Ein Mann steigt um

Sein Heizöltank war alt, die Preise unberechenbar. Also entschied sich Michael Herte für eine Wärmepumpe. Doch statt für Zehntausende Euro einen Fachbetrieb zu beauftragen, bestellte er das Gerät im Netz und übernahm den Einbau kurzerhand selbst.
Ein Modell zum Nachahmen? Dies ist sein Erfahrungsbericht.

(31. März 2026)

1. Vorüberlegungen: Warum überhaupt eine Wärmepumpe?

Der Ausgangspunkt meines Projekts war kein technischer Notfall, sondern die Lust auf Veränderung. Meine Ölheizung funktionierte zuverlässig, der Brenner lief stabil, das Haus wurde warm. Das eigentliche Problem lag im Alter der beiden 2000-Liter-Heizöltanks, die in einem Nebengebäude stehen: In absehbarer Zeit wäre ein Tausch erforderlich gewesen.

Doch bevor ich Tausende Euro in die Erneuerung einer fossilen Infrastruktur steckte, stellte ich mir die Grundsatzfrage: Investiere ich weiter in eine auslaufende Technik (also die Tanks sind schon noch dicht ...) – oder steige ich um?

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Selbst ist der Heizungsbauer: Michael Herte vor der Wärmepumpe seines Hauses in Schleswig-Holstein.

Dazu kamen die Unannehmlichkeiten des Heizöls: Preisschwankungen zwischen 80 Cent und über 1,60 Euro pro Liter, Lieferaufschläge für lange Schläuche und verbindliche Terminbuchungen sowie die Verantwortung für brennbares Heizöl im eigenen Haus. Jenseits ökologischer Argumente ging es mir vor allem um zweierlei: weniger Abhängigkeit und mehr Planungssicherheit.

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Im Wohnzimmer sorgt ein zusätzlicher Heizkörper hinter einer Regalwand für Wärme. Er war nötig, weil die Vorlauftemperatur der Wärmepumpe nicht genügt, um den Raum mit nur einem Heizkörper zu wärmen. 

2. Funktioniert eine Wärmepumpe auch im  Bestand? 

Mein Haus stammt aus der Mitte der Siebzigerjahre, wurde jedoch umfassend saniert. Eine Fußbodenheizung gibt es nicht, dafür klassische Kompaktheizkörper. Lange hörte ich, Wärmepumpen funktionierten nur im Neubau oder mit großen Heizflächen. Diese pauschale Aussage wollte ich nicht einfach hinnehmen.

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Der Anschluss der Hydraulik erwies sich als anspruchsvollster Part des Wärmepumpen-Einbaus.

2.1 Simulation einer Wärmepumpe: die Heizkurve als Realitätstest

Statt theoretischer Berechnungen entschied ich mich für einen Praxistest. Ich stellte die Heizkurve meiner Ölheizung so ein, dass die Vorlauftemperaturen dem Niveau einer typischen Luft-Wasser-Wärmepumpe entsprechen: Keine Nachtabsenkung mehr, stattdessen durchgehender Betrieb mit reduzierter Temperatur. Das habe ich mehr als zwei Jahre getestet – bei Frost, in der Übergangszeit und bei milden Temperaturen. Das Ergebnis: Das Haus blieb auch bei niedrigeren Vorlauftemperaturen warm. Zwar nicht in jedem Raum perfekt, aber grundsätzlich funktionierte es.

2.2 Erweiterung der Heizflächen

In zwei Räumen genügte die vorhandene Heizfläche nicht. Ich habe daher Heizkörper ergänzt. Im Wohnzimmer installierte ich einen rund drei Meter langen, 30 Zentimeter hohen Heizkörper hinter einem offenen Regal ohne Rückwand. Optisch unauffällig, thermisch wirksam. Den Einbau übernahm ich selbst. Dazu verband ich den Rücklauf eines vorhandenen Heizkörpers mit dem Vorlauf des zusätzlichen Heizkörpers. So entstand ein Reihenanschluss, durch den auch der neue Heizkörper mit Wasser kontinuierlich durchspült wird. Nachdem ich diese Anpassungen vorgenommen hatte, war klar: Die Vorlauftemperaturen einer marktüblichen Luft-Wasser-Wärmepumpe würden ausreichen, um mein Häuschen warm zu bekommen.

