125 Martin Jensen. Foto: obs/Peter Jensen GmbH/Angerer, Krafft
Vorsicht: Bauernfänger! Die folgende Darstellung ist ein Beispiel, das wir hier zur Warnung wiedergeben.

Vorsicht: Bauernfänger!

Steigende Energiepreise erleichtern auch unseriösen Verkäufern das Handwerk. Zwei Beispiele sollen zur Vorsicht mahnen.
Werbeaktion für Marmorheizung...

Die folgende Darstellung ist ein Beispiel, das wir hier zur Warnung wiedergeben.
Der örtliche Elektroinstallateur hatte in ein Hotel zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Neun Neugierige waren gekommen.

"Wir haben hier keine Rheumadecken-Aktion", versprach der Chef der Firma. Nach drei Stunden hatte ich den Eindruck: eher doch. Ein Drama in drei Akten.

... erster Akt: Die Evolution der Mamorheizung

Zuerst wurde mehr als eine Stunde lang erläutert, wie in zahlreichen Schritten unter ständiger Verbesserung des Wirkungsgrads die heutige, optimale Form der Marmorheizung gefunden wurde. Die dabei getätigte Aussage, dass man dieselbe Wärmeausbeute mit immer weniger Stromeinsatz erzielt habe, ist mit dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik, der Wärmelehre, nicht vereinbar.

Dann wurde intensiv auf der herkömmlichen Form der Wärmeerzeugung herumgeritten: Die üblichen Heizkörper würden warme Luft erzeugen. Dies sei gesundheitlich äußerst bedenklich, würde über das Aufwirbeln von Staub Allergien begünstigen und den Bluthochdruck fördern. Der warm empfohlene Buchtitel lautet: "Falsch geheizt ist halb gestorben."
Dagegen produziere die Marmorheizung wohltuende Strahlungswärme. Meine Einschätzung, dass ein einfacher großflächiger Plattenheizkörper annähernd den gleichen Anteil an Strahlungswärme mit annähernd der gleichen räumlichen Verteilung habe, wurde entschlossen zurückgewiesen.

Zweiter Akt: Eine lausige Rechnung

Dann kam der zweite Akt der Veranstaltung. Nachdem schon mehr als zwei Stunden vergangen waren und die Aufnahmefähigkeit der Zuhörer nahezu erschöpft war, wurde in einer viertel Stunde vorgerechnet, dass ein Bauherr mit der Marmorheizung gegenüber einer Ölheizung in 20 Jahren 32.500 Euro einsparen würde.

Ich bin die Sache am nächsten Tag in Ruhe durchgegangen, mit dem Ergebnis, dass jede einzelne Annahme unrealistisch war: Die Ölheizung war zu teuer, die Montagekosten der Marmorheizung zu niedrig angesetzt.
Es wurde von 11,5 Prozent Zins ausgegangen.

Bei der Erstausstattung der Heizungsanlagen wurde von einer Finanzierung über einen nachträglichen Kredit ausgegangen, der zweite Heizölkessel sollte über zwischenzeitlich gespartes Geld finanziert werden. Der Bedarf an Heizwärme sei bei derMarmorheizung 30 % niedriger als bei der Ölheizung, da das Abstrahlungsverhalten der Marmorplatten ja völlig anders sei als die eines herkömmlichen Heizkörpers.

Dritter Akt: Tausende begeisterter Kunden

Und schließlich wurde mit einem Nachtstromtarif ohne Strom- bzw. Ökosteuer gerechnet. Ich gehe davon aus, dass die Heizung eine Direktheizung ist. Daher stehen zwei ähnlich teure Tarife zur Wahl: Entweder der reine Haushaltstarif oder eine Mischung aus ca. zwei Drittel Hoch- und einem Drittel Niedertarif zuzüglich der Gebühren für den zweiten Zähler und das Tarifsteuergerät.

Dann folgte der versöhnliche Ausklang. Es wurden eine ganze Menge Lobbriefe von Kunden verlesen, die von dieser Marmorheizung begeistert waren. Es ging teilweise um sehr gut wärmegedämmte Neubauten, teilweise um Totalsanierungen von Altbauten, also den Ersatz von Uraltheizungen durch die elektrische Direktheizung, verbunden mit großflächigen Isoliermaßnahmen oder mit der kompletten Wärmedämmung der Aussenhülle.

Kaum einer der Fälle war aussagekräftig. Es seien in den letzten 20 Jahren schon mehr als 20.000 dieser Heizungen eingebaut worden.

Ich fürchte, für viele Nutzer hat es mit der ersten Stromrechnung ein böses Erwachen gegeben.

Kein Energiesparen mit dem "ecoboy"

Eine Besucherin unserer Beratungsstelle brachte ein Energiespargerät mit, den "ecoboy". "Sie schalten das Gerät vor Ihren Kühlschrank und sparen Strom", verspricht die Werbung. Der Stromsparer arbeitet wie ein Dimmer über eine elektronische Phasenanschnittsteuerung. Die Leistung des Kühlschrankmotors wird auf die Hälfte reduziert.

Wir haben unseren Verbrauchsmesser also hinter dem "ecoboy" eingebaut. Gemessen haben wir jeweils drei Tage lang, um wirklich genau zu sein. Das Ergebnis war eine Punktlandung: 0,48 kWh verbrauchte unser Kühlschrank ohne "ecoboy", der Verbrauch mit dem "Spargerät" war gleich.

Das Ergebnis war vorhersehbar: Die halbe Leistung des Motors bedeutet die doppelte Laufzeit. Logisch, dass der Verbrauch gleich bleibt.

Ich habe der Frau unsere Messergebnisse schriftlich bestätigt. Sie wird das Gerät zum Hersteller zurückschicken. Ich hoffe, dass sie ihre 49,90 Euro zurückbekommt!

Energieberater Stefan Starke, Dipl.-Ing. Maschinenbau

letzte Änderung: 27.01.2025