Wanddämmung
Serielles Sanieren: Mehr Klimaschutz fürs Geld
(12. Oktober 2026) Wer sein Haus modernisieren will, sollte laut einer neuen Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) auf serielle Sanierung setzen: Vorgefertigte Fassaden-, Dach- und Technikmodule werden schnell montiert. Untersucht wurde ein viergeschossiges Mehrfamilienhaus aus den Sechzigerjahren, das typisch ist für den sanierungsbedürftigen Bestand hierzulande.
Das Ergebnis: Eine klassische Sanierung mit Wärmedämmverbund senkt Emissionen über den Lebenszyklus um rund 74 Prozent, serielle Sanierung um 79 Prozent. Mit recycelten und nachwachsenden Baustoffen sind sogar 81 Prozent möglich – rund 3000 Tonnen CO2 weniger pro Gebäude. Der Grund für den Vorteil serieller Sanierungen liegt in niedrigeren Emissionen bei der Herstellung der Baustoffe, besserer Dämmung und biobasierten Materialien. Mehremissionen durch neue Baustoffe amortisieren sich laut Studie rasch durch geringeren Energieverbrauch. Für Verbraucher heißt das: Serielle Sanierung kann Klima und Geldbeutel schonen.
Sanieren wie am Fließband
Rund 75 % der 21 Millionen deutschen Gebäude sind unzureichend isoliert und ineffizient. Bis 2045 müssen täglich 2.000 Gebäude saniert werden. Das niederländische Energiesprong-Prinzip, das digitale und industrielle Techniken nutzt, könnte durch Serienfertigung die Sanierungsdauer drastisch verkürzen.
Von Ariane Steffen
(30. August 2024) Deutschland steckt im Sanierungsstau: Rund drei Viertel der 21 Millionen deutschen Gebäude sind entweder gar nicht oder nur unzureichend gedämmt, werden mit Gas oder Öl beheizt und verbrauchen bis zu fünfmal mehr Energie, als heutzutage technisch möglich wäre. Um die Klimaziele bis 2045 zu erreichen, müssen rein rechnerisch rund 2.000 Gebäude pro Tag energetisch modernisiert werden.
Mit herkömmlichen Verfahren ist diese Mammutaufgabe nicht zu schaffen. Zumal die dafür nötigen Fachkräfte fehlen. Sanieren muss somit völlig neu gedacht und komplett anders organisiert werden – digitaler, automatisierter, standardisierter. Serielles Sanieren nach dem Energiesprong-Prinzip ermöglicht es, mit weniger Fachkräften mehr Bestandsgebäude in kürzerer Zeit fit für die klimaneutrale Zukunft zu machen.
Was bedeutet serielles Sanieren?
Energiesprong ist ein in den Niederlanden entwickeltes innovatives Konzept zur seriellen Sanierung, das digitale Planung mit industrieller Präfabrikation und standardisierten Prozessen kombiniert. Während bei der konventionellen Sanierung rund 90 Prozent der Arbeiten manuell und kleinteilig auf der Baustelle erfolgen, verlagert die serielle Sanierung einen Großteil der Arbeiten ins Werk. Die dort vorgefertigten Fassaden-, Dach- und Technikmodule werden auf der Baustelle nur noch montiert. Dadurch verkürzt sich die Bauzeit von mehreren Monaten auf wenige Wochen. Serielles Sanieren nach dem Energiesprong-Prinzip zeichnet sich durch folgende Vorteile aus:
- Einfach: Komplettsanierung aus einer Hand
- Schnell: Kurze Bauzeit, optimierte Planung
- Bezahlbar: Energieeinsparungen von bis zu 90 Prozent sowie weitere Kostensenkungspotenziale
- Gut: Planungssicherheit, gleichbleibend hohe Qualitätsstandards, ansprechende Optik
Wie funktioniert eine Energiesprong-Sanierung?
Die millimetergenaue Vermessung der zu sanierenden Gebäude per 3D-Laserscan und Drohnentechnik bildet den Startpunkt jedes Energiesprong-Projekts. Aus den verdichteten Messdaten wird ein BIM-Modell generiert. Dieser „digitale Zwilling“ ist die Planungsgrundlage für die Produktentwicklung und Vorfertigung der Dach-, Fassaden- und Technikmodule. Die Fassadenelemente werden inklusive Dämmung, Fenstern, Lüftung, Leerrohren und gewünschter Oberfläche im Werk passgenau in gleichbleibend hoher Qualität vorgefertigt. Im Anschluss werden die maßgeschneiderten Elemente per Tieflader zur Baustelle transportiert und am Gebäude montiert. Ebenfalls vorgefertigt sind Haustechnik-Module, die vor Ort nur noch angeschlossen werden. Auch in die Fassadenelemente integrierte TGA-Lösungen sind möglich. Energiesprong-Sanierungen lassen sich in den meisten Fällen in bewohntem Zustand durchführen.
Eine in der Fabrik vorgefertigte Fassade wird einschließlich aller Leitungen und Anschlüsse vor die vorhandene Fassade montiert.
Welche Gebäude eignen sich für die Energiesprong-Sanierung?
Optimal geeignet für eine serielle Sanierung sind Gebäude aus den 50er- bis 70er-Jahren mit einfacher Kubatur und hohem Energieverbrauch. Im Mehrfamilienhausbereich entsprechen rund 500.000 Gebäude mit 3 Millionen Wohnungen diesen Kriterien. Allein im optimal geeigneten Segment liegt das Sanierungsvolumen bei mehr als 100 Milliarden Euro. Bei schnellem Markthochlauf könnten hier bis 2045 mindestens 25 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.
Nach Schätzungen der Deutschen Energie-Agentur (Dena) sind zudem rund 4 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser grundsätzlich für eine serielle Sanierung geeignet. Bei Nichtwohngebäuden liegt der Fokus derzeit auf öffentlichen Gebäuden wie zum Beispiel Schulen oder Verwaltungsgebäuden.
Wie werden die Sanierungskosten refinanziert?
