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CO2-Emissionen
Klimaschutz schöngerechnet

CO2-Emissionen: Klimaschutz schöngerechnet

Von Louis-F. Stahl

(15. Juni 2022) Eine Klimakonferenz jagt die nächste und von Klimaabkommen zu Klimaabkommen überbieten sich die teilnehmenden Staaten mit CO2-Minderungsversprechen. Die US-Zeitung „Washington Post“ hat sich die Berichte einiger Staaten über angeblich erfolgte Klimagasminderungen näher angesehen und erstaunliche Details zutage gefördert. Wie die Staaten ihre eigenen Klimaschutzmaßnahmen selbst bewerten, ist nämlich nicht einheitlich geregelt.

So schreibt sich beispielsweise Malaysia für seine Waldflächen viermal so hohe CO2-Minderungsmengen pro Flächeneinheit gut, wie das Nachbarland Indonesien. Das Ergebnis: Malaysia hat allein durch diesen einen Rechentrick 243 Millionen Tonnen CO2 gespart und darf von sich behaupten, die selbst gesteckten Klimaziele einzuhalten. Ein weiteres Beispiel ist die Zentralafrikanische Republik, die laut eigenen Angaben im Jahr 2010 gut 1,8 Milliarden Tonnen CO2 eingespart haben will. Eine solche Menge entspräche den gesamten Emissionen von Ländern wie Russland oder Japan sowie mehr als dem Doppelten der deutschen CO2-Emissionen.

Auch bei den deklarierten Emissionen wurden abenteuerliche Angaben aufgedeckt. Vietnam deklarierte beispielsweise in einem Bericht aus dem Jahr 2018, dass die Emissionen der aus Klima- und Kühlanlagen entweichenden F-Gasen im Land einem CO2-Äquivalent von 23.000 Tonnen entsprächen. Eine unabhängige Untersuchung durch Wissenschaftler von 13 Universitäten kommt zu dem Ergebnis, dass die in diesem Bereich deklarierten Emissionen nur rund einem Prozent der tatsächlichen Emissionen entsprechen dürften.

„Im Ergebnis sind alle Zusagen und Versprechungen Fantasie“, befindet der Klimawissenschaftler Prof. Philippe Ciais von der Universität Paris-Saclay. So lange „zwischen der Bilanzierung und den realen Emissionen große Diskrepanzen bestehen“, haben die Versprechen kaum einen Wert.