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Sprudelnde Gewinne
Grundlos klagende Stadtwerke

Sprudelnde Gewinne: Grundlos klagende Stadtwerke

Von Aribert Peters

(1. August 2020) Stadtwerke klagen gern, dass es ihnen schlecht gehe. Insbesondere weil sie, wenn sie in kommunaler Hand sind, neben dem lukrativen Betrieb von Strom- und Gasnetzen teilweise auch den öffentlichen Nahverkehr oder Hallenbäder mit geringerer Rendite stemmen müssen. Viele Stadtwerke sind jedoch nicht mehr in kommunaler Hand, sondern gehören privaten Investoren. Die großen Stromkonzerne haben sich über die Jahre immer mehr Eigentumsanteile an Stadtwerken angeeignet und haben sich vertraglich besondere Rechte zum Nachteil der kommunalen Anteilseigner einräumen lassen.

370 Schalter Profit / Foto: vchalup / stock.adobe.com

Als Betreiber von Strom- und Gasnetzen kassieren die Stadtwerke sehr üppige Eigenkapitalrenditen von 5,12 bis 6,91 Prozent, die mit Genehmigung der Bundesnetzagentur über die Netzentgelte von allen Strom- und Gasverbrauchern bezahlt werden müssen. Auch von solchen Verbrauchern, die Strom und Gas von einem ganz anderen Anbieter beziehen.

Als die Bundesnetzagentur diese Eigenkapitalzinssätze von durchschnittlich 9 auf rund 6 Prozent senkte, zogen dagegen über 1.100 Stadtwerke bis vor den Bundesgerichtshof – und unterlagen dort (siehe „Netzentgelte vor Gericht“).

Eine empirische Untersuchung von 350 Stadtwerken durch die Deutsche Kreditbank (DKB) zeigt nun, dass es den Stadtwerken überaus gut geht. Die Umsatzrendite von Stadtwerken mit privater Beteiligung lag 2017 im Median bei 7,55 Prozent. Zum Vergleich: Die Umsatzrendite mittelständischer Unternehmen lag nach Erhebungen des Sparkassenverbandes bei 6,0 Prozent. Stadtwerke, die vollständig in kommunaler Hand sind, erwirtschafteten der DKB zu Folge hingegen „nur“ 4,1 Prozent Umsatzrendite. Die Leistungen dieser Stadtwerke für die Bürger ihrer Kommune in Form von Naturalrenditen wie Schwimmbädern oder Nahverkehrsleistungen wurden nicht betrachtet.