Bei der seriellen Sanierung nach dem Energiesprong-Prinzip werden die Sanierungsinvestitionen größtenteils über eingesparte Energie- und Instandhaltungskosten refinanziert. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Net-Zero-Standard. Nach der Sanierung erzeugen die Gebäude (durch Photovoltaik auf dem Dach und gegebenenfalls Teilen der Fassade) im Jahresdurchschnitt so viel erneuerbare Energie, wie die Bewohnerinnen und Bewohner für Heizung, Warmwasser und Strom benötigen.
Im Idealfall wird die Modernisierungsumlage durch hohe Energieeinsparungen von bis zu 90 Prozent und dauerhaft günstigen, selbst erzeugten Mieterstrom kompensiert. Damit eröffnen sich neue Perspektiven für die klima- und sozialverträgliche Bestandssanierung. Hinzu kommen weitere kostensenkende Faktoren wie eine schnellere Umsetzung, Planungssicherheit, höhere Qualität und eingesparte CO2-Kosten. Perspektivisch werden die Kosten für serielle Sanierungslösungen durch Digitalisierung, Prozessoptimierung, Automatisierung und Skaleneffekte weiter sinken.
Wie wird serielles Sanieren gefördert?
Wie bei allen Innovationen sind die Kosten serieller Sanierungslösungen im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren derzeit noch höher. Diese Wirtschaftlichkeitslücke wird durch den 15-prozentigen Bonus im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) geschlossen. Damit sind serielle Sanierungslösungen bei deutlich schnellerer Umsetzung bereits heute auf dem Kostenniveau konventioneller energetischer Modernisierungen.
Die Förderung besteht aus zinsvergünstigten Krediten von bis zu 150.000 Euro pro Wohneinheit, die 1 bis 2 Prozentpunkte unter den marktüblichen Zinskonditionen liegen. Hinzu kommen Tilgungszuschüsse, die sich im günstigsten Fall auf 45 Prozent summieren können, was einer Förderung von 67.000 Euro pro Wohneinheit entspricht. Damit hat das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) die Weichen für eine breite serielle Sanierungswelle gestellt.
Ariane Steffen arbeitet als Kommunikationsexpertin Innovation & Transformation bei der Deutschen Energie-Agentur GmbH (Dena). Im Team Serielles Sanieren ist sie für die Bereiche Pilotkommunikation, Presse und Publikationen zuständig.
Was ist die Rolle der Dena?
Im Auftrag des BMWK treibt die Dena die Marktentwicklung serieller Sanierungslösungen in Deutschland aktiv voran. Ihr Energiesprong-Team ist zentraler Anlaufpunkt zu allen Fragestellungen rund um das serielle Sanieren. Die Beratungsleistungen reichen von der Gebäudeauswahl, Konzeptentwicklung und Fördermittelberatung bis zu Portfolioanalysen, Pilotprojekten und Produktentwicklungen. Darüber hinaus engagiert sich die Dena für optimale politische und finanzielle Rahmenbedingungen. Regelmäßige Kick-off-Workshops, Fördertalks, Exkursionen zu seriellen Sanierungsprojekten und Networking Events vervollständigen das kostenlose Angebot.
Wie weit ist die Marktentwicklung in Deutschland?
Nach erfolgreicher Pilotphase im Mehrfamilienhausbereich wird das Know-how nun auf ganze Portfolios, komplexere und höhergeschossige Gebäude, Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Nichtwohngebäude übertragen. Die Ausweitung auf weitere Gebäudetypen spiegelt sich in steigenden Zahlen wider: 59 serielle Sanierungsprojekte wurden 2023 fertiggestellt (2022: 4), 28 sind im Bau (2022: 9), 175 weitere befinden sich in unterschiedlichen Planungs- und Vorbereitungsphasen (2022: 51).
Erste Wohnungsunternehmen wie die Gewobau Erlangen sanieren ganze Quartiere mit mehreren Tausend Wohneinheiten seriell. Weitere Wohnungskonzerne sind dabei, die in den Pilotprojekten gewonnenen Erkenntnisse sukzessive auf die Sanierung größerer Bestände zu übertragen. Parallel dazu erweitert die Bauwirtschaft ihre Kapazitäten. Große Player wie Saint-Gobain, Knauf, Sto, Vaillant, Vonovia und LEG sind in die serielle Sanierung eingestiegen und senden mit ihrem Engagement ein wichtiges Signal in den Markt.
Fazit
In den nächsten 21 Jahren muss ein enormes Sanierungsvolumen gestemmt werden. Um den Wettlauf gegen die Zeit zu gewinnen, braucht es innovative Lösungen, die mehr Tempo in die Bestandssanierung bringen. Serielles Sanieren nach dem Energiesprong-Prinzip hat das Potenzial, sich zum Treiber der klimaneutralen Transformation zu entwickeln. Komplettsanierungen lassen sich mit diesem Konzept schneller, einfacher und kostengünstiger auf breiter Ebene umsetzen.
Dämmen in Hohlräumen: Günstig, schnell, effektiv
(10. November 2023) In vielen Regionen Deutschlands besteht die Fassade von Altbauten bis zu einem Drittel aus doppelten Wänden, die zum Schutz vor Feuchtigkeit einen Hohlraum besitzen. Diese Hohlräume können zur Energieeinsparung genutzt werden, indem sie mit Dämmstoffen, etwa Perliten oder Polystyrolkügelchen, gefüllt werden. Unterstützung kommt vom Bafa, das solche Dämmmaßnahmen mit 20 % fördert.
Eine Studie hat das Potenzial der Einblasdämmung deutschlandweit untersucht. Das Ergebnis: ein jährliches Einsparpotenzial von 184 TWh und eine mögliche Reduktion der CO2Emissionen um 59 Millionen Tonnen – signifikant im Vergleich zu Deutschlands Gesamtemissionen von 750 Millionen Tonnen im Jahr 2021. Der Ansatz ist nicht nur effizient, sondern auch kostengünstig. Die Mehrkosten für die Einblasdämmung amortisieren sich innerhalb eines Jahrzehnts und die Wohnqualität bleibt während der Arbeiten weitgehend unbeeinträchtigt.
