ED 01/11
Dämmender Außenanstrich Gibt es einen Außenanstrich, mit dem man Pilzbefall und gleichzeitig Wärmedämmung bis zu 30 % erreicht?

Dämmender Außenanstrich

(2002)

Frage gestellt von Hubert Siemer

Gibt es einen Außenanstrich, mit dem man Pilzbefall und gleichzeitig Wärmedämmung bis zu 30 % erreicht? Es soll sich um biono-shield handeln? Haben Sie Erfahrungen damit?

Antwort von Johannes Zink

Werbeaussagen für Farbanstriche, die weitreichende Energieeinsparung und Schimmelvermeidung erreichen sollen, sind seit einigen Jahren bekannt. Es klingt verlockend, wenn man mit einem Handstreich wesentliche Gebäudeprobleme ungeschehen machen kann. Bewährt hat sich zur Verminderung der Heizwärmeverluste baulicher Wärmeschutz, mit dem sich je nach Ausgangssituation alter Häuser ohne weiteres 50% einsparen lassen.

Nachträglicher Wärmeschutz lohnt sich besonders bei ohnehin erforderlicher Sanierung von Dach- oder Fassadenflächen. Zusätzliche Effekte sind - infolge der Wärmerückhaltung - wärmere Bauteile mit erhöhter Wohnbehaglichkeit, geringeren Energiekosten und damit gesünderes Raumklima. Weil an wärmeren Wänden die Luftfeuchtigkeit in der Regel nicht mehr kondensieren kann, erreicht man auch eine dauerhafte Schimmelvermeidung. Alles in allem eine Wertsteigerung des Gebäudes, auch bei Vermietung und Verkauf.

Dies mit einem Fassadenanstrich zu erreichen, wurde bisher nicht belegt. In Gesprächen mit dem Autor konnten solche Firmen keine nachvollziehbar erfolgreichen Fälle schildern oder gar schriftlich dokumentieren. Gewisse Effekte sind vermutlich vorhanden, gerade im Vergleich mit schlechten, rissigen Altanstrichen oder wenn die Farbe auf schlechte Bauteile wie dünne Türen oder Blechcontainer aufgebracht wird.

Über die Schimmel vermeidende Wirkung sind mir ebenso wenig Belege bekannt.

Sie erreichen auf jeden Fall einen größeren Effekt, wenn Sie auch nur innen eine dünne Dämmung aufbringen oder sich allein an die bekannten Wohnempfehlungen halten: ausreichend heizen und lüften. D.h. kurz zusammengefasst: Abfuhr großer Feuchtebelastungen (Bad, Küche) direkt nach draußen, ausreichendes Temperieren betroffener Räume und wiederholte tägliche Lüftung.

Damit ist gemeint: Öffnen der Fensterflügel (Stoßlüftung) 3-8 Mal täglich je nach Wohnungsbelegung und Feuchteproduktion (Personenzahl, Wäsche, Baden, Pflanzenbestand u.a.m.) für 5-15 Minuten je nach Außentemperatur (z.B. bei Frost nur ganz kurz).

Das alles ist kostenlos und die Wirkung besser belegt als bei einem Anstrich der Wand, der nicht etwa zugleich falsche Gewohnheiten der Bewohner ändert. Zusätzlicher Wärmeschutz verursacht grundsätzlich keine Feuchteschäden. Die Ursache verbreiteter Schimmelschäden liegt im Einbau dichter Fenster, die sowohl Energieeinsparung und Schallschutz gewährleisten, aber dafür angepasstes Nutzerverhalten erfordern.

letzte Änderung: 15.12.2012