ED 04/12 Eine Welt ohne Öl (S.30-31)

Wissenschaftliche Grundlagen

Wir haben die Wahl!

Medienberichte behaupten oft, dass die Welt in Zukunft einer „unvermeidlichen Erwärmung“ aufgrund vergangener Emissionen gegenübersteht.Jedoch ist das Gegenteil richtig. Noch können wir entscheiden, wie warm es künftig sein wird.
Von Aribert Peters

(29. Januar 2024) Die besten verfügbaren Beweise zeigen: Die Erwärmung wird voraussichtlich mehr oder weniger stoppen, sobald die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) auf null sinken. Das bedeutet, dass die Menschheit die Macht hat, ihre klimatische Zukunft zu wählen.

Wenn Wissenschaftler dies in letzter Zeit herausgestellt haben, wurde es als neue Erkenntnis berichtet. Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat jedoch seit mindestens 2008 erkannt, dass null CO2-Emissionen wahrscheinlich flache zukünftige Temperaturanstiege bedeuten. Der Sonderbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) von 2018 zu 1,5 °C enthielt ebenfalls einen spezifischen Schwerpunkt auf Null-Emissionsszenarien mit ähnlichen Ergebnissen. 

Ein Großteil der Verwirrung um die verbindliche Erwärmung geht darauf zurück, dass zwei verschiedene Konzepte vermischt werden: eine Welt, in der die CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre auf dem aktuellen Niveau bleiben, und eine Welt, in der die Emissionen Netto-Null erreichen und die Konzentrationen zu fallen beginnen. Wenn die Emissionen auf null reduziert werden, würden die atmosphärischen CO2-Konzentrationen schnell fallen und sich schließlich auf einem niedrigeren Niveau stabilisieren. Darüber hinaus werden die Temperaturen voraussichtlich für einige Jahrhunderte nach Erreichen der Null-Emissionsgrenze stabil bleiben. Das bedeutet, dass der bereits eingetretene Klimawandel in Abwesenheit von groß angelegten negativen Emissionen schwer umkehrbar sein wird.

Klimakommunikation: Positive Lösungen hervorheben

Praktische und positive Lösungsmöglichkeiten betonen, statt lähmende Schreckensszenarien: Für den Kommunikationswissenschaftler John Foley ist es Zeit, den Fokus auf die positiven Geschichten zu legen und auf das „Wie“ der Klimaschutz-lösungen einzugehen.

Klimakommunikation: Positive Lösungen hervorheben

Praktische und positive Lösungsmöglichkeiten betonen, statt lähmende Schreckensszenarien: Für den Kommunikationswissenschaftler John Foley ist es Zeit, den Fokus auf die positiven Geschichten zu legen und auf das „Wie“ der Klimaschutz-lösungen einzugehen.

(14. Dezember 2023) Die dringende Herausforderung des Klimawandels erfordert ein radikales Umdenken in der Kommunikation. John Foley, Kommunikationswissenschaftler, hebt hervor, dass US-Medien häufig die Schreckensszenarien des Klimawandels zelebrieren. Das verspricht Aufmerksamkeit und Geld, führt aber auch zu einer lähmenden Angst in der Gesellschaft. Für Foley ist es Zeit, den Fokus auf die positiven Geschichten zu legen und auf das „Wie“ der Klimaschutzlösungen einzugehen. Indem wir die Menschen dazu inspirieren, etwas Größeres als sich selbst zu sehen und für eine bessere Welt zu kämpfen, können wir laut Foley eine positive Veränderung bewirken. „Eine bessere Welt ist möglich“, betont er, „die Lösungen funktionieren. Sie sind hier, sie sind erschwinglich und sie werden die Welt verbessern.“

Zum Beispiel wissen die meisten Menschen nicht, wie schnell die Preise für PV-Strom und Windstrom in den vergangenen Jahren gefallen sind: 2006 kostete eine 5-kW-PV-Anlage in Deutschland noch 6.000 Euro, im Jahr 2012 2.300 Euro und 2022 nur noch 1.400 Euro. Man braucht sich nicht mehr zu entscheiden zwischen einer preiswerten und einer klimafreundlichen Energieversorgung. Denn längst schon ist die klimafreundliche auch die preiswertere.

