Nebulöses Geschäft
Was Strom an Ladesäulen kostet, erschließt sich nicht immer auf Anhieb. Was Sie wissen müssen, damit es nicht unnötig teuer wird.
Von Nils Husmann
(17. August 2026) Wer auf eine Tankstelle zufährt, sieht, was er für den Liter Benzin oder Diesel zahlen wird. Wer unterwegs sein Elektroauto lädt, erfährt den Preis mitunter erst an der Ladesäule. Wie finden Sie sich im Preisdschungel zurecht? Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Ladesäulen an einer Raststätte: Im Vergleich zu Verbrennern kommen E-Autofahrer günstiger weg – zumindest, wenn sie ein paar Tipps beachten.
Was kostet das Laden an öffentlichen Säulen?
Das ist ebenso wie an Tankstellen unterschiedlich. Es ist günstiger, an AC-Säulen mit einer Leistung von maximal 22 Kilowatt zu laden. Davon gibt es in Deutschland mehr als 151.000. Die Kilowattstunde Strom ist vielerorts ab 38 Cent zu haben – vorausgesetzt, Sie nutzen eine entsprechende App oder Ladekarte (dazu gleich mehr). Die Ladeleistung beträgt meist 11 oder 22 Kilowatt. Entsprechend fließen pro Stunde höchstens 11 beziehungsweise 22 Kilowattstunden in den Akku, es dauert also, bis der Akku voll ist. Wer zügig längere Strecken zurücklegen möchte, steuert besser Schnelllader an. Davon gibt es mehr als 52.000 in Deutschland. An ihnen fließt Gleichstrom (DC). Das geht schneller, kostet aber mehr: je nach Anbieter und Vertrag laut ADAC zwischen 39 und 89 Cent für eine Kilowattstunde.
Wie kommt der Preisunterschied an Schnellladesäulen zustande?
Die Faustregel lautet: Wer einen Vertrag mit einem Ladesäulenbetreiber hat, zahlt weniger als Kunden, die ad hoc laden – also ohne Vertrag. Ad-hoc-Preise an der Autobahn sind laut einer ADAC-Untersuchung von 2025 bis zu 60 Prozent teurer (→ siehe Tarifsuche). Es lohnt sich also, sich vor langen Fahrten einen Überblick zu verschaffen, wer Schnellladestationen entlang der Strecke betreibt und wer welche Tarife anbietet. Häufig vertreten sind zum Beispiel EnBW, Tesla, Aral Pulse, Ionity, Shell oder EWE Go. Das heißt aber nicht, dass Sie etwa eine EnBW-Station nur nutzen können, wenn Sie EnBW-Kunde sind. Das Roaming macht es möglich.
Was ist Roaming – und verteuert es das Laden?
Roaming bedeutet: Sie benutzen Ihre Ladekarte oder App an der Ladesäule eines anderen Betreibers. Dann wird es meist teurer. Ein Beispiel: An Schnellladestationen von Ionity – häufig an Autobahnen vertreten – zahlen Sie als Kunde von Aral Pulse 79 Cent pro Kilowattstunde, mit einem Abonnement von Ionity Power dagegen nur 39 Cent. Allerdings ist der Ionity-Power-Tarif an ein Abo gebunden, die monatliche Grundgebühr beträgt 11,99 Euro. Ähnliche Abo-Modelle gibt es bei EnBW, Aral Pulse und weiteren Anbietern. Wenn klar ist, wie weit Sie reisen möchten, können Sie vor Abfahrt ausrechnen, ab wie vielen Ladungen Sie die Grundgebühr eines bestimmten Anbieters wieder eingespart haben.
Brauche ich also zig Apps, Abos und Karten?
Wer nicht zu Hause laden kann, fährt gut mit Abos der lokalen Energieversorger. Zusätzlich können Sie – für längere Strecken – aus Abos überregionaler Anbieter wählen. Der ADAC und das Vergleichsportal Verivox bieten aktuelle Informationen zu Anbietern und Kosten. Wer auf längeren Strecken bereit ist, auch abseits der Autobahnen zu laden, hat die Chance auf gute Ad-hoc-Tarife. Tipp: Auch auf den Parkplätzen von Supermärkten und Discountern gibt es Ladestationen. Roaming-Netzwerke wie Octopus Electroverse versprechen eine App oder Karte, die an vielen Partnerstationen akzeptiert wird, im In- und Ausland.
