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Windkraft
Wunderwaffe zum Vogelschutz

Wunderwaffe zum Vogelschutz

Von Louis-F. Stahl

(27. August 2021) Seltene Vogelarten haben sich in den letzten Jahren zum Joker von Windkraftgegnern zur Verhinderung neuer Windparks etabliert. Werden Rotmilane oder Seeadler beobachtet, bedeutete dies bisher ein beinahe sicheres Verbot für Windkraftvorhaben oder sorgte zumindest für Abschaltzwänge zu bestimmten Zeiten zum Schutz der seltenen Vögel. Die mit dem Vogelschutz verbundenen Stillstandszeiten führen nicht selten zur Unwirtschaftlichkeit und damit ebenfalls zu einem Aus für Windparkvorhaben. Zwei ganz ähnlich funktionierende Erfindungen könnten zukünftig eine sichere Koexistenz von Vögeln und Windkraftanlagen ermöglichen.

In Fuchstal bei Landsberg am Lech wurde in einem aktiven Rotmilanbrutgebiet eine Windkraftanlage mit acht Kameras ausgestattet, die auf 300 Meter Entfernung anfliegende Vögel erkennen können. Steuern Vögel auf das Windrad zu, wird es abgeschaltet. Das sogenannte „Vogelmonitoringprojekt“ kostet rund 1,2 Millionen Euro und wird als Pilotprojekt vom Freistaat Bayern bezahlt.

130 Windrad Vogelschutz mit Weitwinkelkameras / Foto: IdentiFlight

Mit acht Weitwinkelkameras beobachtet das Identiflight-System rundum potenzielle Vogelbewegungen. Wird eine Bewegung erkannt, erfassen die zwei darüber dreh- sowie schwenkbar montieren Zoomkameras das Objekt und bestimmen Flugrichtung sowie Geschwindigkeit. Besteht Gefahr, schaltet das System Windräder zum Schutz der Vögel zeitweise ab.

Ein weiteres Projekt untersucht erstmals in Deutschland das bereits seit drei Jahren in den USA bewährte System „IdentiFlight“ des Herstellers Boulder Imaging, das nicht an einem Windrad, sondern auf einem separaten Mast installiert wird. Auch dieses System setzt primär auf acht Weitwinkelkameras zur Rundumüberwachung, verfügt aber zusätzlich über zwei motorgesteuerte Zoomkameras, die bereits auf bis zu 1.000 Meter Entfernung anfliegende Vögel erkennen und die Vogelart bestimmen können. Das System kann durch die höhere Leistungsfähigkeit ganze Windparks beobachten und zielgerichtet diejenigen Anlagen abschalten, auf die einzelne Vögel zufliegen. Verlassen die Vögel den Gefahrenbereich, werden die von der Abschaltung betroffenen Windräder wieder gestartet.