Wichtig: Diese Betrachtung bezieht sich ausschließlich auf die Raumheizung. Das Wasser zum Duschen oder Baden wird weiterhin über die Ölheizung erhitzt. In Zukunft möchte ich einen zentralen elektrischen Durchlauferhitzer oder einen Boiler installieren, aber vorläufig werde ich die Ölreste der Tanks aufbrauchen.

Erfahrungsaustausch

Sie haben Ihre Wärmepumpe ebenfalls komplett oder in Teilen selbst eingebaut? Berichten Sie uns unter info@energieverbraucher.de

3. Auswahl und Umsetzung: Technik, Beschaffung und Integration 

Ich entschied mich für eine Neun-Kilowatt-Luft-Wasser-Wärmepumpe von Panasonic. Ausschlaggebend waren positive Erfahrungen in der Heimwerkerszene, die technische Offenheit des Geräts (Datenzugriff und Erweiterungsmöglichkeiten) sowie ein attraktiver Preis. Bestellt habe ich die Wärmepumpe bei einem etablierten Online-Fachhändler. Vorab klärte ich telefonisch offene Fragen und verschaffte mir einen Eindruck von der Seriosität. Die Anlage kostete etwa 4400 Euro und wurde wenige Tage später per Spedition geliefert. Wer online bestellt, übernimmt die Verantwortung des Planers. Das muss einem bewusst sein. Die nötige Leistung von neun Kilowatt habe ich mithilfe einer kostenlosen Energieberatung der Verbraucherzentrale ermittelt.

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Nicht zu unterschätzen sind die Kosten für Werkzeuge wie einen Bohrhammer und Material.

3.1 Rohrmaterial und Werkzeug: Der unterschätzte Kostenfaktor

Für die hydraulische Anbindung wählte ich Mehrschichtverbundrohr (32 x 3 Millimeter). Das Rohr selbst ist mit rund zwölf Euro pro Meter vergleichsweise günstig. Kostentreiber sind die Pressfittings, also die Verbindungsstücke der Rohrleitungen: Winkel, T-Stücke, Übergänge. Hier kommen schnell mehrere Hundert Euro zusammen. Ich entschied mich für hochwertige Markenware. Kein Löten, kein Gewindeschneiden, geringes Gewicht, moderate Biegbarkeit – die Verarbeitung war handwerklich gut beherrschbar. Eine gebrauchte Handpresszange habe ich bewusst gekauft, statt sie zu mieten. So bleibe ich unabhängig und kann im Bedarfsfall jederzeit nacharbeiten.

Wichtig ist die saubere Vorbereitung der Rohrenden: entgraten, kalibrieren, anfasen. Die ersten Pressungen waren anspruchsvoll, später fühlte es sich wie ein präzises Baukastensystem an.

3.2 Die Kernbohrung: Selbst ist der Bauherr

Für die Leitungsdurchführung durch die Kellerwand war eine Kernbohrung erforderlich. Fachbetriebe, die ich dazu anfragte, zeigten wenig Begeisterung für ein einzelnes Bohrloch. Mietgeräte waren organisatorisch und preislich wenig attraktiv. Ich kaufte eine passende Bohrkrone für meinen Bohrhammer und führte zwei kleinere Kernbohrungen selbst aus – unterstützt durch einen Helfer mit Staubsauger. Rückblickend würde ich es wieder so machen, allerdings mit leicht größerem Durchmesser, um die Rohrdämmung bequemer einsetzen zu können.

3.3 Standortwahl und Fundament: Solide gründen statt improvisieren

Meine Wärmepumpe arbeitet mit Propan (R290). Entsprechend mussten Abstände zu Fenstern und Lichtschächten eingehalten werden. Zudem wollte ich einen möglichst großen Abstand zum Haus, um die Luftschallübertragung zu minimieren. Ich hätte es mir einfach machen und die Anlage auf Gehwegplatten aufstellen können. Doch stattdessen baute ich ein massives Fundament aus sechs Betonschalungssteinen, gefüllt mit Beton und improvisierter Bewehrung. Die Materialkosten waren überschaubar. Ein Betonschalungsstein Endstein, grau, 50 x 24 x 25 Zentimeter, kostet gut vier Euro. Sechs Säcke Estrichbeton kosten jeweils etwa fünf Euro. Das Fundament ist schwer, stabil und vom Haus entkoppelt. Zusätzliche Schwingungsdämpfer waren aus meiner Sicht nicht erforderlich.

