Konzentration erhöht sich weiter
(15. Oktober 2003) Die Wissenschaftler des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung zweifeln am Erfolg beim Aufbau einer "vierten Kraft". Die Kraft der beiden "Großen" (RWE, e.on) ist erheblich gewachsen: Kontrollierten sie 1997 weniger als die Hälfte (45,5%) der Abgabe von Regional- und Kommunalversorgern, so waren dies Mitte des Jahres 2000 knapp drei Viertel (73,1%).
Den Betriebsergebnissen hatte dies nicht geschadet: Im sechsmonatigen Rumpfgeschäftsjahr 2001 steigerte RWE das Ergebnis um mindestens 18%. Im Kerngeschäft Strom, Wasser und Gas konnte sogar ein Plus von 25 % erwirtschaftet werden. Die vierte Kraft, die sich aus dem Zusammenschluss von VEAG, HEW und BEWAG ergeben soll, erreicht bei der Stromabgabe 7,5 TWh gegenüber 170,7 TWh von RWE und e.on.
Gewinner des Wettbewerbs sind nach Analyse der RWI die industriellen Stromverbraucher: Ihre Strompreise sind trotz Stromsteuer in den letzten beiden Jahren um mehr als 25% gesunken. Für private Haushalte fällt die Bilanz dürftiger aus: Bis Ende 2000 lagen deren Strompreise mit 24,15 Pf/kWh noch auf dem Niveau vor Beginn der wettbewerblichen Öffnung Anfang 1998, seit Mitte 2001 sogar um 1,5 Pfennig über dem Niveau von 1998 bei steigender Tendenz.
VDEW stiftet zu Preiserhöhungen an
Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) stiftet die Stromversorger zu unbegründeten Preiserhöhungen an, kritisiert der Bundesverband Erneuerbarer Energien. VDEW hat seinen Mitgliedern eine Preiserhöhung um rund 6% nahegelegt. Als Begründung werden wiederum die Fördergesetze der Bundesregierung für Erneuerbare Energien und die Kraft- Wärme-Kopplung herangezogen.
Nach einem Gutachten der Aachener Ingenieurgesellschaft BET im Auftrag von BWE und Bund der Energieverbraucher e.V. wirken sich die beiden Fördergesetze seit ihrer Einführung nur mit 0,37 Pf/kWh auf die Preise aus. Falsche Vorgaben des VDEW führten bereits im Jahr 2000 zu Preiserhöhungen von 1,2 Pfennig. Die deutschen Stromverbraucher wurden dadurch mit vier Milliarden Mark zuviel belastet.
Das BET-Gutachten wurde dem VDEW-Präsident Günter Marquis vom Vorsitzenden des Bundes der Energieverbraucher e.V. am 30. Mai 01 auf einer Pressekonferenz übergeben. Die damals zugesagte Prüfung und Stellungnahme von VDEW steht seither trotz Mahnung noch aus. Die Tarifaufsichtsbehörden der Länder haben gegenüber dem Bund der Energieverbraucher e.V. die Ergebnisse der Studie durchweg bestätigt. Die gesetzlich vorgeschriebene Abrechnung der Mehrkosten steht derzeit noch aus.