Kleiner Aufwand, hohe Rendite

»Energiesparkommissar« Carsten Herbert verrät, wie Heizungen mit simplen Tricks effizienter laufen
Von Volker Kühn

(13. Juli 2026) Zwei Jahrzehnte lang hat Carsten Herbert als Energieberater Verbrauchern geholfen, ihre Gebäude auf Effizienz zu trimmen.  Vor sechs Jahren verlagerte er seine Tätigkeit vom Heizungskeller vor die Kamera: Als »Energiesparkommissar« erreicht er im Internet und auf Vorträgen ein großes Publikum. 

 ED 02/2026 Kleiner Aufwand, hohe Rendite (S.32/33) 

Sie beschreiben in Ihrem Buch 25 leicht umzusetzende Sanierungsschritte. Wenn Sie nur einen Tipp geben dürften – welcher wäre das? 

Carsten Herbert: Da würde ich als erstes etwas nehmen, was nichts kostet, aber dennoch enorm viel hilft: Die Optimierung der bestehenden Heizungsanlage. Die meisten Anlagen verfügen über eine intelligente Steuerungstechnik, die eigentlich genau weiß, wie viel Wärme ein Gebäude bei welcher Außentemperatur braucht. Das Problem ist: Die Anlagen werden fast nie individuell eingestellt, sondern laufen auf Werkseinstellung und produzieren mehr Wärme, als gebraucht wird. Die wird dann durch die Leitungen gejagt und muss am Heizkörper wieder heruntergeregelt werden. Dabei entstehen erhebliche Verluste. Genau darin liegt ein riesiges Einsparpotenzial.

ED 02/2026 Kleiner Aufwand, hohe Rendite (S.32/33)Carsten Herbert, Mitglied im Bund der Energieverbraucher und Autor der Energiedepesche, bringt mehr als 130.000 Abonnenten auf Youtube in launigen und fachkundigen Videos das Energiesparen nah. Er ist Autor mehrerer Sachbücher. »Einfach sanieren – 25 kostengünstige Maßnahmen für Ihr Haus« erscheint Ende September und kann auf Autorenwelt.de vorbestellt werden (24,90 Euro).

 

 

Warum wird es nicht genutzt?

Carsten Herbert: Weil viele schlicht keine Ahnung haben, dass ihre Heizung effizienter laufen könnte. Und die Heizungsbetriebe, die es besser wissen, scheuen die nötigen Optimierungen, weil sie ein Risiko darstellen: Wenn man eine Anlage auf Effizienz trimmt, besteht immer die Möglichkeit, dass man zu stark optimiert und es dann irgendwo nicht mehr warm genug wird. Dann gibt es Beschwerden. Außerdem lohnt es sich für Installateure mehr, bei einem Kunden eine neue Heizung einzubauen, als in derselben Zeit zehn andere Anlagen zu optimieren und den hydraulischen Abgleich vorzunehmen.

Was genau passiert bei einem hydraulischen Abgleich?

Carsten Herbert: Er sorgt dafür, dass jeder Heizkörper exakt die Wärmemenge bekommt, die er braucht. In vielen Häusern ist das nicht der Fall, weil die Anlagen falsch eingestellt sind. Die am weitesten von der Heizung entfernten Heizkörper erhalten zu wenig Wärme. Das Gute ist: Man kann den Abgleich auch selbst erledigen. Auf Energiesparkommissar.de erkläre ich in einem Video, wie das geht. Im Schnitt steigt die Effizienz eines Heizsystems durch den Abgleich um sechs Prozent. In Altbauten ist oft sogar mehr drin.

Was ist noch wichtig, wenn man die Heizung optimieren will?

Carsten Herbert: Was mir als Berater immer wieder aufgefallen ist, sind die blanken Rohre in vielen Heizungskellern. Direkt am Kessel oder am Warmwasserspeicher gibt es fast nie eine Dämmung. Dabei sind die ersten Meter kritisch, weil man dort die höchsten Temperaturen im ganzen Kreislauf hat. Wenn man diese drei, vier, fünf Meter ordentlich dämmt, ist die Rendite extrem hoch – ich komme auf rund 200 Prozent. Das bezahlt sich in einer halben Heizperiode.

Sie geben zu Ihren Tipps jeweils Renditen an. Wäre es nicht sinnvoller, die Zeit zu nennen, in der sich die Investition amortisiert? 