- Bafa-Förderung: bdev.de/fassadefoerd
- Technik der Einblasdämmung: bdev.de/drewerstudie
Bundesgerichtshof: Dämmung über Grundstücksgrenze
Von Louis-F. Stahl
(15. Juli 2022) Wenn ein bis an die Grundstücksgrenze gebautes Gebäude nachträglich mit einer Wärmedämmung ausgestattet werden soll, müssen Nachbarn einen begrenzten Überbau ihres Grundstückes grundsätzlich dulden. Zu diesem Ergebnis kam der Bundesgerichtshof nach einem jahrelangen Streit zweier Grundstückseigentümer. Das Amtsgericht Köln bejahte im Jahr 2019 gestützt auf § 23a des Nachbarrechtsgesetzes NRW einen Duldungsanspruch auf eine geringfügige Überbauung bis 25 Zentimeter über die Grundstücksgrenze hinweg (Az. 127 C 551/17). Das Landgericht Köln hob diese Entscheidung im Jahr 2020 unter Verweis darauf auf, dass ein derartiger Eingriff in das Eigentumsrecht durch ein Landesgesetz nicht zulässig sei (Az. 29 S 223/19). Dagegen ging der dämmwillige Hauseigentümer in Revision beim Bundesgerichtshof, der wiederum die Entscheidung des Landgerichts Köln aufhob (Az. V ZR 115/20).
Die Richter am BGH stellten fest, dass landesrechtliche Regelungen zum Überbau von Grundstücksgrenzen durch Wärmedämmungen grundsätzlich zulässig sind und zudem unter Bezugnahme auf Artikel 20a des Grundgesetzes die „Verminderung von Treibhausgasemissionen im allgemeinen Interesse“ liege. Die Dämmung von Gebäuden verschaffe nicht in erster Linie dem eine solche Dämmung installierenden Eigentümer einen privatnützigen Vorteil, sondern liege vielmehr im allgemeinen Interesse, so die Karlsruher Richter.
Gebäudedämmung im Unterricht
Wie können elementare Kenntnisse über thermodynamische Systeme mit einem für den Lernerfolg wichtigen Realitätsbezug modellhaft vermittelt werden, so dass Schüler mit praktischem Handlungswissen ausgestattet den Stellenwert guter Gebäudedämmung für den Klimaschutz verstehen?
Von Dr. Dirk Krämer
(8. Juli 2019) Angesichts der von unseren Kindern zu meisternden Folgen des Klimawandels müssen die Fakten über dessen Zusammenhänge zum zivilisatorischen Basiswissen und daher zum übergeordneten Lernziel allen Schulunterrichts werden. Besondere Verantwortung liegt in diesem Zusammenhang bei den Naturwissenschaften. Dort steht das Grundkonzept der ‚Energie‘ zwar bereits als zentraler – aber auch sehr abstrakter – Begriff im Lehrplan. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wie kann Schülern die Wärmelehre im Unterricht so anschaulich vermittelt werden, dass Motivation und das nötige Handlungswissen entstehen, um nachhaltig etwas zu bewirken? Beispielsweise die Fähigkeit, zu erklären und vorzurechnen, welche Einspareffekte eine Verbesserung der Gebäudehüllendämmung des eigenen Elternhauses hat.

Dr. Dirk Krämer ist promovierter Physiker und seit 20 Jahren als Physik- und Mathematiklehrer sowie Umweltbeauftragter an der Privatschule Schloss Hagerhof in Bad Honnef tätig. kraemer@hagerhof.de
Über die letzten Jahre habe ich als Physiklehrer dazu kleine Modellexperimente für meinen Unterricht erdacht und von meinen Schülern erfolgreich durchführen lassen; angefangen mit sehr einfachen Versuchen sowie darauf aufbauend mit komplizierteren Fragestellungen in der Mittelstufe bis hin zu physikalischen Berechnungen theoretischer Art in der Oberstufe. Gerne möchte ich meine Konzepte mit Ihnen teilen und andere Lehrer zur Adaption und Weiterentwicklung meiner Modellexperimente animieren.
Das Modellexperiment
Im Anfängerunterricht Physik in der 6. Klasse kann man damit beginnen, aus Kartonverpackungen kleine Modellhäuschen zu basteln sowie deren Eigenschaften bei einer Beheizung zu messen und zu dokumentieren.
Die Kartonhäuschen werden isoliert und mit einer Heizung versehen.
In einem zweiten Schritt wird das Modell durch kleine Umbauten in ein Niedrigenergiehäuschen verwandelt. Eine Wiederholung der Temperaturmessungen am veränderten Modell und die vergleichende Analyse eröffnet den Schülerinnen und Schülern den Nutzen und die Sinnhaftigkeit von Energiesparmaßnahmen.
Ungedämmtes Gebäude
Zunächst wird das Modell eines schlecht isolierten Hauses mit einem Fenster aus Folie erstellt. Ein mit 80 °C heißem Wasser gefülltes Filmdöschen dient als Heizung, und schon kann die Erwärmung des Modells gemessen werden. Typische Temperaturverläufe zeigen innerhalb weniger Minuten eine um 5 bis 10 °C über der Klassenraumtemperatur liegende Innenraumtemperatur des Modells. Doch dieses kühlt rasch wieder ab.
Das Heizungswasser wird mit einem Spiritusbrenner als Kesselersatz auf 80 °C erhitzt.
Im Maximum der Erwärmung sind die Kinder aufgefordert, mit ihren Händen die Dachflächen zu berühren: Sie stellen dabei fest, dass man die Erwärmung der Häuschen durch die Pappe gut spüren kann und somit die Wärme durch die dünnen Wände entweicht.
