Vier Jahre Wartezeit

Wie der Bund der Energieverbraucher einen grotesken Fehler an einem Solarsystem aufgedeckt hat.
Von Günter Rabe

(4. Mai 2026) Familie Schulz-Gericke wohnte seit vier Jahren in ihrem neuen Haus, errichtet von einem Bauträger. Alles war gut, bis auf ein Ärgernis: In all der Zeit lieferte die Solaranlage für Warmwasser nur 25 Kilowattstunden Ertrag. Das ist eigentlich das Ergebnis von zwei Sonnentagen. Wiederholte Reklamationen beim Bauträger blieben erfolglos. Daher entschloss sich die Familie, die Mitglied im Bund der Energieverbraucher ist, zu einem Solar-EKG. Das ist die kleine Schwester des Heizungs-EKG, eine messtechnische Untersuchung – eigentlich von funktionierenden Anlagen.

 ED 01/2026 Vier Jahre Wartezeit (S.19) 

Maren und Ulrich Schulz-Gericke unter der Warmwasser-Solaranlage ihres Hauses in Quickborn.

Das EKG zeigte Merkwürdigkeiten: Bei Sonne ging der Solarvorlauf mittags hoch bis über 70 Grad. Eine Ablesung der Solarregelung zeigte eine Kollektortemperatur von über 100 Grad. Die Speichertemperatur erhöhte sich aber nicht; es gab keine Einspeisung von Solarwärme. Der Kollektor war heiß, die Wärme kam im Heizraum an, doch der Speicher blieb kalt.

Nun waren Recherche und Logik gefragt. Die Pumpe funktionierte, hatte aber erst sehr wenige Betriebsstunden. Ein Austausch mit Herrn Schulz-Gericke ergab, dass häufig über 60 Grad Speichertemperatur angezeigt wurden. Eine so hohe Temperatur konnte es im System Heizkessel/Warmwasser überhaupt nicht geben. Als Solltemperatur waren 50 Grad eingestellt. Mehr als 60 Grad konnten im System ausschließlich von der Solaranlage kommen.

Wo war der Speicherfühler?

Ein Videocall ergab, dass der Platz für den Speicherfühler leer war. Dabei musste der Fühler existieren, schließlich wurde eine Speichertemperatur ja angezeigt. Ohne Fühler hätte zudem eine Fehlermeldung vorgelegen.

Herr Schulz-Gericke bekam den Auftrag, das Kabel des Speicherfühlers von den Anschlussklemmen der Regelung bis zum Fühlersensor zu verfolgen. Den Suchauftrag übergab er einem Handwerker. Und siehe da, der Sensor war schnell gefunden: Er war am Solarrücklauf befestigt. Ein grotesker Fehler, der sich durch Umsetzen des Fühlers an den Speicher leicht beheben ließ. Seither läuft die Anlage und deckt den Warmwasserbedarf von Mai bis September ganz allein. Bis dahin verbrauchte die Familie in diesen Monaten Gas.

Wie wirkte sich der Fehler aus? Bei warmem Kollektor setzte die Regelung die Solarpumpe in Gang. Die heiße Solarflüssigkeit (sagen wir 70 Grad) floss durch den (hier kleinen) Wärmetauscher des Speichers. Dort kühlte sie nur wenig auf etwa 65 Grad ab und floss durch die Rücklaufleitung zum Kollektor zurück. An der Leitung befand sich der falsch platzierte Fühler und der signalisierte der Regelung: Speicher warm, es lässt sich keine Wärme mehr einspeisen – Pumpe aus! Sie lief so immer nur ca. 30 Sekunden. Dieser Vorgang wiederholte sich bei Sonne mehrfach, führte aber nie zu einer Speichererwärmung.

Das Solar-EKG bei den Schulz-Gerickes war ein Erfolg. Dabei ist es eigentlich gar nicht zur Reparatur, sondern zum Aufspüren von Verbesserungsmöglichkeiten gedacht. Bei den Heizungs- und Solar-EKGs fielen aber wiederholt Solaranlagen auf, die nicht funktionierten, ohne dass die Betreiber dies wussten. Warmes Wasser kommt schließlich immer, wenn nicht von der Sonne, dann eben vom Heizkessel. Unter den defekten Anlagen war übrigens keine einzige aus dem Phönix-Projekt des Vereins. Und das, obwohl diese Anlagen bei den Mitgliedern überrepräsentiert sein dürften.

letzte Änderung: 27.06.2013