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Photovoltaik
Neuartige Solarziegel

Photovoltaik: Neuartige Solarziegel

Von Louis-F. Stahl

(9. September 2021) Vor fünf Jahren kündigte Tesla-Chef Elon Musk mit großem Tamtam das „Solar Roof“ an. Die damalige Vision: Anstatt PV-Module wie bisher mittels eines Gestells auf dem Dach zu installieren (Aufdachanlage) oder bei einer Dacheindeckung größere Module aufwendig in die restliche Dachfläche zu integrieren (Indachanlage), sollten einfach stromerzeugende Dachziegel zum neuen Standard werden. Viele der damaligen Ideen wie kabellose Kontaktierungen zur einfachen Installation erwiesen sich jedoch in der Praxis als nicht realisierbar. Musk selbst gestand im April 2021 ein, dass „erhebliche Fehler“ gemacht und die Kosten „deutlich unterschätzt“ wurden. Seit gut einem Jahr werden dennoch bei ersten Kunden in den USA Tesla Solar Roofs installiert. Die Montage der aus Glas bestehenden und optisch an Schiefer platten erinnernden Module erfolgt mit Abstandshaltern zur Unterbringung der konventionellen Verkabelung. Die Kosten sollen Berichten von Hausbesitzern zufolge vergleichbar mit denen einer Dachneueindeckung zuzüglich der Installation einer PV-Aufdachanlage sein. Ob und wann Tesla das Solar Roof auch in Deutschland anbieten wird, ist noch immer nicht bekannt.

754 Solarziegel Ennogie-System / Foto: www.ennogie.com

Das Ennogie-System setzt auf flächig schwarze Glas-Glas-PV-Module als Dacheindeckung, die überlappend montiert werden und damit eine wetterfeste Dachhaut bilden. Für Randbereiche werden vor Ort zuschneidbare „Anpassungsmodule“ ohne Stromerzeugung angeboten, sodass eine optisch einheitliche Dacheindeckung erfolgen kann.

Die Idee des „Solar Roof“ ist jedoch keineswegs eine Erfindung von Elon Musk. Bereits vor 10 Jahren hat der Baustoffhersteller Braas unter dem Namen „PV Premium“ ein in Deutschland gefertigtes PV-System vorgestellt, dessen Module optisch wie anthrazitfarbene Dachsteine aussehen. Diese innovative Erfindung wurde zwar im Jahr 2013 mit dem „Red Dot Design Award“ ausgezeichnet, fand überschattet vom Tesla-Hype bisher aber nahezu keine Beachtung in der Öffentlichkeit.

Inzwischen gibt es mehrere Solarziegelanbieter auf dem deutschen Markt. Dazu zählen Autarq, Ennogie, Eternit, Megasol, Nelskamp, Paxos und Solteq. Die Umsetzung der Solarziegelidee erfolgt je nach Hersteller sehr unterschiedlich. Manche Anbieter kleben lediglich kleine PV-Zellen auf herkömmliche Dachziegel, die dann mit hunderten Steckern auf dem Dach verbunden werden müssen, was dazu führt, dass im Störungsfall ein Fehler kaum ohne teilweises Abdecken des Daches lokalisierbar sein dürfte. Andere Hersteller bieten innovativere Lösungen wie wenige aber große Glasmodule in Kombination mit Modulwechselrichtern, die im Störungsfall eine schnelle Problemlokalisation ermöglichen.

Wie beim Tesla Solar Roof sind die Kosten für die erhältlichen Solarziegeldächer vergleichbar mit den Gesamtkosten einer konventionellen Dacheindeckung und einer PV-Anlage, sodass Solarziegel insbesondere dann interessant sind, wenn ohnehin eine Neueindeckung ansteht.