Wie finde ich gute Tarife für (Lang-)Strecken?
Viele Navigationsgeräte helfen bei der Planung. Wollen Sie sich nicht darauf verlassen, können Sie Apps auf Ihrem Smartphone nutzen, etwa ABRP, »A Better Routeplanner«. Dort geben Sie an, mit welchem Automodell Sie unterwegs sind. Die App schlägt Ihnen anhand von Akkugröße, erwartetem Verbrauch und Wetter Ladestopps vor. Mit einem Klick sehen Sie die aktuellen Tarife an den vorgesehenen Stationen – mit und ohne Ladekarte. So können Sie auch weit vor Ihrer Reise abschätzen, welche Abos für Sie sinnvoll sind. Die »Move Electric Ad-Hoc Map« zeigt mit Hilfe einer App auf einer Karte Schnelllader an, an denen Sie ad hoc und ohne Registrierung für weniger als 50 Cent laden.
Welche Kosten lauern neben dem Strompreis?
Dazu zählen monatliche Grundgebühren einiger Tarife; viele Anbieter haben aber eine monatliche Kündigungsfrist. Das macht es leichter, entsprechende Tarife nur für lange Fahrten zu nutzen. Unterwegs sollten Sie nie riskieren, dass Sie die Ladesäule blockieren, wenn Ihr Auto schon wieder geladen ist. EnBW etwa erhebt eine Blockiergebühr von 10 Cent pro Minute, höchstens jedoch 12 Euro. EWE Go berechnet an eigenen Stationen keine Standgebühr, wohl aber an Partnerstationen, die Sie mit der EWE-Go-App im Roaming nutzen. Sollten Sie unterwegs einen Ad-hoc-Tarif nutzen, also ohne Ladekarte an einer Strom tanken wollen, wird Ihnen an manchen Ladepunkten auch eine einmalige Ladegebühr berechnet, oft aber nur im Cent- oder einstelligen Eurobereich.
Wie bezahle ich an der Säule?
Wenn Sie mit Ladekarten oder Apps arbeiten, legen Sie die Zahlungsweise meist bei der Registrierung fest. Sie können etwa Ihre Kreditkartennummer hinterlegen, auch Lastschriftverfahren sind üblich. Manche E-Autos unterstützen auch die Autocharge/Plug&Charge-Funktion: Die Ladesäule erkennt Ihr Fahrzeug, Sie fahren vor, laden – fertig. Prüfen Sie, ob Ihr Fahrzeug Autocharge beziehungsweise Plug & Charge unterstützt. Und an einer vorherigen Registrierung bei den Betreibern von Ladestationen führt ebenfalls kein Weg vorbei. Sie laden ad-hoc und ohne Vertragsbindung? Dann kann es sein, dass Sie an der Ladestation eine SMS anfordern müssen und einen Code erhalten. Die Kosten fürs Laden werden dann auf Ihrer Handyrechnung ausgewiesen. 2024 hat die EU festgelegt: Wer an Schnellladern ad-hoc lädt, muss mit gängigen Debit- oder Kreditkarten zahlen können.
Kann ich von schwankenden Strompreisen profitieren?
Shell bietet an 1600 Ladestationen Preise an, die sich an der Strombörse orientieren. Das kann für Shell-Kunden einige Cent an Ersparnis ausmachen, wenn der Strom gerade günstig ist. Tesla bietet an seinen Stationen (die nicht nur für Teslas vorgesehen sind) zu Nebenzeiten günstigere Tarife etwas später am Abend.
Fazit
Wer nicht zu Hause laden kann, fährt häufig gut mit einem regionalen Tarif. Für Urlaubs- und Langstreckenfahrten können sich zusätzlich ein oder mehrere Schnelllade-Abos lohnen. Falls es eine monatliche Grundgebühr gibt: kündigen nicht vergessen! Und machen Sie sich nicht zu viel Stress. Wer auf 1000 Kilometer drei Euro beim Laden spart, dafür aber eine Stunde lang nach den günstigsten Tarifen gesucht oder sogar weite Umwege in Kauf genommen hat, hatte einen schlechten Stundenlohn. Aufwand und Nutzen sollten sich die Waage halten.
Hinweis
Alle Vertrags- und Preisangaben galten zum Redaktionsschluss Mitte Juni; sie sind dynamisch und können sich verändert haben.
