Klimakompensation

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Fragwürdige CO2-Kompensationen

Von Aribert Peters

(23. April 2019) Viele Menschen sind bemüht, sich im Alltag möglichst klima- und umweltschonend zu verhalten. Doch die CO2-Emissionen durch Flugreisen sind häufig um ein Mehrfaches höher als die Alltagsemissionen. Der Durchschnittsdeutsche verursacht jährliche CO2-Emissionen von 11,6 Tonnen. Klimaverträglich wären nur 1,8 Tonnen. Der Verzicht auf Fleischkonsum reduziert die CO2-Emissionen um rund 500 kg jährlich. Wärmedämmung spart noch einmal etwa 500 kg pro Jahr. Das lässt sich mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamtes ausrechnen.

2109 Flugzeug Lufthansa / Foto: code83 (CC0)

Mit Flügen reißen wir dann alle Umweltentlastungen ein, die wir mit viel Mühe im Alltag errungen haben. Im Schnitt schlagen Auto, Bus und Bahn mit jährlich 1,61 Tonnen CO2 zu Buche, Flugreisen mit 0,58 Tonnen. Kräftig ins Kontor schlagen insbesondere Fernflüge: Ein Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Sydney verursacht je Passagier 10 Tonnen CO2, nach Gran Canaria 1,9 Tonnen und nach New York 3,8 Tonnen CO2.

Wer unbedingt fliegen muss, kann die dadurch verursachten Emissionen wieder kompensieren. Man zahlt je Tonne CO2-Emission zwischen 5 und 23 Euro an eine Organisation, die für dieses Geld eine Emissionsminderung verspricht. Für einen Flug nach Neuseeland sind etwa 236 Euro zu zahlen. Verbraucher können den gewünschten CO2-Ausgleich über die Internetseiten der Anbieter abwickeln. Die Emissionen sind jedoch durch den Flug unabhängig von der Kompensation entstanden und wenn sich in den kommenden 16 Jahren die Zahl der Flugpassagiere von 4 auf 8 Milliarden verdoppelt, so wird die Kompensation daran nichts ändern.

Die Stiftung Warentest hat sechs Anbieter für Klimakompensationen von Flugreisen unter die Lupe genommen. Entscheidend für das Testurteil war vor allem die Qualität der Kompensation. Die besten Noten gab es für Projekte, die nach dem „Gold-Standard“ ausgestellt sind, einem Gütesiegel für Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern. Mit der Note „sehr gut“ abgeschnitten haben Atmosfair, Klimakollekte und Primaklima. Atmosfair kompensiert auch Kreuzfahrten und baut Biogasanlagen, Solaranlagen sowie effiziente Öfen in Ruanda oder in anderen Entwicklungsländern. Das Pflanzen von Bäumen ist hingegen umstritten, weil die Bäume irgendwann gefällt und verbrannt werden könnten, wobei das gebundene CO2 wieder freigesetzt wird.

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Zusätzlich zu einem Flugticket kann man ein Zertifikat kaufen, das die Umweltbelastung des Flugs wieder ausgleicht. weiter lesen

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