Mehr Licht! Aber weniger Strom

Lampen, Elektrogeräte und die Kühlung laufen bald sparsamer - ein Zukunftsmodell. Von Martin Thurau

Die Sonnenstraße 25 ist ein eher schmuckloser Zweckbau vom Ende der sechziger Jahre. Haustechnik und Beleuchtung sind auch nicht viel jünger - kurzum: Für Energietechniker handelt es sich um ein lohnendes Objekt.

Stadt am Fluss Skyline

Die Einsparungen durch Contracting sind enorm!

Das Goethe-Institut hat jetzt in seinen zwei Etagen mit Büros und Schulungsräumen von einem privaten Ingenieurbüro die komplette Lichtanlage überholen lassen. Im kommenden Jahr soll das Institut nur noch 75.000 Kilowattstunden (kWh) im Jahr verbrauchen, halb so viel wie bisher. Nicht nur die Lampen, auch andere Elektrogeräte sowie die Kühlung sollen in Zukunft deutlich sparsamer laufen.

Das allein macht allerdings noch nicht die ganze Erfolgsgeschichte aus. Das Goethe-Institut ist nur Mieter in der Sonnenstraße, und trotzdem lohnt sich die Sanierung. Denn in zwei Jahren, so rechnet man im Institut, sollen die Kosten von 15.500 Euro wieder hereinkommen, allein durch den eingesparten Strom. Dafür bekommen die beiden Etagen keine rundum erneuerte Lichtanlage; es geht eher um kleine, aber effektive Eingriffe.

Feuerspucker

Er übernimmt das Contracting persönlich.

Wo früher vier Neonröhren aus einem Rost von der Decke strahlten, reicht heute eine. Ein Spiegel dahinter reflektiert das Licht weit besser als die vergilbte Plastikverkleidung. Ein modernes Vorschaltgerät senkt die Leistungsaufnahme der Röhre und gleichzeitig die Flimmerfrequenz.

Damit erfüllen die Büros auch die Norm für Bildschirmarbeitsplätze besser als bislang. Ähnlich verfuhren die Ingenieure mit den hinter sogenannten Prismenwannen angebrachten Deckenleuchten. Ohne an Lichtstärke zu verlieren, brauchen die Lampen nur noch ein Drittel des bisherigen Stroms.

Diagramm Stromverbrauch Sonnenstraße 25

Jeder der Getränkeautomaten wurde zudem mit einer Art Zeitschaltuhr versehen, was den Stromverbrauch mehr als halbiert. Rund 5.000 kWh spart das pro Automat und Jahr, was dem Verbrauch mindestens zweier Zwei-Personen-Haushalte entspricht.

Die Finanzierung läuft nach dem sogenannten Contracting-Modell. Das Ingenieurbüro hat die Sanierung vorfinanziert und liefert einen zweijährigen Komplett-Service. Das Goethe-Institut bezahlt sie mit der Differenz zwischen dem alten und dem neuen - weit niedrigeren - Strompreis ab.
Auf Anhieb, sagen die beteiligten Ingenieure, könnten sie allein in München 100 Gebäude mit einer ähnlichen Verbrauchsstruktur und deshalb auch ähnlichen Möglichkeiten nennen, Energie zu sparen.

Bürgermeister Hep Monatzeder begrüßte die Initiative des Goethe-Instituts und verwies auf die 50 städtischen Gebäude, die ebenfalls nach dem Contracting-Modell energietechnisch saniert werden sollen. Bundesweit gingen etwa elf Prozent der Endenergie in die Beleuchtung. Rund die Hälfte davon, schätzt Monatzeder, ließe sich wirtschaftlich sinnvoll einsparen.

Segment-ID: 1090