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Mehr Geld für effizientere Gebäude

Mehr Geld für effizientere Gebäude

Hausbesitzer und Bauherren machen starken Gebrauch von der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Nachdem sich im August abzeichnete, dass die für das Jahr 2021 vorgesehenen 5,8 Milliarden Euro bereits ausgeschöpft sein könnten, wurde der Fördertopf rechtzeitig vor der Bundestagswahl um weitere 5,7 Milliarden Euro aufgefüllt.
Von Louis-F. Stahl

(8. Dezember 2021) Steigende Immobilienpreise, coronabedingte Home-Office-Tätigkeiten sowie Urlaubszeit in den eigenen vier Wänden und damit mehr Zeit, sich mit der eigenen Immobilie zu beschäftigen bei gleichzeitig ungenutzten Urlaubskassen und stark verbesserten Förderbedingungen für energetische Wohngebäudeverbesserungen seit dem 1. Januar 2021: Es gibt viele Gründe, warum in Deutschland derzeit ein Bau- und Sanierungsboom herrscht. Energieberater sind über Monate ausgebucht und Handwerker mit freien Terminen so schwer zu finden wie die nötigen Baumaterialien. Zumindest einen Engpass hat die Politik behoben: Die auf 11,5 Milliarden Euro aufgestockten Fördermittel der BEG sollten – zumindest für die Anträge in diesem Jahr – ausreichen.

1100 Ein Haus wird gedämmt / Foto: Ulrich Müller / stock.adobe.com

KfW startet BEG

Nachdem das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) bereits seit dem Jahreswechsel Anträge für Einzelmaßnahmen der neuen BEG entgegennimmt (siehe „Neue Bundesförderung für effiziente Gebäude“), startete zum 1. Juli 2021 auch die KfW die Annahme von Anträgen ihrer neuen BEG-Programme für umfassende Sanierungen und den Neubau von Effizienzhäusern sowie die neuen Kreditangebote für Einzelmaßnahmen. Für sämtliche Einzelmaßnahmen, Komplettsanierungen und Neubauten können Antragsteller damit nun zwischen einer Kredit- und einer Zuschussförderung wählen. Neu eingeführt wurden zudem Boni für Effizienzhäuser, die mehr als 55 Prozent erneuerbare Energien nutzen oder besonders nachhaltig gebaut werden. Eine Übersicht der unterschiedlichen Fördermöglichkeiten haben wir Ihnen in einer Grafik zusammengestellt.

1100 Grafik Fördermittel für Wohngebäude im Überblick

Beratung lohnt sich

Auch wenn Sie bereits eine konkrete Einzelmaßnahme ins Auge gefasst haben, sollten Sie prüfen, ob eine professionelle Energieberatung nicht doch lohnend ist. Die Hinzuziehung eines Energieberaters und die Erstellung eines „individuellen Sanierungsfahrplans“ (iSFP) zahlt sich nämlich doppelt aus: Die Energieberatung wird mit bis zu 80 Prozent der Beratungskosten durch das BAFA gefördert und wenn Sie dann eine Maßnahme aus dem Fahrplan umsetzen, erhöht sich die Förderung für die durchgeführte Maßnahme um 5 Prozentpunkte. Ziehen Sie einen Energieberater für die Fachplanung und Begleitung der Baumaßnahme hinzu, sind diese Beratungskosten mit bis zu 50 Prozent förderfähig. Eine Vor-Ort-Energieberaterliste finden Sie unter „Vor-Ort-Energieberatung“.

Energetische Sanierungen teuer, aber wirtschaftlich

Der Gebäudesektor ist neben dem Verkehr das Sorgenkind des Klimaschutzes in Deutschland. Das Ingenieurbüro Hinz hat zusammen mit dem Institut für Wohnen und Umwelt in Darmstadt im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) untersucht, mit welchen Kosten eine hochwertige energetische Sanierung verbunden ist. Demnach rechnet sich bei rund zwei Drittel aller untersuchten Gebäudetypen eine hochwertige Modernisierung dank der staatlichen Förderungen. Zu empfehlen sei insbesondere eine Sanierung in einem großen Schritt zur Erreichung eines Effizienzhausstandards, dessen Erreichung mit hohen Fördermitteln verbunden ist. Die Studie zeigt aber auch, dass zur Erreichung der Klimaziele die Förderung noch massiv ausgeweitet werden muss.

Für unsanierte Gebäude wurde eine Dämmung von Dach, Außenwand und Kellerdecke, der Austausch der Fenster sowie eine neue Heizung in Form einer Wärmepumpe oder einem Biomasse-Pelletkessel und eine Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung angenommen. Die dabei ermittelten Sanierungskosten basieren auf tatsächlich durchgeführten und abgerechneten Bauvorhaben. Bemerkenswert ist der in jüngster Zeit beobachtbare starke Anstieg der Sanierungskosten aufgrund der Kapazitätsengpässe im Baugewerbe.

Mit den genannten Maßnahmen wurden Kosten in Höhe von 367 bis 444 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche zur Erreichung des KfW-Effizienzhaus-85-Standards ermittelt. Für die nächsthöhere Effizienzhausklasse 70 sind die ermittelten Kosten im Bereich von 396 bis 475 Euro/m² kaum höher ausgefallen. Um mit einem Effizienzhaus-Neubau der Klasse 55 gleichzuziehen, sind Kosten von 471 bis 554 Euro/m² ermittelt worden. In den genannten Kosten sind die mit einer Modernisierung verbundenen Kostenanteile für Instandsetzungen und Instandhaltung von 358 bis 395 Euro/m² noch nicht enthalten. Dabei handelt es sich um früher oder später ohnehin anfallende Kosten beispielsweise einer neuen Dacheindeckung, dem Austausch undichter Fenster oder einer überalterten Heizung, die unabhängig von einer energetischen Sanierung über die Jahre in Form von Reparaturen anfallen würden und durch die Modernisierung lediglich vorgezogen werden. Die aktuellen Energiepreissteigerungen (siehe „Dramatische Energiepreisexplosion“) sind in der Studie noch nicht berücksichtigt und erhöhen die Wirtschaftlichkeit.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich eine Modernisierung auf einen Effizienzhausstandard ohne die staatlichen Fördermittel in den meisten Fällen nicht binnen 25 Jahren amortisieren würde. Dank der staatlichen Fördermittel lohne sich eine energetische Sanierung auf einen der Effizienzhausstandards hingen in nahezu allen geprüften Fallkonstellationen. Lediglich bei ab 1969 gebauten Gebäuden, die bereits eine Dämmung beziehungsweise energetische Teilsanierung erhalten haben oder einen aktuellen Dämmstandard erfüllen, würde sich laut der Studie eine erneute beziehungsweise zusätzliche energetische Sanierung in der Regel nicht lohnen.