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Heizkosten
Unzumutbare Erfassungskosten

Unzumutbare Erfassungskosten

Von Aribert Peters

(6. Juli 2018) Wird nur ein geringer Teil der Heizkosten nach Verbrauch auf die Mieter verteilt, dann müssen die gesamten Heizkosten entsprechend der Wohnfläche verteilt werden. Das hat das Amtsgericht Hersbruck am 27. Oktober 2017 entschieden (Az. 3 C 297/16). Im strittigen Fall wurden nur 6 Prozent der Heizwärme von den Heizkostenverteilern an den Heizkörpern erfasst. 94 Prozent der Heizwärme verteilten sich durch ungedämmt verlegte Rohrleitungen bereits vor Erreichen der Messgeräte an den Heizkörpern ungemessen im Haus.

Grundsätzlich darf die verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung nicht mehr kosten, als sie binnen 10 Jahren an Einsparungen einbringen kann (§ 11 Abs. 1 Nr. 1c Heizkostenverordnung). Als Obergrenze für die Messkosten werden aus diesem Grund gemeinhin 15 Prozent der Heizkosten angenommen (OLG Düsseldorf 2009, Az. 3 Wx 28/09). Die Abrechnungskosten überschreiten jedoch in einer steigenden Zahl von Fällen diese Obergrenze. Die Ursachen dafür sind im Einzelfall unterschiedlich: Installation besserer Gebäudedämmung, Steigerung der Heizungseffizienz durch Brennwerttechnik oder auch der Einsatz von Solarthermie kann die Heizkosten senken.

263 Erschütterte Menschen am Notebook / Foto Antonioguillem / stock.adobe.com

Der Energiedepesche liegt ein Leserbrief vor, in dem die Erfassungskosten 44 Prozent der gesamten Heizkosten ausmachen. In solchen Fällen greift § 11 Abs. 1 Nr. 1a der Heizkostenverordnung. Diese Norm besagt, dass bei Niedrigst- und Passivhäusern mit einem Wärmebedarf von weniger als 15 kWh/(m2*a) keine verbrauchsabhängige Abrechnung zu machen ist. Weitere Ausnahmen von der Erfassungspflicht ergeben sich zudem bei bestimmten Häusern, in denen die Bewohner den Wärmeverbrauch nicht beeinflussen können – wie beispielsweise in dem eingangs erwähnten Fall. Auch für Gebäude, die überwiegend – daher zu mehr als 50 Prozent – mit Wärme aus Anlagen zur Rückgewinnung von Wärme sowie aus Wärmepumpen und Solaranlagen versorgt werden, sieht die Heizkostenverordnung Ausnahmen von der Erfassungspflicht der einzelnen Wohnungsverbräuche vor.

Wenn Ihnen die Messkosten auf Ihrer Heizkostenabrechnung zu hoch erscheinen, sollten Sie sich als Vereinsmitglied an den Bund der Energieverbraucher wenden. Der Verein prüft für seine Mitglieder die Heizkostenabrechnung auf solch grobe Fehler (siehe Überprüfung der Heizkostenabrechnung für Mieter).