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20 Jahre EEG: Perspektiven für PV-Altanlagen

20 Jahre EEG: Perspektiven für PV-Altanlagen

Die Pioniere der Energiewende wissen nicht, was aus ihren 20 Jahre jungen aber zum Jahreswechsel 2020/2021 aus der EEG-Vergütung fallenden Anlagen werden soll. Der von der CDU/CSU/SPD-Bundesregierung vorgelegte Entwurf zum EEG 2021 sollte endlich Klarheit bringen. Tatsächlich kommen neue Optionen auf den Tisch – viele offene Fragen bleiben aber unbeantwortet.
Von Louis-F. Stahl

(26. Oktober 2020) Beim Bund der Energieverbraucher stehen die Telefone nicht mehr still und auch über das E-Mail-Postfach des Vereins gehen von Tag zu Tag mehr und mehr Anfragen der 18.000 PV-Altanlagenbesitzer ein, deren Anlagen zum Jahreswechsel vom EEG-Vergütungsende nach 20 Jahren betroffen sind.

Bisherige Rechtslage

Das aktuell geltende Erneuerbare-Energien-Gesetz besagt, dass alte PV-Anlagen mit einer Inbetriebnahme bis einschließlich zum Kalenderjahr 2000 zum Jahresende des Jahres 2020 ihren Anspruch auf Zahlung einer Einspeisevergütung und ihren Anspruch auf Einspeisung von Strom in das Stromnetz verlieren. Diese Anlagen sind dann „ausgefördert“. Lediglich das Recht auf den Netzzugang bleibt bestehen. Die Anlagen dürfen folglich in Betrieb und am Netz bleiben, aber keinen Strom einspeisen, wenn es für diesen Strom keinen Abnehmer gibt. Ein Weiterbetrieb dieser ausgeförderten Bestandsanlagen ist nach der aktuellen Rechtslage folglich nur möglich, wenn die Anlagenbetreiber zum Jahreswechsel handeln. Welche Optionen nach dem aktuellen EEG bestehen, haben wir in „20 Jahre EEG: Was kommt nach dem Förderende?“ beleuchtet:

  • Umstellung auf Eigenverbrauch mit Zahlung von 40 Prozent EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch und Abregelung von Überschüssen, sodass es zu keiner Einspeisung in das Netz kommt („ausschließlicher Eigenverbrauch“)
  • Überschusseinspeisung mit Zahlung von 40 Prozent EEG-Umlage auf den Eigenverbrauch und Verkauf des eingespeisten Stroms an einen Direktvermarkter unter Nutzung eines smarten Stromzählers („sonstige Direktvermarktung“)
  • Volleinspeisung und Verkauf des eingespeisten Stroms an einen Direktvermarkter unter Nutzung eines smarten Stromzählers („sonstige Direktvermarktung“)
  • Abbau der alten, ausgeförderten Anlage und Errichtung einer neuen PV-Anlage, die wieder 20 Jahre Einspeisevergütung erhält und einen EEG-umlagefreien Eigenverbrauch erlaubt sowie bis 7 kWp Leistung auch keinen smarten Zähler benötigt („Repowering“)

754 Grafik Handlungsoptionen für die Betreiber von ausgeförderten Ü20-PV-Anlagen nach dem Regierungsentwurf zum EEG 2021

Viele Optionen, keine Lösung

Die genannten Optionen sind für die meisten PV-Altanlagenbetreiber keine befriedigende Lösung. So kostet beispielsweise die Einrichtung einer technischen Abregelung zur Verhinderung von Einspeisungen viele hundert Euro und auf den dann möglichen Eigenverbrauch werden auch noch 2,6 Cent EEG-Umlage fällig. Die Direktvermarktung benötigt hingegen zwingend ein Smart-Meter (iMSys) oder eine „Registrierende Leistungsmessung“ (RLM) mit Kosten für den Zähler zwischen 100 und 400 Euro pro Jahr. Die diesen Kosten gegenüberstehende Direktvermarktungsvergütung in Höhe von 2 bis 5 Cent je Kilowattstunde (kWh) erwirtschaftet bei einer typischen Anlagengröße von 2 kWp jedoch nur 40 bis 100 Euro Einnahmen pro Jahr. Der Anlagenbetreiber, der sich mit diesem Klammersack von der Regierung pudern ließe, würde für seinen Beitrag zur Energiewende folglich auch noch bis zu 360 Euro im Jahr draufzahlen.