Erste Dämmmaßnahmen
Um die Auswirkung einer energetischen Sanierung zu messen, wird das Papphäuschen isoliert: Dazu werden die Dachflächen, der Fußboden und die Wände mit einer 3 mm dicken Isolierschicht beklebt. Diese Isolierschicht besteht aus einer handelsüblichen einseitig mit Aluminiumfolie überzogenen Styroporplatte. Die Bedeutung der Aluminiumfolie für die Reflexion der Wärmestrahlung und des Styropors zur Verringerung der Wärmeleitung sind im regulären Fachunterricht vor dem Experiment bereits thematisiert worden, so dass die Schülerinnen und Schüler den Sinn dieser Umbaumaßnahme durchschauen. Gleichzeitig wird die Fensteröffnung von innen mit einer zweiten Folie versehen, um dem Modell eine ‚Doppelverglasung‘ zu verschaffen.
Der Aha-Moment
Im dritten Teil des Projekts wird das nun veränderte Modellhäuschen erneut mit einer Warmwasser-Filmdose aufgeheizt und seine Temperaturkurve gemessen. Um eine bessere Vergleichbarkeit der beiden Messungen zu erzielen, werden die zweiten Daten mit den Daten des ersten Versuches in einem Diagramm überlagert. Den Schülern wird dabei sofort die Überlegenheit der grafischen Methode gegenüber dem Vergleich zweier Tabellen deutlich. Ein anderer Aspekt, der bei der zweiten Messung adressiert wird, ist die Frage nach dem ‚Verschwinden‘ der Wärmeenergie: Durch erneutes Anfassen stellen die Schüler fest, dass sich das innen wärmere Haus von außen kühler anfühlt. Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist, dass die Kinder die fertigen Modellhäuschen gerne mitnehmen, um sie stolz ihren Eltern zu zeigen. Durch die dabei zwangsläufig stattfindende Erklärung des Experimentes gegenüber den Eltern wird der Lerneffekt verstärkt.
Von den Schülern erstellte Temperaturkurven des ungedämmten und des isolierten Hauses.
Aufarbeitung im Unterricht
Neben den fertigen Modellhäuschen sind die augenfälligsten Resultate des Unterrichtsprojekts die Diagramme mit den beiden Heizkurven des normalen und des isolierten Häuschens. Deutlich zeigen sie den Erfolg der Wärmedämmung in Form einer höheren Maximaltemperatur und eines langsameren Abfallens der Temperatur. Die höhere Heizkurve bedeutet, dass dieses Haus bei gleicher Raumtemperatur mit geringerer Heizungsleistung auskommt. Reflexionen zum eigenen Verhalten beim Heizen und Lüften runden die Beschäftigung mit dem Thema ab. Gerade die Verknüpfung des Schulstoffs mit Bezügen aus der Alltagswelt dient der Erzeugung von Relevanz und der tieferen Verankerung im Wissensnetz der Heranwachsenden. Hinzu kommt ein nicht unbeträchtlicher Kenntnisgewinn in naturwissenschaftlichen experimentellen Methoden, sei es die Bedeutung und Übertragung von Modellbildungen auf die Wirklichkeit oder die Analyse von Messdaten anhand von Diagrammen.
Solartechnik im Modell
Sind die Schüler vom Experiment fasziniert, lassen sich die Modelle der Schüler in folgenden Unterrichtseinheiten zu einem Passivhaus erweitern, indem die Schüler es mit einem Sonnenkollektor ausstatten, der Wärmeenergie in das Innere leitet und so das Haus ganz ohne Heizung beheizt. Als Modell eines Sonnenkollektors findet eine Streichholzschachtel Verwendung, deren Boden aus einer schwarz bemalten Kupferfolie besteht und die von oben mit einer Plastikfolie gegen den Wärmeverlust beklebt wird. An der Stelle, an der dieser Kollektor sitzt, wird ein entsprechend großes Loch in das Dach geschnitten, so dass die erhitzte Folie ihre Wärme via Infrarotstrahlung in das Haus abgeben kann.
Mit Doppelverglasung und Solaranlage ausgerüstetes Energiesparhäuschen.
Vertiefung in der Mittelstufe
In der Mittelstufe bietet es sich an, das Experiment erneut aufzugreifen und zu vertiefen: Wird neben der Temperaturerhöhung auch die Wassertemperatur des Filmdöschens vor und nach der Aufheizphase gemessen, kann die an das Haus abgegebene Wärmemenge berechnet werden. Auch die Oberfläche des Modells ist einfach zu bestimmen. Mit diesen Daten ist es nach der folgenden Formel möglich, den U-Wert des Modells zu ermitteln, also den Wert, der angibt, wie viel Heizenergie pro Sekunde durch einen Quadratmeter Bauhülle entweicht, wenn es draußen 1 Grad kälter ist als drinnen:
u ≈ W / (t * A * (Tmax - T0))
Dabei ist W die abgegebene Wärmemenge in Joule, t die Heizzeit in Sekunden und A die Oberfläche des Häuschens in m2 und Tmax sowie T0 sind die Maximal- und die Starttemperatur. Dieses Vorgehen ergibt brauchbare Werte für u und hilft den Jugendlichen, die Bedeutung des U-Wertes verstehen zu können. Eine logische Ausweitung der Versuche ist die näherungsweise Bestimmung der U-Werte der Schulgebäudehülle mittels einer Faustformel, die in der Energiedepesche bereits vorgestellt wurde. Hierbei leistet auch die ausleihbare Wärmebildkamera vom Bund der Energieverbraucher gute Dienste.
Zur Nachahmung empfohlen!
Die Resultate dieser Messungen führen regelmäßig zu Engagement der Schülerinnen und Schüler sowohl bezüglich des Energieverbrauchs der Schule als auch, wie mir Eltern zurückmeldeten, hinsichtlich der Wärmedämmung zu Hause, und ist ein gutes Beispiel für einen gelungenen Transfer von Schulwissen zu pragmatischer Handlungskompetenz. Ich freue mich über Berichte Ihrer Umsetzung meiner Idee oder vergleichbarer Konzepte!
Die Effizienzlandkarte zeigt: Die Gebäudesanierung birgt das mit Abstand größte Energiesparpotenzial gefolgt von effizienteren Autos.
