %
Nachrüstung oder
Erweiterung von
Solarthermieanlagen
30 %
BAFA: Energieberatungszuschuss

Wer energetisch bauen oder sanieren möchte, steht vor einem Berg an Fragen, auf die es aufgrund der individuellen Unterschiede von Haus zu Haus keine pauschalen Antworten gibt. Was kostet welche Maßnahme und fehlt es meinem Haus eher an einer besseren Fassaden-, Dach- oder Kellerdeckendämmung? Oder an neuen Fenstern, einer effizienteren Heizung oder ist vielleicht eine ganz andere Maßnahme sinnvoller? Antworten auf diese Fragen gibt der Bund der Energieverbraucher seinen Mitgliedern telefonisch und per E-Mail.

Oftmals ist es aber deutlich sinnvoller, wenn ein professioneller Energieberater vor Ort mit fachkundigem Blick das Gebäude durchleuchtet. Dafür hat der Gesetzgeber den Zuschuss für eine Vor-Ort-Energieberatung mit Wirkung zum 1. Februar 2020 von 60 auf 80 Prozent der Beratungskosten aufgestockt. Gedeckelt ist die Förderung auf einen Höchstsatz von 1.300 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie 1.700 Euro für Mehrfamilienhäuser. Forciert wird insbesondere die Ausstellung von „individuellen Sanierungsfahrplänen“ (iSFP). Ein solcher iSFP stellt auf Basis eines standardisierten Verfahrens alle für ein Gebäude geeigneten Maßnahmen zur energetischen Sanierung umfassend und anschaulich dar.
BAFA: Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude

Erfolgreiche Energieberatersuche

Einen guten Energieberater zu finden ist allerdings nicht leicht. Viele Handwerker und Schornsteinfeger erwerben mit ein paar Schulungsstunden die nötige „Qualifikation“ für die vom BAFA sowie der KfW geförderten Beratungen und empfehlen dann eine Maßnahme aus dem von ihnen erlernten Gewerk – oftmals verbunden mit einer zweifelhaften Empfehlung für einen „befreundeten“ Kollegen oder den eigenen Familienbetrieb. Daher sollte man bei der Beratersuche auf dessen Qualifikation und Unabhängigkeit unbedingt großen Wert legen.

Eine aktuelle Liste qualifizierter Energieberater, die dem Bund der Energieverbraucher positiv bekannt sind, finden Sie stets im Serviceteil des Vereins. Eine umfangreiche Datenbank mit einer Umkreissuche um Ihren Wohnort finden Sie zudem in Form der interaktiven „Energieeffizienz-Expertenliste“ der Deutschen Energieagentur (Dena) im Internet. Wählen Sie für eine gute Suche in der Suchmaske stets alle Qualifikations-Checkboxen aus, außer – sofern nicht im Einzelfall zutreffend – „KfW-Effizienzhaus Denkmal“. Bei den Suchergebnissen werden Ihnen Heizungsbauer, Schornsteinfeger, Fensterbauer und andere Handwerker, die zumeist eher nebenbei beraten, aber einen Anspruch auf Listung in der Datenbank haben, entsprechend gekennzeichnet.
EnergieeffizienzExperten - Suchoptionen