Carsten Herbert: Ich berechne die Rendite mit dem sogenannten internen Zinsfuß. Das ist die finanzmathematisch saubere Methode. Der Begriff Rendite ist vielen zudem aus ihrer Geldanlage vertraut. Und obendrein motiviert eine Angabe wie »200 Prozent Rendite« stärker, als wenn man sagt, dass es so und so viele Jahre dauert, bis man sein Geld wieder drin hat.

Stichwort Motivation: Was treibt Sie an? Geht es Ihnen um Klimaschutz? Verbraucher? Technologie?

Carsten Herbert: Klimaschutz spielt für mich seit den Achtzigern eine große Rolle. Ich habe damals »Die Grenzen des Wachstums« gelesen, die Umweltkatastrophen gesehen und später den Erdgipfel in Rio verfolgt. Energie ist zu meinem Lebensthema geworden. Ich konnte mein Bauingenieurstudium damit verbinden und habe 21 Jahre lang ein Ingenieurbüro geführt, in dem ich über 2000 Energieberatungen gemacht habe, für Verbraucher, Unternehmen und Gewerbe. Diese Erfahrungen gebe ich jetzt auf Vorträgen, in meinen Social-Media-Kanälen und meinen Büchern weiter.

Bis vor ein paar Jahren haben die Klimademos noch Hunderttausende auf die Straßen gebracht. Inzwischen scheint das Thema viele eher abzuschrecken.

Carsten Herbert: Das erlebe ich anders. Im konservativen Milieu kippt die Stimmung gerade in eine positive Richtung. Vor zwei, drei Jahren waren die Leute noch skeptisch: »Was erzählt der Langhaarige uns da?« Jetzt kommen sie, weil ihr Nachbar schon eine Wärmepumpe hat und damit Geld spart. Sie wollen definitiv nicht die letzten sein, die Bescheid wissen. Sie wollen informierte Entscheidungen treffen. Das treibt sie in meine Veranstaltungen.

Wie beurteilen Sie in dem Zusammenhang das Gebäudemodernisierungsgesetz?

Carsten Herbert: Ich kommentiere Gesetze ungern, weil sie in der Lebenswirklichkeit fast keine Rolle spielen. Die Leute interessieren sich für gute Ideen, nicht für Gesetze. Katherina Reiche versucht, die Erneuerbaren auszubremsen. Aber die Leute sind nicht blöd. Unter den Menschen da draußen erlebe ich viel Kritik an ihrem Kurs. Ich glaube nicht, dass Frau Reiche Ende des Jahres noch Ministerin ist.

Die fünf Quick Wins des Energiesparkommissars 

Brauchwasserpumpe – 5 Prozent Rendite Haushalte mit PV profitieren von jedem zusätzlichen elektrischen Verbraucher. Wer noch über eine zentrale Öl- oder Gasheizung heizt, kann den Warmwasserspeicher einfach gegen eine Wärmepumpe für Warmwasser tauschen.

Dämmung der Obergeschossdecke – 8 Prozent Rendite Viele der Decken zu unbeheizten Dachräumen sind noch immer ohne zusätzliche Dämmschicht. Diese Maßnahme ist mit 8 Prozent Rendite die wirtschaftlichste der großen Vier (Dach/Decke, Wand, Keller, Fenster). Bei Betondecken sind es sogar 36 Prozent.

Smarte Heizungsventile – 12 Prozent Rendite Einige elektronische Heizungsventile beherrschen neben der klugen Raumtemperaturregelung auch den hydraulischen Abgleich. Wenn dann beides zusammenkommt, liegt die Rendite einer solchen Maßnahme bei 26 Prozent.

Rohrleitungsdämmung – 200 Prozent Rendite In fast allen Heizungsräumen gibt es  ungedämmte Rohre direkt am Kessel und am Speicher, also dort, wo die Temperatur am höchsten ist. Die Rohre zu dämmen ist ein Kinderspiel, für das man eine Rendite von 200 Prozent einfährt.

Wassersparende Duschköpfe – 400 Prozent Rendite Clevere Duschköpfe verteilen das Wasser so, dass man nicht merkt, dass nur halb so viel herauskommt wie in einem Standardduschkopf. Heizkosteneinsparungen und geringere Kosten für Wasser und Warmwasser ergeben 400 Prozent Rendite.

letzte Änderung: 13.07.2026