Gute Dämmung – ein Gewinn
Die Effizienzlandkarte zeigt: Die Gebäudesanierung birgt das mit Abstand größte Energiesparpotenzial gefolgt von effizienteren Autos. Unser Wärmebedarf ist der bedeutendste Energieverbrauchssektor. Eine gute Gebäudedämmung ist der Schlüssel zur Senkung unseres Wärmeenergiebedarfes.
Von Aribert Peters
(4. Mai 2019) Nach der neuen EU-Gebäudeeffizienzrichtlinie soll der Gebäudebestand in der EU bis zum Jahr 2050 dekarbonisiert sein, also ohne fossile Brennstoffe auskommen. Dabei ist es schon heute zu moderaten Mehrkosten möglich, in Neubauten völlig ohne Heizung auszukommen. Passivhäuser sind bereits Stand der Technik. In diesem Artikel geht es darum, wie bestehende Gebäude nachträglich besser gedämmt werden können.
Dämmung ist unumgänglich
Um das anspruchsvolle Dekarbonisierungsziel zu erreichen, ist eine radikale Absenkung der Heizenergieverbräuche im Gebäudebestand mit rund 21,5 Mio. Gebäuden und bei den Neubauten mit derzeit etwa 200.000 neuen Wohneinheiten pro Jahr erforderlich. Wärmeschutz ist die Voraussetzung für die erneuerbaren Energien in der Gebäudeheizung. Jede Kilowattstunde durch Wärmeschutz nicht mehr benötigter Wärme ist ein direkter und sicherer Beitrag zum Klimaschutz. Wählt man den richtigen Zeitpunkt, ist eine sehr gute Wärmedämmung auch für bestehende Gebäude wirtschaftlich und für den Investor dauerhaft gewinnbringend.
Es gibt eine Reihe guter Gründe für einen verbesserten Wärmeschutz von Gebäuden:
- Höhere Oberflächentemperaturen auf der Innenseite von Außenwänden und damit höhere Behaglichkeit
- Energieeinsparung, Ressourcenschonung
- Beitrag zum Klimaschutz
- Vermeidung von Bauschäden durch Feuchtigkeitsbildung auf der Innenseite von Außenwänden
- Verhinderung von Schimmelbildung und dadurch verursachte Bau- und Gesundheitsschäden
- Schutz vor sommerlicher Überhitzung
- Schutz der Baukonstruktion
- Wertsteigerung der Immobilie aufgrund geringerer Energiekosten
Nachrüstung ist effektiv!
Aus technischer Sicht ist eine 80-prozentige Senkung des Energieverbrauchs von Bestandsgebäuden machbar. Zu diesem Schluss kommt das Institut für Wohnen und Umwelt (IWU). Die Techniken sind bekannt und haben sich bewährt:
- Hochwirksamer Wärmeschutz von Dach, Wand (mit Dämmstärken zwischen 25 und 40 cm) und des Fußbodens
- Drei-Scheiben-Wärmeschutzverglasung mit gedämmten Fensterrahmen (Passivhausfenster)
- Rückgewinnung der Wärme aus der verbrauchten Luft mit Lüftungsanlagen
- Wärmeführende Leitungen und Speicher innerhalb der gedämmten Hülle.
Und dabei hat die Dämmung einen entscheidenden Vorteil gegenüber den anderen Techniken: Anders als bei Versorgungssystemen kann der Effizienzgewinn durch die Dämmung nämlich nicht durch Fehlbedienung, Nutzerverhalten oder den Ausfall von Regelsystemen geschmälert werden. Die Dämmung wirkt direkt ohne weiteren Aufwand und ohne Abnutzung des Materials.
Diese Punkte belegen auch aktuelle Untersuchungen und Handreichungen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung sowie des Umweltbundesamtes:
Wie gut ist die Dämmung?
Ist mein Haus bereits gut gedämmt oder lohnt es sich, über eine zusätzliche Dämmung nachzudenken? Einen ersten Überblick gewinnt man mit kostenlosen Rechenprogrammen im Internet, zum Beispiel bei CO2-Online.
Dort erfahren Sie auch, wie viel Energie Sie durch eine bessere Dämmung sparen können. Sie benötigen dafür nur wenige Angaben zum Gebäude und die letzte Abrechnung des Energieversorgers. Der entscheidende Vergleichswert ist dabei der Energieverbrauchskennwert, also der Energieverbrauch dividiert durch die Gebäudefläche. Hier reicht die Spanne vom Niedrighaus mit 3 Liter Heizöl pro Quadratmeter – also das sogenannte „Dreiliterhaus“ (30 kWh/qm) – bis zum zehnfachen Wert bei einem ungedämmten Altbau.
Den Check machen
Wer es genau wissen will, kann auf dem Internetportal „Energiesparkonto“ seine Verbräuche der Vergangenheit eingeben. Das Programm errechnet daraus den „bezogenen Transmissionswärmeverlust“ für das eigene Haus. Dieser Wert muss nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) für Neubauten je nach Gebäudetyp zwischen 0,4 und 0,65 liegen. Wem das zu kompliziert ist, kann für 30 Euro bei der Verbraucherzentrale einen Gebäudecheck machen lassen.
Mythen und Vorurteile
Immer noch bestimmen viele Fehlinformationen und Mythen die Diskussion um die Wärmedämmung. Dabei sind sich Experten und alle seriösen Forschungsinstitute einig in der positiven Bewertung von Wärmedämmung und Wärmedämmverbundsystemen.
- „Häuser müssen atmen können“
- „Wärmedämmung führt zu Schimmel“
- „Dämmstoffe schaden der Gesundheit“
- „Wärmedämmung wird zur Brandfalle“
- „Die Herstellung von Dämmstoffen verbraucht mehr Energie als diese einsparen“
- „Wärmedämmung wird zu einem großen Entsorgungsproblem“
- „Gedämmte Fassaden werden von Algen verfärbt und gefährden die Gesundheit“
- „Fassaden- oder Dachbegrünung können die Wärmedämmung ersetzen“
- „Dicke Wände alter Häuser dämmen schon genug“
- „Infrarot-reflektierende Farben und Materialien sind ausreichend“
- „Wärmedämmung verhindert die Sonneneinstrahlung auf das Mauerwerk und damit deren Beitrag zur Energieeinsparung“
- „Wärmeschutz ist teuer und rechnet sich nicht“
- „Wärmedämmung verunstaltet Gebäude“
Alle diese Mythen sind falsch und wurden in der Energiedepesche bereits ausführlich richtiggestellt.
