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Pellets: Mehr als 90 Prozent CO2-Reduktion

Pellets: Mehr als 90 Prozent CO2-Reduktion

Holzpelletheizungen sind weiter auf dem Vormarsch. Sie können helfen, richtig viel CO2 einzusparen. Insbesondere wer eine alte Ölheizung hat, sollte einen Austausch vornehmen. Aber Pellets sind auch für Neubauten interessant, ob mit einem Pelletofen als Ergänzung oder statt einer Wärmepumpe.
Ein Beitrag von Dr. Klaus-Dieter Clausnitzer.

(25. Januar 2019) Holzpellets sind „gepresstes Sägemehl“. Mit ihnen ist es möglich, in speziellen Heizkesseln und Pelletöfen einen automatischen Nachschub des Brennstoffs „Holz“ zu realisieren. Damit das reibungslos funktioniert, sind in der Norm ISO 17829 Qualitätsansprüche an Holzpellets definiert. Werden sie nach dieser Norm hergestellt und in den Handel gebracht, haben sie verschiedene definierte Eigenschaften, die für eine reibungslose und saubere Verbrennung wichtig sind.

532 Holzpellets im Feuer / Foto: BillionPhotos.com / stock.adobe.com

Pellets aus Sägeabfällen

Hergestellt werden Holzpellets unter hohem Druck zu rund 88 Prozent aus Säge-Nebenprodukten und zu rund 10 Prozent aus Industrieholz. Hinzu kommen maximal 2 Prozent Presshilfsmittel. In Deutschland werden pro Jahr nach Angaben des Deutschen Energieholz- und Pelletverbands etwa 2 bis 2,5 Mio. Tonnen Holzpellets produziert und davon ca. 1,85 Mio. Tonnen verbraucht. Der Überschuss geht in den Export. An Sägenebenprodukten stehen in Deutschland für die Pelletproduktion mindestens weitere 6 bis 7 Mio. Tonnen jährlich zur Verfügung. Es besteht also noch ein erhebliches Potenzial für weitere Pelletheizungen.

Pellets deutlich billiger als Heizöl

Der Energiegehalt genormter Holzpellets beträgt pro Kilogramm etwa so viel wie in einem halben Liter Heizöl. Aber anders als Heizöl verbrennen Pellets fast CO2-neutral. Sie sind deutlich billiger als Heizöl und kommen überwiegend aus Deutschland oder Nachbarstaaten wie Österreich.

532 Dr. Klaus-Dieter Clausnitzer

Dr. Klaus-Dieter Clausnitzer war früher tätig für das Bremer Energie Institut und forscht derzeit am IFAM Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik Bremen.

Heizöl ist aktuell wieder deutlich teurer geworden. Ende Oktober 2018 kostete HEL etwa 73 Euro pro 100 Liter; eine Lieferung von 3.000 Litern also ca. 2.190 Euro. Eine vergleichbare Menge an Holzpellets kostete zum gleichen Zeitpunkt jedoch nur ca. 1.625 Euro. Ersparnis: ca. 565 Euro beziehungsweise 26 Prozent. Vorteilhaft an Holzpellets ist ferner, dass ihr Preis bei weitem nicht so stark schwankt wie der Heizölpreis. Heizkosten sind so planbarer.

Anschaffung der Öfen teuer

Nicht so toll an Pelletheizungen ist, dass sie etwa zwei- bis dreimal mehr kosten als Ölheizungen. Da Pelletheizungen jedoch ökologisch vorteilhaft sind, fördert der Staat sie über das Marktanreizprogramm. Einige Kommunen geben noch zusätzlich etwas dazu: Zum Beispiel zahlt die Stadt Stuttgart in bestimmten Stadtbezirken mindestens 5.000 Euro für den Ersatz einer alten Heizölheizung durch eine moderne Pelletheizung. Eine Pelletheizung lässt sich übrigens sehr gut mit einer thermischen Solaranlage verbinden!

Pellets auch für Wohnsiedlungen

Entgegen der Annahme vieler Wohnungsunternehmen sind Pelletheizungen nicht nur etwas für Einfamilienhäuser! Ein positives Beispiel ist die Klimaschutzsiedlung der Porzer Wohnungsbaugenossenschaft Gewog aus Köln mit ihrem Projekt „Westhoven“: 84 Wohneinheiten wurden dort zwischen 2011 und 2016 neu errichtet. Sie werden durch Holzpellets und Solarthermie versorgt.

Pelletofen fürs Wohnzimmer

Wer ein Haus mit einer Wärmepumpe ausstatten möchte, sollte auch über einen Pelletofen nachdenken. Wärmepumpen und Pelletöfen ergänzen sich. Erstens wird die Wärmepumpe entlastet, wenn es wirklich kalt ist – zumal Wärmepumpen gerade dann nicht sehr effizient arbeiten. Zweitens holt man sich etwas für den Wohlfühleffekt und die Lebensfreude ins Haus. Oder schauen Sie gern einer Wärmepumpe beim Heizen zu? Und wer einen alten Kaminofen hat, sollte ebenfalls über einen Pelletofen nachdenken. Die Verbrennung darin ist wesentlich umweltfreundlicher und komfortabler. Da muss man nicht alle ein bis zwei Stunden Holz nachlegen.