Widerstand der Kleinanlagenbetreiber

Am 5. Mai 2020 wurde dem Bundeswirtschaftsministerium eine von 124.395 Unterzeichnern mitgetragene Petition durch den Solarenergie-Förderverein (SFV), die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), den Bund der Energieverbraucher und rund 60 weitere Verbände überreicht, um auf die genannten Probleme hinzuweisen. In seiner Antwort ist das Ministerium auf die konkreten Probleme mit keinem Wort eingegangen. Ü20-Anlagenbetreiber hätten, so das Ministerium, mit den bestehenden Regelungen immerhin die Chance, Einnahmen zu erzielen. Dass diesen Einnahmen Kosten gegenüberstehen, die die zu erwartenden Einnahmen um ein Vielfaches übersteigen, interessierte das Ministerium nicht.

EEG 2021 Kabinettsentwurf

Mit der anstehenden Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zum Jahreswechsel hat die Bundesregierung in ihrem Kabinettsentwurf vom 23. September 2020 zusätzliche Optionen für ausgeförderte PV-Altanlagen vorgesehen. Bei dem vorliegenden Entwurf handelt es sich um einen Entwurf der Regierung, der erst noch im Bundestag beraten werden muss. Wir berichten daher über den Stand des Verfahrens zum Redaktionsschluss.

Recht auf Volleinspeisung

Für Anlagen bis 100 kWp sieht der Gesetzentwurf einen Anspruch auf die Fortsetzung der Abnahme und Vergütung des Stroms durch den Netzbetreiber vor (§ 21 EEG-RegE). Die Vergütung sinkt von 50,62 Cent/kWh auf den „Marktwert Solar“ abzüglich der „Vermarktungskosten“ (§ 23b EEG-RegE). Im Ergebnis dürfte die Vergütung ersten Prognosen zu Folge im Jahr 2021 etwa 2 Cent/kWh betragen. Anlagenbetreiber, die selbst nichts anderes in die Wege leiten, sollen automatisch über diese neue „Einspeisevergütung für ausgeförderte Anlagen“ abgerechnet werden und auch die Verwendung bestehender, günstiger SLP-Stromzähler bleibt zulässig.

Komplizierter Eigenverbrauch

Anlagenbetreiber, die über die geringe Volleinspeisungs-Marktwertvergütung hinaus einen Eigenverbrauch ihres selbst erzeugten Stroms realisieren wollen, kommen auch nach dem neuen Entwurf nicht ohne ein teures Smart-Meter (iMSys/RLM) aus und müssen die anteilige EEG-Umlage auf ihren Eigenverbrauch abführen. Hier sieht der Gesetzentwurf keine Verbesserung vor. Der Entwurf sieht ganz im Gegenteil eine neue Pönale vor: Wer seinen Strom selbst verbraucht und vom Netzbetreiber eine Vergütung für die Einspeisung bezieht, ohne einen teuren smarten Zähler zu haben, soll auf den Eigenverbrauch den örtlichen Endverbraucherstrompreis als Strafe zahlen (§ 55 Abs. 9 EEG-RegE).

Direktvermarkter in Sonderrolle?

Für Verwirrung sorgt in diesem Zusammenhang eine Übergangsvorschrift, die besagt, dass im Rahmen der „sonstigen Direktvermarktung“ auch günstige, normale Zähler verwendet werden dürfen – aber nur durch Direktvermarkter, nicht bei einer Abrechnung der Einspeisung mit dem Netzbetreiber (§ 10b Abs. 2 EEG-RegE). Diese Norm steht wiederum im Gegensatz zu der im gleichen Entwurf vorgesehenen Änderung des § 12 StromNZV-RegE, die besagt, dass Zwei-Richtungs-Zähler für Überschusseinspeisungen grundsätzlich nicht mehr als günstige SLP-Zähler ausgeführt werden dürfen, sondern dafür nur noch teure RLM und iMSys zulässig sind.

