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Ungenutzte Biomasse

Ungenutzte Biomasse

Von Louis-F. Stahl

(26. Oktober 2018) Die Schale einer Banane enthält rund eine halbe Stunde Licht. Was komisch klingt, rechnet das Recyclingunternehmen AHE aus der Nähe von Wuppertal nachvollziehbar vor: Bei der Vergärung entstehen aus einer Bananenschale rund 20 Wattstunden (Wh) Biogas. Bei einer Verstromung dieses Biogases in einem Blockheizkraftwerk mit 25 Prozent elektrischem Wirkungsgrad entstehen 5 Wh Strom. Dies reicht aus, um eine 10 Watt LED-Lampe 30 Minuten zum Leuchten zu bringen. Konsequenterweise wurden im Einzugsbereich der AHE aus einfachen Biotonnen inzwischen „Stromtonnen“. Das Stromnutzungspotenzial von Bioabfall erkannte auch die Hansestadt Hamburg und ergänzte ihr Kompostwerk Bützberg um eine Biogasgewinnung, die inzwischen den Strombedarf von 11.000 Haushalten deckt.

1214 Leerung Biotonne / Foto: Stadtreinigung Hamburg

Würde aus allen Biotonnen Strom gewonnen, könnten damit rund 600.000 Haushalte versorgt werden. Doch während heftig über die „Vermaisung“ der Landschaft zur Biogasgewinnung debattiert wird, bleibt das Potenzial der Biotonnen unbeachtet und ungenutzt. Das Bundesumweltamt hat ermittelt, dass jährlich rund 10 Mio. Tonnen Biomasse in Biotonnen gesammelt wird. Nur bei rund 20 Prozent davon wird jedoch das bei der Zersetzung entstehende Biogas genutzt. Experten machen hauptsächlich drei Gründe für das ungenutzte Potenzial von Kompost-Strom verantwortlich.

Das größte Problem seien die Fremdstoffe, die Verbraucher mit in den Biomüll geben. Dazu zählen Plastiktüten, die in Biogasanlagen zum Blockieren von Förderschnecken und Rührwerken führen – aber auch beispielsweise Vogelsand und Katzenstreu. Im Landkreis München klagt ein Anlagenbetreiber über 7,5 Prozent Sand im Biomüll. Insgesamt sortiert er rund 22 Prozent unzulässige Fremdstoffe aus den Biotonnen. Auch damit die Anlage der Hamburger Stadtreinigung störungsfrei funktionieren kann, musste eine händische Nachsortierung eingerichtet werden. Der zweite Grund ist die Ausschreibung der Entsorgung. Wenn ein Versorger in eine teure Kompost-Biogasanlage investiert und den Entsorgungszuschlag bei der nächsten Ausschreibung verliert, ist er ruiniert, konstatierte David Wilken vom Fachverband Biogas. Das dritte Problem ist die zu geringe Einspeisevergütung für Kompost-Strom: „Die Investitions- und Betriebskosten der Vergärungsanlagen lassen sich bisher nicht in jedem Fall vollständig über die Stromerlöse refinanzieren“, meint Michael Kern, Geschäftsführer des Witzenhausen-Instituts für Abfall, Umwelt und Energie.