Gute Aufklärungsarbeit leistet auch eine aktuelle Broschüre mit dem Titel „Über den Sinn von Wärmedämmung“ der Klimaschutzagentur Baden-Württemberg und des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, dem Energieinstitut Vorarlberg, dem Ingenieurbüro Ebök und dem Karlsruher Institut für Technologie.
U-Wert: Maß aller Dinge
Je besser man dämmt, umso weniger muss man heizen. Denn der Wärmeverlust durch Außenwände, Fenster und Türen muss durch die Heizung ersetzt werden. Je nach Gebäudetyp gehen zwischen 10 und 50 Prozent der Heizenergie durch die Außenwände verloren. Die Dämmqualität einer Wand wird durch den U-Wert charakterisiert. Er gibt an, wie viel Watt durch ein Bauteil mit einem Quadratmeter Größe je Grad Temperaturdifferenz zwischen Innen und Außen verloren gehen: W/(m2*K)
Vermindert man durch Dämmung den U-Wert von 1,6 W/(m2*K) auf 0,16 W/(m2*K), dann vermindert man die Wärmeverluste eines Gebäudes um gigantische 90 Prozent!
Eine Faustformel stellt die Verbindung zwischen U-Wert und Energieverlust her: U-Wert x 84 = Energieverlust in Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter Bauteil. Wird ein Einfamilienhaus mit 160 m2 Wandfläche gedämmt und verringert sich der U-Wert um 1,0 W/(m2*K), dann beträgt die Einsparung jährlich 1,0 x 84 x 160 = 13.440 kWh oder rund 1.344 Liter Heizöl.
Doch welche U-Werte hat mein Haus? Die sind ganz unterschiedlich für Wand, Dach, Fenster und Tür. Die Gebäudetypologie des IWU gibt für verschiedene Baualtersstufen und Haustypen die U-Werte an. Man kann auch mit einem Thermometer die Innen- sowie Außentemperaturen messen und nach einer groben Näherungsformel den U-Wert abschätzen. Je kälter es draußen ist, um besser funktioniert das. (siehe
Entzauberte U-Werte genauer betrachtet)
Dämmwirkung = Wärmeleitfähigkeit
Der U-Wert beschreibt die Dämmqualität einer kompletten Wand. Die Materialeigenschaft jeder einzelnen Schicht der Wand (Mauer, Dämmung, Putz) wird durch die Wärmeleitfähigkeit Lambda beschrieben. Je schlechter die Wärme geleitet wird, desto besser ist die Dämmwirkung. Weil Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, erhöhen Lufteinschlüsse die Dämmwirkung.
Bei Polystyrol liegt die Wärmeleitfähigkeit zwischen 0,031 und 0,045. Diese Zahl findet sich als sogenannte Dämmstoffklasse auf den Produktbeschreibungen, zum Beispiel Dämmstoffklasse 30 oder 45 entsprechen der Wärmleitfähigkeit 0,03 beziehungsweise 0,045. Aerogel-Matten haben einen Wert von 0,014 und Vakuumdämmplatten sogar 0,007.
Aerogele bestehen aus hochporösen Silikaten geringer Dichte mit Lufteinschluss. Sie dämmen immerhin halb so gut, wie die sehr teuren und schwer zu verarbeitenden Vakuumisolierplatten. Weil Vakuumdämmplatten aber fünfmal besser Dämmen als Polystyrol, braucht man für die gleiche Dämmwirkung nur eine fünfmal dünnere Dämmschicht. Allerdings sind die Kosten für eine Vakuumdämmung auch deutlich höher.
Dämmung der Außenwand
Rund 63 Prozent der Häuseraußenwände in Deutschland sind Putzfassaden ohne Wärmedämmung. 14 Prozent sind Klinkerfassaden. Weitere 10 Prozent sind Fassaden mit Wärmedämmverbundsystem. Mit 80 Prozent dominiert bei den bereits gedämmten Fassaden der Dämmstoff Polystyrol. Am zweithäufigsten wurde Mineralwolle verwendet. Wärmedämmverbundsysteme sind also mitnichten flächendeckend eingesetzt.
Die Kosten für Wärmedämmverbundsysteme liegen laut einer Auswertung aus den Jahren 2012 und 2013 bei durchschnittlich 75 Euro Grundkosten je Quadratmeter und 1,90 Euro je Zentimeter Dämmdicke bei einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/(m2*K). Vorhangfassaden kosten das 1,5-fache bis 4-fache. Das IWU gibt folgende Kosten für Dämmungen je Quadratmeter an:
| Dämmung | Vollkosten | Davon energiebedingte Mehrkosten |
|
| Außenwand | 15 cm | 139 € | 62 € |
| Steildach | 18 cm | 201 € | 54 € |
| Obergeschossdecke | 20 cm | 64 € | 64 € |
| Kellerdecke | 8 cm | 41 € | 41 € |
Bei einem U-Wert von 1,6 W/(m2*K), das ist die übliche Ziegelwand aus der Kaiserzeit, die wir heute sanieren, verliert eine Wand mit zehn Quadratmetern bei 20 Grad Temperaturdifferenz 1,6 x 10 x 20 = 320 Watt, also in zehn Stunden 320 x 10 = 3.200 Wattstunden oder 3,2 kWh. Wird diese Wand mit 12 cm Dämmung auf einen U-Wert von 0,24 W/(m2*K) verbessert, vermindert sich der Wärmeverlust auf nur noch 0,48 kWh, also beinahe ein Siebtel.
