Die Klima-Anwältin

Die Juristin Katharina Baudisch streitet aus Überzeugung für den Verbraucher- und Klimaschutz – künftig auch im Bund der Energieverbraucher.
Von Kathinka Burkhardt

(27. April 2026) Man drückt den Schalter und das Licht geht an: Für die meisten ist elektrisches Licht das Gewöhnlichste der Welt. Auch Katharina Baudisch hat sich früher keine Gedanken gemacht, wie die Energie in die Leitung kommt. »Aber eigentlich ist es ein sehr komplexes System, das für Licht und Wärme zu Hause sorgt«, sagt die Berliner Anwältin für Energie-, Klima- und Umweltrecht.

Baudisch kennt dieses System: Seit acht Jahren beschäftigt sie sich mit der Regulatorik der Energiewende. In der Transformation der Energieversorgung sieht sie einen wichtigen Hebel, um die Gesellschaft nachhaltiger und gerechter zu gestalten.

 ED 01/2026 Die Klima-Anwältin (S.40) 

Katharina Baudisch berät Anrufer am Energietelefon des Vereins rechtlich zu Themen wie PV und Wärmeversorgung. Zu erreichen ist sie dienstags von 13 bis 14 Uhr unter 02224.12312-40.

Ihre Karriere begann in einer bekannten Kanzlei

Die heute 37-Jährige kam eher zufällig zur Energiewende. Nach dem Jurastudium in München  und dem Referendariat in Berlin fing sie bei Becker Büttner Held an, einer der größten Kanzleien für Energie- und Infrastrukturrecht. Das war ihr damals gar nicht bewusst. Aber sie fand Gefallen an Verträgen über Nahversorgungsmodelle oder den Bau von Solarparks.

Von ihrem Wissen sollen künftig auch Menschen profitieren, die sich bei Problemen mit Energieversorgern an den Bund der Energieverbraucher wenden: Baudisch wird sie als Expertin für Verbraucherfragen im Energiesektor beraten. »Ich bin dankbar, dass ich jeden Tag einer Arbeit nachgehen kann, die dem Klimaschutz und der Energiewende dient«, sagt sie. »Jetzt möchte ich etwas zurückgeben.«

Seit einigen Jahren ist die Juristin selbstständig. Anfangs hatte sie Zweifel, ob sie als Einzelkämpferin bestehen würde. Doch mit der Ampelkoalition setzte 2021 eine neue Dynamik ein, von der Baudischs junge Kanzlei profitierte. Viele Projektentwickler, die Solarparks, Großbatterien oder Quartiersversorgungen planten, suchten Beratung. 

Die meisten Mandanten sind Firmen, die mit der Transformation der Energieversorgung befasst sind. Hinzu kommen Quartiersentwickler, Wohnungsunternehmen oder Eigentümergemeinschaften, die Gebäudezüge oder einzelne Immobilien klimafreundlich versorgen wollen – möglichst autark mit Wärmepumpen und PV.

Aus ihrer Arbeit weiß Baudisch, wo die Rechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern liegen. Der Markt der Wärmeversorgung leidet ihrer Ansicht nach unter mangelnder Transparenz: Vermieterinnen und Vermieter schließen einen Vertrag über die Lieferung von Wärme – die Kosten tragen aber über die Heizkostenabrechnung Mieterinnen und Mieter, die auf diese Verträge keinen Einfluss haben, sie oftmals nicht einmal kennen. »Ich freue mich, wenn ich dem einen oder anderen dabei helfen kann, seine Rechte durchzusetzen

In der Hotline freut sich Katharina Baudisch auf Menschen, die etwa mit PV-Anlagen oder Wärmepumpen auf ihren Häusern ihren Teil zur Energiewende leisten wollen und dabei rechtliche Unterstützung benötigen. Sei es in der Auseinandersetzung mit dem örtlich zuständigen Netzbetreiber oder mit dem vorherigen Wärmelieferanten. »Es ist wichtig, die Menschen in solchen Themen zu unterstützen. Wir müssen die Menschen bei der Energiewende mitnehmen, sonst wird sie scheitern.«

letzte Änderung: 24.04.2026