Jäger der günstigen Tarife
Vom Teilchenphysiker zum Energieberater: Hermann Michael Hell bereichert den Verein seit den Achtzigerjahren mit Leidenschaft und Kompetenz.
Von Kathinka Burkhardt
(10. August 2026) Als Physiker weiß Hermann Michael Hell, wie er komplexe Zusammenhänge in nachvollziehbare Erkenntnisse auflöst. »Ich habe mich in meinem Leben vom Elementarteilchenjäger zum Kilowattstunden-Jäger gewandelt«, sagt der Energieberater aus Seester in Schleswig-Holstein. Schon seit 1988 berät er am Energietelefon Mitglieder des Bunds der Energieverbraucher, aber auch bei der Verbraucherzentrale. Er hat viele Problemstellungen rund ums Energiesparen und um die Gebäudeeffizienz im Laufe der Zeit bearbeitet. »Manche Fragen kann man schnell beantworten, aber manche Probleme benötigen Zeit und eine intensivere Recherche.«
Hermann Michael Hell berät Anrufer am Energietelefon des Vereins zu allgemeinen Energiefragen, Heizung und Dämmung. Zu erreichen ist
er montags von 20 bis 21 Uhr unter 02224.12312-44.
Den Weg zur Physik fand Hell über seine Schwester. Auf einem Bauernhof aufgewachsen, war sie die erste im Dorf, die das Gymnasium besuchen durfte und dann ein Physik-Studium begann – wie der elf Jahre jüngere Hell später auch. Auf dem Obsthof der Familie hatte er etwas gelernt, das ihn für sein Denken als Naturwissenschaftler und seine Arbeit als Energieberater prägen sollte: effiziente Kreislaufwirtschaft. Alles wurde so weit wie möglich weiter- und wiederverwendet. »Wir mussten für den Winter nur wenig Koks hinzukaufen, weil das beim Bäumebeschneiden anfallende Astwerk fürs Heizen verwendet wurde.«
Das Studium weckte in Hell eine Faszination für die Halbleiterphysik, deren Anwendungen heute die Energielandschaft prägen. Der Schritt in den Beruf des Energieberaters ist eine logische Folge. Als er sich 1980 selbstständig machte, nahm er an Treffen einer Gruppe von Energieexperten teil und traf darüber auch Vereinsgründer Aribert Peters. Hell war schnell von der Idee des Bundes der Energieverbraucher überzeugt und wurde Mitglied. Der Energieberater kennt die Realität und die Problemstellungen von Hausbesitzern gut. Sein Engagement im Verein, in der Verbraucherzentrale und bei vielen Vorträgen brachte ihn mit der politischen Diskussion rund um Energieeffizienz und -wende in Berührung. Als Experte war er unter anderem für das Bundeswirtschaftsministerium beim Pilotprojekt »Energiesparberatung vor Ort« beteiligt.
»Wir haben den Grundstein dafür gelegt, wie man Verbraucher mit Hausbesuchen und umfangreichen Berichten sinnvoll beraten kann«, sagt Hell. Noch heute läuft das Programm als »Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude (EBW)«. Auch an der Heizkostenverordnung war der heute 81-Jährige beteiligt. Sie sieht ein Kürzungsrecht von 15 Prozent für Mieter vor, wenn die Heiz- und Warmwasserkosten nicht zu einem Anteil zwischen 50 und 70 Prozent nach Verbrauch abgerechnet werden.
Viele Haushalte und öffentliche Träger sind heute bei Effizienz und Energiethemen schon weit. Dennoch spürt Hell einen anhaltenden Beratungsbedarf. »Wir müssen die Verbraucher mitnehmen und mit ihnen zusammen einen auf die jeweilige Situation angepassten Weg durch den Informationsdschungel finden. Das gilt besonders heute in einer Phase der politischen Energie-Kehrtwende in manchen Bereichen und der damit verbundenen Verunsicherung.«
