zurück zur Übersicht

PV-Industrie
Revival von „Made in Germany“?

PV-Industrie: Revival von „Made in Germany“?

Von Louis-F. Stahl

(1. März 2021) Die Zeit der Solarfabriken in Deutschland ist längst Geschichte – so meint man gemeinhin. Nachdem die Photovoltaiktechnik für den Dacheinsatz in Deutschland in den 1990er Jahren ganz maßgeblich entwickelt wurde und zahlreiche Solarfabriken prosperierten, würgte der Gesetzgeber vor rund zehn Jahren die PV-Strom-Vergütung und damit den Absatz von PV-Anlagen plötzlich ab – alle großen Solarfabriken hierzulande gingen pleite und seither dominiert China mit billigen Preisen aufgrund der dort reichhaltig fließenden staatlichen Subventionen den Weltmarkt. Soweit die Geschichte.

In den letzten Jahren haben sich jedoch zwei wichtige Faktoren verändert: Die Solarfertigung ist inzwischen hochautomatisiert. Der Preis der Arbeitskraft rückt damit in den Hintergrund aber die Preise für den Transport hingegen steigen. Auch legen PV-Anlagenkäufer zunehmend wieder mehr Wert auf den Begriff „Made in Germany“. Die Absatzzahlen deutscher PV-Modulhersteller steigen von Jahr zu Jahr. Der Hersteller Heckert Solar aus Chemnitz plant in diesen Wochen im thüringischen Langenwetzendorf eine neue Fabrik in Betrieb zu nehmen und baut seine Produktionskapazität um 50 Prozent aus.

Die international vergleichsweise kleinen deutschen PV-Modulmanufakturen wie AxSun in Laupheim, Heckert Solar, die Wismarer Sonnenstromfabrik und Solarwatt in Dresden setzen jedoch allesamt auf Vorprodukte aus Asien und verbauen die zumeist chinesischen PV-Zellen in deutsche Module. Seit Jahren wird spekuliert, welches Unternehmen erstmals auch wieder Solarzellen in Deutschland fertigen wird.

754 ehemalige Sovello-Werk in Bitterfeld-Wolfen / Foto: Meyer Burger Technology

Im ehemaligen Sovello-Werk in Bitterfeld-Wolfen läuft die Solarzellenproduktion an

Vor wenigen Monaten ließ die Schweizer Meyer Burger Gruppe die Bombe platzen: Das Unternehmen bezieht die ehemalige Solarzellenfabrik des abgewickelten Solarherstellers Sovello in Bitterfeld-Wolfen. Sachsen-Anhalt fördert den Aufbau der neuen Fertigung mit rund 22 Millionen Euro, wie Meyer Burger am 4. Januar 2021 verkündete. Bereits im 2. Quartal dieses Jahres sollen die ersten Solarzellen vom Band laufen. Einen weiteren Standort im sächsischen Freiberg hat die Meyer Burger Gruppe wenige Monate zuvor aus der Solarworld-Insolvenzmasse erworben und plant dort die Zellen aus Bitterfeld in PV-Module zu verbauen.