Holzpellets statt Heizöl

Viele klagen, dass die Klimaschutzziele 2020 und wohl auch 2030 nicht erreicht werden. Doch gerade im Heizungsbereich lässt sich viel CO2 reduzieren. Hier sind wir Verbraucher und Hauseigentümer gefordert. Aber auch Bund, Länder und Kommunen sind am Zug. Der Einsatz von Heizöl für die Herstellung von Raumwärme muss deutlich und schnell reduziert werden. Allein die Substitution von hochbetagten Heizölkesseln könnte Millionen Tonnen CO2 ein-sparen – siehe Tabelle.

CO2-Einsparung
(Heizwert-) Ölheizungen – älter als 25 Jahre
2016 vorhanden ca. 862.000 Anlagen
zugehörige CO2-Emissionen ca. 8,1 Mio. t pro Jahr Bei 3.000 Liter Heizöl pro Anlage/Jahr,
einem Heizwert von 10 kWh pro Liter und
0,313 kg CO2 pro kWh
Umstellung auf Erdgas (40 % der Anlagen), auf Holzpellets, Holzhackschnitzel, Scheitholz und
Solarthermie (60 % der Anlagen) sowie 15 % verbesserte Energieeffizienz
verbleibende CO2-Emissionen verbleibende CO2-Emissionen ca. 1,6 Mio. Tonnen pro Jahr
CO2-Reduktion ca. 6,5 Mio. Tonnen pro Jahr

Um dieses große CO2-Reduktionspotenzial zu erschließen, wären zwei Dinge hilfreich:

  1. Eine zusätzliche Förderung von 3.000 Euro für die Substitution einer Heizölheizung durch eine Pelletheizung. Oder alternativ ein Verbot neuer Heizölanlagen; das käme den Staat billiger.
  2. Eine geförderte Beratung, ob ein Pelletkessel für das jeweilige Haus machbar wäre („Pellets-Check“).
Pellets-Check

In einem von der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums geförderten Projekt der Fraunhofer-Gesellschaft wurde in den Jahren 2017 und 2018 ein Pellets-Check entwickelt. Mit diesem können Fachleute wie Heizungsbauer, Schornsteinfeger und andere Energieberater vor Ort feststellen, inwieweit ein Haus für eine Beheizung mit Holzpellets geeignet ist oder nicht. Um die Kosten in Höhe von rund 150 Euro für die Hauseigentümer zu reduzieren, wäre es hilfreich, wenn Länder oder Kommunen diesen Check fördern würden. Ein Musterförderprogramm ist derzeit in Arbeit.

Näheres zum Pellets-Check unter www.heicepece.de

Zertifizierte Pellets

Eine schlechte Qualität von Pellets kann Probleme verursachen. Eines dieser Probleme ist die Bildung von Schlacke, ein anderes die Verstopfung des Transportwegs der Pellets zum Kessel. Um gute Qualität zu erhalten, sollte man nur Pellets kaufen, die entweder das Zeichen „DINplus“ oder das Qualitätssiegel „ENplus A1“ tragen. Die Zertifizierung nach „ENplus“ ist umfassender als die von DIN certco. Beispielsweise wird auch die Nachhaltigkeit der Rohstoffe geprüft. „A1“ ist die höchste Klasse. Die Hersteller vieler Pelletöfen und Pelletkessel empfehlen den Einsatz ebendieser Pellets. Wer auf der sicheren und umweltbewussteren Seite sein will, sollte ENplus A1-Pellets verlangen. Dem Deutschen Energieholz- und Pellets-Verband zufolge wird mehr als 80 Prozent der Pelletsproduktion mit dem ENplus-Zeichen vermarktet.

Pellets nach ENplus A1 unterliegen einem umfassenden Zertifizierungsprozess. Die Anforderungen zielen vor allem auf eine einwandfreie Logistik ab. Kontrolliert wird die gesamte Kette von der Herstellung der Pellets bis zum Einblasen in den Lagerraum beim Endverbraucher. Die Anforderungen haben unter anderem Auswirkungen auf den Komfort (wie Geruch, Staub, Verstopfungen) und die Verbesserung der Verbrennungseigenschaften (Energieeffizienz, CO, Feinstaub).

Hintergrund der Zertifizierung ist auch, dass die Pelletsbranche enttäuschte Endverbraucher vermeiden will. Negative Meldungen verbreiten sich bekanntlich weitaus stärker als positive. Noch vor 10 Jahren haben Meldungen über verschlackte Kessel ein großes Echo gehabt. Das ist inzwischen bedeutend seltener geworden. Wenn man nach ENplus A1 zertifizierte Pellets kauft, sind Probleme, die dem Brennstoff bis zur Anlieferung in den eigenen Lagerraum anzulasten wären, nicht zu erwarten. Treten sie dennoch mal auf, gibt es bei ENplus-zertifizierten Pellets ein geregeltes Reklamationsmanagement. Auch der Bund der Energieverbraucher hilft seinen Mitgliedern.

Vorteile von Holzpellets:

– besonders gegenüber Heizöl –

  • Preisstabiler und billigerer Brennstoff
  • Natürlich, nachwachsend, heimisch
  • Kaum CO2-Emissionen
Nachteile von Holzpellets:

– gegenüber Heizöl –

  • Höherer Platzbedarf
  • Höherer Investitionsbetrag für die Heizungsanlage nötig