Fernwärme: Warum Holz eine schlechte Alternative für Kohle ist

Nach dem Kohleausstieg fehlt vielen Fernwärmenetzen die bisherige Energiequelle. Als Ersatz kommt Holz in Betracht. Doch Umweltverbände warnen davor – und weisen auf bessere Möglichkeiten hin.
Von Aribert Peters

(19. Oktober 2026) Fernwärme kann ein Schlüssel der Wärmeplanung sein. In dicht bebauten Vierteln versorgt ein Netz viele Gebäude und erschließt sonst kaum nutzbare Quellen, Industrieabwärme etwa, Flusswärme oder Geothermie. Sinnvoll ist der Ausbau aber nur dort, wo er ökologisch überzeugt und für Verbraucher bezahlbar bleibt.

 ED 03/2026 Fernwärme: Warum Holz eine schlechte Alternative für Kohle ist (S.9) 

Kohlekraftwerke wie Neurath lieferten lange günstige Wärme. Künftig muss Ersatz her.

Das Wärmeplanungsgesetz verlangt: Bestehende Netze müssen ab 2030 mindestens 30 Prozent erneuerbare Wärme oder Abwärme liefern, ab 2040 80 Prozent. 2045 sollen sie vollständig klimaneutral sein. Neue Netze brauchen seit März 2025 mindestens 65 Prozent.

Holz gilt gesetzlich weitgehend als erneuerbar. Daher setzen viele Stadtwerke auf Holzhackschnitzel oder Altholz, so in Berlin, Rosenheim oder Stuttgart. Die Technik kann Kohle oder Gas ersetzen.

Holz setzt CO2 frei – ist aber vom CO2-Preis befreit

Der Holzeinsatz ist gesetzlich begrenzt – allerdings nur in sehr großen Netzen. Neue Wärmenetze mit mehr als 50 Kilometern Länge dürfen höchstens 25 Prozent Biomasse nutzen; ab 2045 gilt dort eine Grenze von 15 Prozent. Kleinere Netze sind davon ausgenommen. Zugleich genießt Holz einen Preisvorteil: Für seine CO2-Emissionen muss im Emissionshandel bei erfüllten Nachhaltigkeitsanforderungen kein CO2-Preis gezahlt werden. Das macht Holz attraktiver, obwohl beim Verbrennen tatsächlich CO2 entsteht.

Die Umweltverbände Nabu und BUND warnen vor einer falschen Klimarechnung. Holzfeuerungen setzen sofort viel CO2 frei; bis nachwachsender Wald es wieder bindet, vergehen jedoch Jahrzehnte. Hinzu kommen Feinstaub und Druck auf die Wälder. Holz sollte vorrangig langlebig als Baustoff genutzt und nur begrenzt als Reststoff verbrannt werden. Auch preislich ist Holz kein Selbstläufer. Die gewaltigen benötigten Holzmengen lassen sich nur weltweit beschaffen und verursachen große Schäden. Steigende Nachfrage und knappe nachhaltige Mengen schaffen Preisrisiken für die Haushalte.

Alternativen sind erprobt: Großwärmepumpen mit Umgebungswärme aus Flüssen oder Abwasser (Mannheim, Hamburg), industrielle Abwärme (Frankfurt/Infraserv Höchst), solare Großanlagen mit Saisonspeicher (Ludwigsburg) sowie Geothermie (München). Sie sind planungsintensiver als Biomassekessel, dafür aber nachhaltig und ressourcenschonender. Der Kampf gegen Alibi-Lösungen wie Holzfeuerungen ist anstrengend, aber lohnend.    

letzte Änderung: 19.10.2026