Geringverdiener brauchen mehr als warme Worte
Die Wärmewende kostet Milliarden. Wer wenig verdient, trägt oft die größte Last. Eine neue Studie zeigt: Ohne gezielte Hilfe bleiben Mieter und Kleinvermieter auf der Strecke.
Von Svenja Fleig
(2. November 2026) Die Wärmewende in Deutschland ist teuer, aber machbar – vorausgesetzt allerdings, dass Mieter mit geringen Einkommen, Rentner in unsanierten Häusern, private Vermieter und Kommunen besser unterstützt werden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Öko-Instituts für die Stiftung Klimaneutralität. Sie schlüsselt auf, wie sich die Kosten der Wärmewende auf verschiedene Haushaltsgruppen verteilen und wen sie überfordern.
Damit die Klimaziele für den Gebäudesektor erreicht werden, müssen demnach rund 1,17 Billionen Euro in Wohngebäude und 639 Milliarden Euro in unbewohnte Gebäude wie Büros, Ladengeschäfte oder Schulen investiert werden. Umgerechnet sind das 86 Milliarden Euro pro Jahr. Volkswirtschaftlich wäre das zu leisten, sagt Thomas Losse-Müller, Direktor der Stiftung Klimaneutralität. Die Hälfte falle ohnehin für Instandhaltung wie neue Dächer, Fenster oder Fassaden an, unabhängig vom Klimaschutz. Das Problem sei die Verteilung der Kosten.
Dabei hebt die Studie besonders zwei Gruppen hervor. Die fast neun Millionen Haushalte, die zur Miete in einem Mehrfamilienhaus wohnen und monatlich weniger als 2000 Euro ausgeben können. Und die 1,6 Millionen Hausbesitzer, die in ihrem eigenen Einfamilienhaus wohnen und genauso wenig Nettoeinkommen haben. Beide schaffen den Umstieg von fossilen auf erneuerbare Heizträger laut der Studie nicht aus eigener Kraft. »Wer wenig Einkommen hat, wohnt überdurchschnittlich oft in Gebäuden von vor 1979, heizt häufiger mit Gas oder Öl und trägt im Verhältnis zum Einkommen die höchste Investitionslast«, sagt Studienautor Malte Bei der Wieden.
Kommunen tragen Mitverantwortung. Auch bei ihnen fehlt oft das Geld
Handlungsbedarf sehen die Studienautoren auch bei Kommunen. Etwa die Hälfte der notwendigen Investitionen in Nichtwohngebäude wie Schulen, Sporthallen, Büros oder Ladengeschäfte entfällt auf die öffentliche Hand. Die Sanierungsrate ist gering, dabei sind solche Immobilien für ein Drittel der Emissionen im Gebäudesektor verantwortlich.
Vor dem Hintergrund fordert die Stiftung Klimaneutralität, Kommunen aber auch private Kleinvermieter bei der Wärmewende besser zu unterstützen. Wärme müsse stärker als Daseinsvorsorge, als öffentliche Dienstleistung gedacht werden. Für Mieter sei die Bezahlbarkeit von Fernwärme künftig zentral. Für Hausbesitzer müsse die staatliche Förderung verstetigt und zielgerichteter werden. Die stärkere soziale Staffelung in der überarbeiteten BEG-Förderung sei ein richtiger Schritt gewesen, sagt Losse-Müller. Wer aber gar nicht erst in Vorleistung gehen könne, den erreichen die bisherigen Instrumente nicht. »Da brauchen wir andere Lösungen.« Stadtwerke, die Wärmepumpen zum Mietkauf anbieten oder der gemeinschaftliche Kauf und Betrieb von Wärmepumpen, könnten Ansätze sein, sagt Losse-Müller. »Es gibt schon gute Beispiele.«
Die Richtung stimmt: Seit 1990 sind die Emissionen um die Hälfte gesunken.
Optimistisch stimmt dabei, dass die Wärmewende Fahrt aufnimmt. Das geht aus dem Gebäudereport der Deutschen Energie-Agentur (dena) hervor. Demnach sanken die Emissionen des Gebäudesektors seit 1990 um die Hälfte. 2025 wurden erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft.
Und auch die kommunale Wärmeplanung kommt voran. Ende März hatten nach Zahlen des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende rund 56 Prozent der Kommunen mit über 100.000 Einwohnern die Planung abgeschlossen. 84 Prozent der mittelgroßen Städte und Gemeinden hatten zumindest damit begonnen. Gleichzeitig bleibt die Sanierung eine große Aufgabe. 60 Prozent der Wohngebäude in Deutschland sind vor 1979 gebaut worden – nach niedrigen energetischen Standards.