Mehrparteienhäuser

Mehrparteienhäuser: Ein Zähler für alle: Sparpotenzial für Hausgemeinschaften

PV-Anlagen auf Mehrparteienhäusern sind selten – zu teuer, zu komplex. Doch es gibt eine clevere Lösung
Von Aribert Peters.

(6. Juli 2026) Nur 0,3 Prozent der Mehrfamilienhäuser nutzen bislang eine Photovoltaikanlage. Dabei wäre das Potenzial enorm. Der Hauptgrund für die Zurückhaltung: Abrechnungsmodelle wie Mieterstrom oder gemeinschaftliche Gebäudeversorgung sind komplex, teuer und auf externe Dienstleister angewiesen. Das schreckt ab, selbst dann, wenn das Interesse grundsätzlich vorhanden ist.

 ED 02/2026 Ein Zähler für alle: Sparpotenzial für Hausgemeinschaften (S.6) 

Wärme aus der Weser: Früher lief hier Müsli vom Band, jetzt entstehen 600 Wohnungen auf dem Bremer Kellogg's-Areal – beheizt per Großwärmepumpe. Als Energiequelle dient dabei die Weser. Aquathermie nennt sich das, eine Technologie mit viel Potenzial. Bundesweit sind 50 solcher Projekte in Planung.

Das Einzählermodell geht einen anderen Weg. Sein Kern ist denkbar schlicht: Alle Einzelzähler der Wohnungen eines Mehrparteienhauses werden durch einen einzigen Summenzähler ersetzt. Gegenüber dem Netzbetreiber und dem Energielieferanten tritt die Hausgemeinschaft als ein einziger Kunde auf, ähnlich einem Einfamilienhaus. 

Damit fällt die Grundgebühr nur einmal an statt für jede Wohnung separat. Für die interne Abrechnung nutzt jede Einheit einen privaten Unterzähler; der individuelle Verbrauch lässt sich so fair über die Nebenkostenabrechnung aufteilen. Eine gemeinsam gebaute Photovoltaikanlage speist ihren Strom direkt in dieses Hausnetz ein und reduziert den Strombezug vom Versorger. Was die Anlage nicht deckt, kauft die Gemeinschaft gemeinsam ein – zu einem Tarif statt zu vielen. Wollen einzelne Parteien nicht mitmachen, bekommen sie einen Unterzähler, der dem Versorger gemeldet und von ihm abgerechnet wird.

Wie es in der Praxis aussieht

Dass das Modell funktioniert, zeigt ein Beispiel in Böblingen: Die Wohneigentümergemeinschaft Herrschaftsgarten installierte 2023 eine PV-Anlage (24,6 Kilowatt Spitze). Die Investition von 36.200 Euro wurde per Sonderumlage finanziert, 2800 Euro im Schnitt pro Wohnung. Elf von dreizehn Einheiten profitieren direkt, der Eigenverbrauchsanteil liegt auch ohne Speicher bei 50 Prozent. Nach zehn Jahren hat sich die Anlage amortisiert.

Beratung für solche Projekte bietet die Initiative PV4WEGs aus Herrenberg. Die Gruppe pensionierter Physiker, Elektroingenieure und Energieberater begleitet Eigentümergemeinschaften ehrenamtlich und kostenlos, mit Leitfäden, Videos und einem Wirtschaftlichkeitsrechner.

Beratung

Die Initiative PV4WEGs begleitet Eigentümergemeinschaften beim Einstieg ins Einzählermodell, mit Leitfäden, Videos und einem Wirtschaftlichkeitsrechner. Alle Materialien sind frei zugänglich unter pv4wegs.de.

letzte Änderung: 03.07.2026