3.4 Kondenswasser: Der Realitätscheck

Im norddeutschen Klima fällt bei Temperaturen von null bis fünf Grad eine erhebliche Kondensatmenge an. Die Anlage muss ausreichend hoch stehen, damit Wasser frei ablaufen kann. Ich verfüllte den Bereich mit Kies, sodass das Wasser natürlich versickert. Wer eine Wärmepumpe auf eine versiegelte Terrasse stellt, sollte sich über Pfützen nicht wundern.

4. Hydraulik: Alte Welt trifft neue Technik 

Am anspruchsvollsten war die Verbindung der Wärmepumpe mit dem bestehenden Heizsystem. Vorlauf und Rücklauf (eineinhalb Zoll) versorgen die Heizkörper. Ziel war eine Lösung, die drei Betriebsarten ermöglicht:

  • Nur die Wärmepumpe läuft.
  • Nur  die Ölheizung läuft.
  • Beide Systeme laufen gemeinsam.

Ich nutzte vorhandene Gewinde und arbeitete mit T-Stücken, Reduziermuffen, Verschraubungen und Absperrhähnen. Die Konstruktion wirkt improvisiert, ist aber funktional. Flexible, stahlummantelte Kunststoffleitungen erleichterten schwierige Übergänge. Bestehende Kupferleitungen wurden vorsichtig ausgelötet. Die Abdichtung der Gewinde erfolgte klassisch mit Hanf und Dichtpaste. Die Ölheizung bleibt als Redundanzsystem einsatzbereit. In der Praxis war sie bislang aber nicht erforderlich. Die Wärmepumpe lief auch an sehr kalten Wintertagen störungsfrei.

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Weiteres Material für den Einbau

 5. Rückblick: Was würde ich wieder tun – was  anders machen? 

Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Ich würde  das Projekt im Wesentlichen genauso wieder angehen. Wichtig ist, sich Unterstützung zu holen, nicht nur für das körperlich fordernde Aufstellen des Außengeräts, sondern auch mental in kritischen Momenten. Die elektrische Einbindung habe ich bewusst einem Fachmann überlassen.

Was ich verbessern würde, ist die Rohrdämmung. Denn die Wärmeverluste zwischen Außengerät und Heizungsraum sind messbar. Hier werde ich nachbessern. Die gewählte Leistungsklasse erschien mir an milden Tagen zeitweise großzügig dimensioniert. Mit sinkenden Temperaturen bestätigte sich die Wahl jedoch. Auch bei strengem Frost blieb das Haus zuverlässig warm.

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Im Umgang mit der Presszange war Michael Herte unerfahren – heute geht ihm die Arbeit spielend von der Hand.

Fazit

Eine Do-It-Yourself-Wärmepumpe ist kein Wochenendexperiment. Es erfordert eine intensive Vorbereitung, handwerkliches Grundverständnis, zeitliche Ressourcen und finanzielle Reserve für Werkzeuge und Material. Wer Freude an technischen Herausforderungen hat und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, für den kann der Eigenbau eine wirtschaftlich und persönlich lohnende Option sein. Alles in allem habe ich etwa 5000 Euro in Anschaffung und Installation der Wärmepumpe investiert. Hätte ich Planung und Einbau komplett einem Fachbetrieb überlassen, wären sicher 30.000 Euro oder mehr fällig gewesen. Fördermittel habe ich nicht in Anspruch genommen. Für mich war das Projekt mehr als ein Heizungsumbau. Es war ein Lernprozess – und ein Schritt in Richtung größerer energetischer Selbstbestimmung.

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Im Heizungskeller steht neben dem Innengerät der Wärmepumpe noch die alte Ölheizung.

Hier gibt es Hilfe

Bevor sich Michael Herte an das Do-it-yourself-Experiment wagte, hat er sich intensiv mit dem Thema befasst. Diese drei Quellen empfand er als besonders hilfreich:
Haustechnik Dialog Eines der größten Portale zu Heizung, Klima, Sanitär und Haustechnik mit Forum zu Wärmepumpen: haustechnikdialog.de.

Youtube Viele Videos zu einzelnen Arbeitsschritten, etwa hier: bdev.de/noerrmann.

Energieberatung der Verbraucherzentrale Viele kostenfreie Angebote: verbraucherzentrale.sh/energieberatung.

letzte Änderung: 07.02.2017