ED 01/11
Ihren Energie-Ausweis bitte! Bis zum 4. Januar 2006 sollte er eigentlich da sein: der Wärmepass. Das schreibt die EU-Richtlinie zur Gebäudeenergieeffizienz vor.

Ihren Energie-Ausweis bitte!

Bis zum 4. Januar 2006 sollte er eigentlich da sein: der Wärmepass. Das schreibt die EU-Richtlinie zur Gebäudeenergieeffizienz vor. energieverbraucher.de informiert über den aktuellen Stand der Diskussion.
Von Aribert Peters

(3. Januar 2006) - Wie der Energieausweis nun genau aussehen wird, weiß derzeit noch niemand ganz genau. Nicht einmal Michael Halstenberg, zuständiger Abteilungsleiter im Bundesbauministerium. Auf der 8. Jahrestagung "Energieeffizienz in Wohngebäuden" in Berlin zeigte er, wohin die Überlegungen gehen. Die Entscheidungen trifft die neue Regierung.

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Ihren Energie-Ausweis bitte!

Michael Halstenberg - Abteilungsleiter im Bundesbauministerium

Die EU-Kommission legt großen Wert auf eine termingerechte Umsetzung der Richtlinie und hat schon vor Ablauf der Frist bei den Regierungen der Mitgliedsländer nach dem Stand der Dinge gefragt. Man erhofft sich durch sinkende Energieverbräuche eine geringere Abhängigkeit von Energieimporten und eine Stabilisierung der Wirtschaftsentwicklung.

Energieausweis

Trotz der Ungewissheit

Über viele wesentliche Punkte herrscht bereits Einvernehmen:

  • Deutschland wird nicht über die Mindestanforderungen der Richtlinie hinausgehen. Diese fordert für den Energieausweis ein transparentes Verfahren, die Angabe von Referenzwerten, also Vergleichskennwerte, sowie Empfehlungen für kostengünstige Maßnahmen zur Effizienzverbesserung. Die Energieausweise müssen für alle Neubauten sowie bei Verkauf und Neuvermietung von Bestandsgebäuden beziehungsweise Wohnungen ausgestellt werden.
  • Der Energieausweis wird nicht von Firmen oder Institutionen, sondern stets von Expertenausgestellt. Mit den Bundesländern wird derzeit ein "Vier-Säulen-Modell" diskutiert, wer die Ausweise ausstellen darf. Im Gespräch sind:
    • Bauvorlagenberechtigte Diplomingenieure,
    • nicht bauvorlagenberechtigte Diplomingenieure mit Ausbildungsschwerpunkt energiesparendes Bauen,
    • übrige Diplomingenieure mit zusätzlicher Berufserfahrung,
    • übrige Personen mit Fortbildung, die in einer Liste aufgeführt sind.
  • Für größere Mietwohngebäude wird der Energieausweis auf Verbrauchskennwerten basieren, die ohnehin aus der Heizkostenabrechnung bekannt sind. Die Modernisierungsempfehlungen müssen ergänzt werden. Die Kosten für den Wärmepass ohne Modernisierungshinweise liegen zwischen zehn und 20 Euro. Die eingetragenen Werte sind einfach nachvollziehbar und können Mängel im Betrieb oder ungünstiges Nutzerverhalten aufdecken.
  • Ein- und Zweifamilienhäuser und kleine Mehrfamilienhäuser benötigen zusätzlich Bedarfskennwerte. Denn dort spielt das Nutzerverhalten ein größere Rolle. Die Kosten für entsprechende Gutachten liegen laut Dena-Feldversuch in 65 Prozent der Fälle unter 300 Euro. Über den wirklichen Heizenergieverbrauch erlauben die Bedarfskennwerte keine Aussage. Um überflüssigen Mehraufwand zu vermeiden, wird es ein "vereinfachtes Verfahren" geben, in dem der Nutzer vorliegende Daten selbst eingeben kann.
  • Der Energieausweis wird für alle Gebäude gleich aussehen. Jedoch werden nicht für jedes Gebäude alle Merkmale berechnet und eingetragen. Für größere Mietgebäude wird kein Bedarfskennwert eingetragen, für Einfamilienhäuser entfällt gegebenenfalls der Verbrauchskennwert.
  • Der Energieausweis kann eine detaillierte Untersuchung vor einer anstehenden Sanierung nicht ersetzen.
  • Der Energieausweis hat nur eine informative Funktion. Der Verordnungsgeber verbindet mit dem Energieausweis keine Modernisierung- oder Sanierungsverpflichtung. Als Information kann der Energieausweis durchaus Gegenstand privatrechtlicher Vereinbarungen zum Beispiel in Kauf- oder Mietverträgen sein.
  • Der Energieausweis wird vermutlich zehn Jahre gültig sein.

Energieausweis 2

Unklar ist noch, wo die Grenze zwischen großen und kleinen Gebäuden gezogen wird. Ebensowenig steht bislang fest, wie das vereinfachte Verfahren im Detail aussehen wird.

Wie viele Pässe werden gebraucht?

In Deutschland gibt es 17,6 Millionen Wohngebäude und 38,6 Millionen Wohnungen. 21 Millionen Wohnungen sind vermietet, davon 14 Millionen von privaten Eigentümern und sieben Millionen von Wohnungsgesellschaften. Von den 17 Millionen selbst genutzten Wohnungen entfallen elf Millionen Wohnungen auf selbst genutzte Einfamilienhäuser und sechs Millionen auf Eigentumswohnungen.

Gerüst an Hauswand zur energetischen Sanierung

Gibt es genügend Experten?

Das Bremer Energieinstitut hat in einer Studie untersucht, ob es in Deutschland genügend qualifizierte Fachleute für die Umsetzung der Richtlinie gibt. Im Jahr 2006 entsteht der höchste Bedarf von 2,7 Millionen neuen Energieausweisen, da im ersten Jahr die meisten Energieausweise neu erstellt werden müssen: Jährlich werden circa 400.000 Gebäude verkauft, 2,1 Millionen Gebäude werden neu vermietet, davon 1,1 Millionen Gebäude mit drei und mehr Wohnungen, 160.000 Gebäude werden neu gebaut. Für normale Wohngebäude gibt es laut Studie keine Engpässe, wohl aber für Gebäude mit besonderer technischer Ausstattung, zum Beispiel Büro- und Fabrikgebäude.

letzte Änderung: 05.11.2018