Verwirrung und fehlende Angebote

Im Hinblick auf die bestehenden Unsicherheiten und dem vorgesehenen neuen Volleinspeisungs-Auffangtatbestand dürfte es für betroffene PV-Anlagenbetreiber das Beste sein, abzuwarten, was der Gesetzgeber in den kommenden Wochen und Monaten auf den Weg bringen wird. Sämtliche von der Energiedepesche angefragten Direktvermarkter warten nun ebenfalls auf eine Klärung der jetzt mit dem Regierungsentwurf noch unklareren Rechtslage und haben entgegen früherer Ankündigungen die für Ende September 2020 geplanten Vorstellungen konkreter Direktvermarktungsangebote für Ü20-PV-Anlagen zurückgezogen.

Übersicht potenzieller Direktvermarkter für Ü20-PV-Anlagen

Angesichts der neuen Unsicherheit durch den Regierungsentwurf vom 23. September 2020 zum EEG 2021 konnten sich die Direktvermarkter, die nach Kenntnis der Energiedepesche Angebote planen, nicht wie erwartet zum Redaktionsschluss zu konkreten Angeboten äußern. Nachfolgend haben wir Ihnen eine alphabetisch sortierte Liste der uns bekannten Anbieter zusammengestellt, die entsprechende Angebote planen. Alle Angaben sind ohne Gewähr und sollen betroffenen Anlagenbetreibern lediglich eine Handreichung bieten, um zu einem späteren Zeitpunkt die tatsächlichen Angebote dieser Direktvermarkter anfragen zu können.

  • Albwerk Energieversorger, der für Ü20-Anlagen ein neues Kleinanlagen-Direktvermarktungsangebot plant. Der Zusatzstrombezug ist möglicherweise obligatorisch. Keine Information zu den möglichen Kosten und Vergütungen.
  • Buzzn Langjährig etablierter Direktvermarkter für Kleinanlagen mit Community-Tarifen. Zusatzstrombezug voraussichtlich nicht obligatorisch aber erwünscht. Grundgebühr voraussichtlich 7 Euro pro Monat zzgl. Messkosten und Vergütung leicht über dem Marktwert Solar.
  • EWS Schönau Energieversorger, der für Ü20-Anlagen den Einstieg in die Direktvermarktung und möglicherweise auch den Messstellenbetrieb plant. Es liegen noch keine Informationen zu den Vergütungen und Kosten vor. Ziel des Angebotes ist, dass bestehende PV-Anlagen am Netz bleiben können.
  • grün.power/in.power Neuer Direktvermarkter für Kleinanlagen. Die Vergütung soll sich am Marktwert Solar orientieren. Die Grundgebühr wird voraussichtlich rund 9 Euro pro Monat zzgl. Messkosten betragen. Bei einem Zusatzstrombezug über den Community-Tarif soll der Grundpreis auf rund 4 Euro pro Monat sinken.
  • Green City Das Direktvermarktungsangebot für Kleinanlagen soll etwa die doppelte Vergütung wie der jeweilige „Marktwert Solar“ bieten. Ein Zusatzstrombezug aus der Green-City-Community wird voraussichtlich nicht obligatorisch aber erwünscht sein. Zu den Vermarktungskosten sind noch keine Preise bekannt.
  • Interconnector/EnBW Bestehender Direktvermarkter für größere Anlagen mit über 1.500 Kunden. Grundgebühr voraussichtlich etwa 7 Euro pro Monat zzgl. Messkosten. Der Zusatzstrombezug über einen Community-Tarif wird voraussichtlich obligatorisch sein.
  • Stadtwerke Rosenheim Planung eines Direktvermarktungsangebotes, zu dem noch keine Details bekannt gegeben wurden.