Bis 1977 lag der mittlere U-Wert von Außenbauteilen noch über 1,2 W/(m2*K). Nach der derzeitigen Wärmeschutzverordnung von 2016 gilt für Außenwände im Neubau ein maximaler U-Wert von 0,28 W/(m2*K) zur Erreichung des Referenzhausstandards. Für Niedrigenergiehäuser ist ein U-Wert von 0,25 W/(m2*K) angesagt. Für ein Passivhaus liegt er sogar bei 0,1 W/(m2*K).
Bei mehrschaligen Außenwänden kann ab einer Luftschichtdicke von 4 cm eine Dämmung eingeblasen werden. Die Dämmwirkung ist wegen der geringen Dämmschichtdicke nur gering, die Kosten aber auch. Ein Dämmputz kann auf der Außenwand bis 14 cm dick aufgeputzt werden. Das Material dämmt nur halb so gut wie ein Dämmstoff, hat aber beispielsweise bei sehr unebenen Wänden im Altbau seine Berechtigung.
Innendämmung
Bei denkmalgeschützten Fassaden kann die Wärmedämmung auch von innen an die Außenwände geklebt werden. Allerdings sind so meist nur Dämmschichtstärken bis 8 cm realisierbar. (siehe "Innendämmung: die bessere Art zu dämmen?!"
Es bieten sich hier auch diffusionsoffene Dämmsysteme wie Perlite oder Calciumsilikat Wärmedämmplatten an. Dann kann auf eine Dampfsperre verzichtet werden.
Dach und Kellerdecke
Die Dachdämmung ist die einfachste und wirksamste Dämmung, da Wärme immer nach oben steigt. Sie wird zwischen den Dachsparren eingebracht. Das reicht bei der üblichen Sparrenstärke von 12 bis 16 cm jedoch nicht, die Sparren müssen also erhöht und dazwischen gedämmt werden. Zusätzlich braucht man eine Dampfsperre, weil sonst die warme Innenluft in die Dämmung dringt. Passiert dies, kondensiert der in der Luft enthaltene Wasserdampf im Dämmmaterial, da es dort kälter ist. Alternativ oder zusätzlich kann zwischen Sparren und Dachziegel gedämmt werden. Dafür braucht man ein Gerüst am Haus.
Der Referenzwert für die Dämmung von Neubaudächern gemäß EnEV liegt bei maximal 0,20 W/(m2*K), im Altbau bei 0,24 W/(m2*K). Ein zukunftsfähiger Effizienzstandard entspricht einem U-Wert des Dachs von unter 0,14 W/(m2*K). Dies entspricht einer Dämmstärke von etwa 25 cm mit einem Material in Wärmeleitgruppe (WLG) 35.
Für den Kellerboden sollte der U-Wert unter 0,20 W/(m2*K) und für Fenster mindestens 0,8 W/(m2*K) betragen. Der Referenzwert für die Dämmung der unteren Gebäudeabgrenzung bei Neubauvorhaben liegt nach der EnEV bei maximal 0,35 W/(m2*K). Ein sehr guter Zielwert liegt bei weniger als 0,20 W/(m2*K). Dies erreicht man mit einer Dämmstärke von etwa 17,5 cm und einem Material der Wärmeleitgruppe 35.
Wie dick dämmen?
Die Dämmschichtdicke entscheidet über Dämmwirkung und Wirtschaftlichkeit. Die Mehrkosten für eine dickere Dämmung sind meist nur gering. Allerdings gibt es oft bauliche Begrenzungen durch den Dachüberstand oder die Laibungen von Fenstern und Türen.
Je schlechter die Ausgangssituation, umso einfacher und günstiger lässt sie sich verbessern. Wer aber im ersten Dämmschritt nur eine halbe Sache macht, der lässt für eine spätere Verbesserung der Dämmung wenig wirtschaftlichen Spielraum. Dennoch: Wenn die Außenwände bereits gedämmt sind mit einer Dämmschicht von weniger als 10 cm und einem U-Wert von mehr als 0,35, sollte eine zweite Schicht von Wärmedämmung darüber geklebt werden.
Wahl der Dämmstoffe
Bei der Entscheidung für einen Dämmstoff spielen viele Gesichtspunkte eine Rolle:
- Dämmwirkung, also Wärmeleitfähigkeit
- Preis für eine gewünschte Dämmwirkung
- Verarbeitung (Schüttmaterial, Platten usw.)
- Brennbarkeit: Die Mindestanforderung für die Baustoffzulassung ist B2 (normalentflammbar) und für höhere Gebäude A2 (nicht brennbar)
- Wärmespeicherfähigkeit
- Ökologische Eigenschaften wie Gesundheits- und Umweltverträglichkeit
Den idealen Dämmstoff, der preisgünstig aber ökologisch ist und hochwirksam dämmt, gibt es leider nicht. Es geht also darum, welche Dämmstoffeigenschaften für Sie besonders wichtig sind. Eine gute Übersicht über verfügbare Dämmstoffe und deren Eigenschaften finden Sie unter bdev.de/daemmstoffe.
Der richtige Zeitpunkt …
… ist in jedem Fall die Bauteilinstandsetzung. Wenn die Fassade ohnehin neu gestrichen oder verputzt wird, sollte die Dämmung ebenfalls geprüft und verbessert werden. Über die richtige Reihenfolge bei der Haussanierung gibt der sogenannte „Sanierungsfahrplan“ Aufschluss, der vom Experten aufgestellt und Bestandteil einer guten Vor-Ort-Energieberatung ist. Jede Verbesserung der Dämmung wirkt sofort, auch ohne, dass alle anderen Bauteile zum gleichen Zeitpunkt gedämmt werden. Man kann also ruhig schrittweise zuerst Wände, dann Dach, dann Fenster und dann die Türen sanieren, ohne etwas falsch zu machen.
