RWE beschleunigt
(13. Dezember 2005) Die RWE AG, Essen, kommt ihren Kritikern entgegen. Wenn es Möglichkeiten gebe, die Sanierung maroder Masten zu beschleunigen, würden diese genutzt, auch wenn es zu Mehraufwand führe, so Berthold Bonekamp, Vorstandschef der RWE Energy AG, in einer Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses im NRW-Landtag. Bisher wurden in den vergangenen fünf Jahren 2419 Masten aus Thomasstahl saniert, weitere rund 10 400 Masten sollen bis 2015 ausgebessert werden. Nach Zeitungsberichten meinen RWE-Ingenieure, eine Beschleunigung sei allenfalls um ein bis zwei Jahre denkbar.
Zuvor hatte NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben moniert, der vorgesehene Sanierungsplan dauere zu lange, und der freiwillige Härtefallfonds von RWE mit 5 Mio Euro korrespondiere auffällig mit rechtlichen Regelungen für Stromkonzerne, falls tatsächlich grob fahrlässig verursachte Sach- und Vermögensschäden nachgewiesen und zivilrechtlich geltend gemacht würden. Demnach seien bei einer Versorgung von bis zu 200 000 Abnehmern 5 Mio Euro als maximale Haftungssumme vorgesehen.
Erstmals meldete sich auch RWE-Vorstandschef Harry Roels zu Wort: RWE hätte mit dem Thema "Maststahlversprödung" früher an die Öffentlichkeit gehen sollen, so der Roels im "Spiegel". Es sei frühzeitig ein Sanierungsprogramm aufgelegt worden, das nach seinem Amtsantritt 2003 beschleunigt worden sei. Selbst wenn der Etat dafür nun verdoppelt würde, seien die Arbeiten nicht schneller als geplant zu erledigen, so Roels. Es sei nicht redlich, die umgestürzten Strommasten allein auf die Sprödigkeit zurückzuführen. Das Phänomen sei auf ein Naturereignis zurückzuführen, das nur einmal in hundert Jahren vorkommt. RWE haben in den vergangenen Jahren konstant rund 2 Mrd Euro jährlich ins Netz investiert. Die Vorfälle hätten nichts mit dem Sparkurs bei RWE zu tun, RWE spare nicht auf Kosten der Sicherheit. Weil das Problem viele Stromunternehmen betrifft, will Roels gemeinsame Anstrengungen anregen. So sollen alle Unternehmen gemeinsam Notstromaggregate anschaffen und an zentralen Punkten lagern.
Wirtschaftsministerin Thoben hat nun erneut angekündigt, die beantragte Strompreiserhöhung von RWE zum 1. Januar genau zu prüfen. Die beiden RWE-Gesellschaften Westfalen-Weser-Ems und Rhein-Ruhr planen Aufschläge um bis zu 6% und liegen damit im oberen Drittel aller 106 in NRW beantragten Preiserhöhungen.