Die Mieterperspektive
Mieter sind von Wärmedämmung meist nicht begeistert. Denn sie müssen von den Modernisierungskosten jährlich 8 Prozent über eine höhere Miete bezahlen. Dafür profitieren sie von geringeren Heizkosten und einer behaglicheren Wohnung. Aber die Heizkostenersparnis ist bei den heutigen Energiepreisen noch deutlich geringer als die Mieterhöhung. Es gibt aber auch Beispiele, in denen guter Wille, öffentliche Fördermittel und gute Planung zu einer Warmmietenstabilität führt. So geschehen zum Beispiel in Berlin-Märkisches Viertel.
- Berliner Mieterverein: Wärmedämmung ist die teuerste Modernisierung
- GESOBAU: Modernisierung des Märkischen Viertels in Berlin
Das Dilemma von Klimaschutz, Mieterschutz und Wärmedämmung kann aber gemindert werden: Statt die Modernisierungskosten wie derzeit auf die Mieter abzuwälzen, könnten sie zwischen Eigentümer, Mieter und Staat gedrittelt werden. Eine gute Perspektive für Mieter bieten Sanierungen nach dem „Energiesprong-Prinzip“ (siehe Null-Energie-Sanierung vom Fließband).
Was kostet es, was bringt es?
Verbesserte Wärmedämmung reduziert die Heizkosten und erhöht die Behaglichkeit für die Bewohner. Die „Wirtschaftlichkeit“ ist ein wichtiges Kriterium dafür, ob zusätzlich gedämmt wird. Ob „es sich rechnet“, hängt von den Umständen des Einzelfalls und der Betrachtungsweise ab: Wie vergleichen sich die Kosten der Dämmung mit dem monetären Nutzen? Nach wie vielen Jahren hat der Investor sein eingesetztes Kapital durch eingesparte Energiekosten und höhere Mieten wieder erwirtschaftet? Aber auch höchst individuelle Fragen spielen eine Rolle, die jeder nur für sich persönlich beantworten kann:
Welchen Betrag ist die größere Behaglichkeit für die Bewohner im Sommer wie im Winter wert?
Welchen Eurobetrag ist die höhere Sicherheit durch geringere Abhängigkeit von künftigen Energiepreissteigerungen wert?
Wie hoch ist die Wertsteigerung des Gebäudes durch die bessere Dämmung?
Sind die Wohnungen durch geringere Energiekosten einfacher oder zu höheren Mieten vermietbar?
Welchen Beitrag liefert die Dämmung zum Klimaschutz und wie bewertet man diesen?
Aber es gibt auch Fragen, auf die allgemeine Antworten möglich sind:
Wie teuer ist die zusätzliche Dämmung?
Das hängt stark von der Dämmstärke und dem Sanierungszeitpunkt ab. Es empfiehlt sich, unterschiedliche Dämmstärken durchzurechnen und mehrere Angebote einzuholen.
Wird die Fassade ohnehin saniert?
Dann fallen die Kosten für das Gerüst und den Putz ohnehin an. In den Kosten der Wärmedämmung fallen diese Kostenpositionen weg. Die Dämmung wird um diese Beträge „günstiger“ und wirtschaftlicher.
Gibt es eine staatliche Förderung?
Nur wenn deutlich mehr gedämmt wird, als gesetzlich ohnehin vorgeschrieben ist, gibt es eventuell Fördermittel.
Wie viel kostet die durch die Dämmung eingesparte Energie? Mit welcher Energiekostensteigerung in den kommenden Jahren rechnet man?
Im Schnitt der vergangenen 19 Jahre sind die Ölpreise um 3,5 Prozent pro Jahr gestiegen. In den kommenden zehn Jahren werden sich die fossilen Brennstoffpreise vermutlich verdoppeln.
Wie teuer ist die Finanzierung der Dämmung? Müssen Darlehen aufgenommen werden und zu welchen Kosten?
Wenn mit Eigenmitteln finanziert wird, könnte dieses Geld im Kapitalmarkt gut angelegt auch Zinsen erbringen.
Wer berät zum Thema Wärmedämmung?
Es gibt verwirrend viele unterschiedliche Beratungsangebote. Den Einstieg ins Energiesparen machen Ihnen folgende Angebote leichter:
Internet-Bewertung des Gebäudes: Einen ersten Überblick, ob der Energieverbrauch Ihres Hauses zu hoch ist, können Sie sich mit Hilfe von Internet-Ratgebern verschaffen. Die Ratgeber schätzen auch ein, wie viel Energie Sie sparen können. Sie benötigen dafür nur wenige Angaben zum Gebäude und die letzte Abrechnung des Energieversorgers. www.co2online.de
Gebäude-Check der Verbraucherzentralen: Für 30 Euro macht ein ausgebildeter Energieberater bei Ihnen einen Gebäude-Check. Dabei erfahren Sie alles über die energetische Situation Ihres Hauses oder Ihrer Wohnung. Der Berater beurteilt Ihren Strom- und Wärmeverbrauch und schaut sich die Heizungsanlage sowie die Gebäudehülle des Wohnhauses an. Eine kostenlose Terminvereinbarung kann telefonisch unter der Rufnummer 0800 809 802 400 erfolgen. bdev.de/gebaeudecheck
Geförderte Vor-Ort-Beratung: Wer es genau wissen will, der bekommt ein staatlich gefördertes Energiegutachten durch eine Vor-Ort-Beratung mit Sanierungsfahrplan. Dieses Angebot soll Eigentümern einen sinnvollen Weg aufzeigen, wie sie die Energieeffizienz ihres Gebäudes verbessern können. Eine Liste von Beratern finden Sie auf Vor-Ort-Energieberatung.
BAFA Energieberatung Wohngebäude
Check durch Handwerker: Im Rahmen der Kampagne „Haus sanieren – profitieren“ der Deutschen Bundesstiftung Umwelt bieten Handwerker kostenlose Energie-Checks an. Ergebnis des etwa 30-minütigen Rundgangs durch das Haus ist ein erster Überblick über den energetischen Zustand des Gebäudes und der Heizungsanlage – eine gute Grundlage für eine ausführlichere Energieberatung, aber natürlich auch eine Einladung für findige Vertriebsprofis. www.sanieren-profitieren.de