Der Werbefachmann John Marshall rät dazu, bei jeder Verwendung des Begriffs „Klimawandel“ dessen unmittelbare Konsequenzen mit zu benennen – wie beispielsweise „Klimawandel, der extreme Brände verursacht“ oder „Klimawandel, der extreme Regenfälle hervorruft“ oder „Klimawandel, der zu Missernten führt“.

Wunschwelt und Realität: Lücke rasch schließen!

„Wir haben als Gesellschaft eine Wunschwelt, in der wir leben. Dann haben wir draußen aber eine physikalische Realität. Und Wunschwelt und Realität gehen mittlerweile immer weiter auseinander. Darüber zu reden ist schön, aber wir müssen einfach anfangen zu handeln.“ So der Meteorologe Sven Plöger.

Wunschwelt und Realität: Lücke rasch schließen!

„Wir haben als Gesellschaft eine Wunschwelt, in der wir leben. Dann haben wir draußen aber eine physikalische Realität. Und Wunschwelt und Realität gehen mittlerweile immer weiter auseinander. Darüber zu reden ist schön, aber wir müssen einfach anfangen zu handeln.“ So der Meteorologe Sven Plöger.

(7. Dezember 2023) Sommer 2023. Seit Wochen brechen in Südeuropa immer wieder Waldbrände aus. Andere Regionen erleben Starkregen, Erdrutsche, riesige Hagelkörner. Alles normal oder Folge der Erderhitzung? Für den WDR-Meteorologen Sven Plöger ist klar: „Wir sorgen dafür, dass viel mehr Energie in der Atmosphäre, im Erdsystem insgesamt steckt, also auch in der Hydrosphäre und in den Ozeanen. Jedes Grad Temperatur erhöht die Energie um fünf bis sechs Prozent. Das bedeutet am Ende: Energie, die drin ist, kann freigesetzt werden. Genau das sehen wir jetzt.“ Plöger weiter: „Da kommt ein Tsunami auf uns zu, den sehe ich als Meteorologe. Und ich sehe dann auch, dass ganz viele Menschen in der Gesellschaft den leider noch nicht sehen. Das brauchen wir eigentlich, um wirklich Dinge zu verändern.“ 

Plöger unterscheidet Wunschwelt und Realität: „Wir haben als Gesellschaft eine Wunschwelt, in der wir leben, und dafür habe ich ganz großes Verständnis. Ich bin ja auch Teil des Ganzen. Dann haben wir draußen aber eine physikalische Realität. Und Wunschwelt und Realität gehen mittlerweile immer weiter auseinander. Es gibt eine riesige Lücke. Irgendwann fällt das auf uns zurück und Kinder und Enkel werden das tragen müssen, wenn wir die Korrekturen nicht hinbekommen.“

Diese große Korrektur bedeutet, so Plöger, „Rahmenbedingungen zu schaffen, die dafür sorgen, dass derjenige, der die Umwelt verschmutzt, nicht reicher werden darf als der, der sie sauber hält. Aber das ist geopolitisch im Moment nicht einfach. Im Kleinen gibt es so viele Bereiche, die stets diskutiert werden. Aus meiner Sicht ist das Entscheidende: Darüber reden ist schön, aber wir müssen einfach anfangen zu handeln. Die Zeit läuft tatsächlich ab und da werden die Sorgen nicht geringer, die Kosten auch nicht und das Leid auch nicht. Insofern: Loslegen!“      

  • Karte der weltweiten Waldbrände: bdev.de/waldbraende
  • „Zieht euch warm an, es wird noch heißer!: Können wir den Klimawandel noch beherrschen?“ Mit Extrakapiteln zu Wasserstoff und Kernfusion
    Sven Plöger | aktualisierte u. erweiterte Aufl. mit neuen Kap.,8. Mai 2023 | 368 Seiten | Westend | ISBN: 978-3864894091 | 22,00 Euro
Klimaschutz: Moralische Pflicht zum kollektiven Handeln

Klimaschutz ist eine hochgradig öffentliche und politische Angelegenheit. Wir haben alle eine moralische Pflicht zum kollektiven Handeln: durch Aktivismus, politisches Engagement oder durch Gespräche und Vorträge. Individueller Verzicht findet kaum statt und ist zudem nicht genug, so die Philosophin Luisa Lippold.  

Klimaschutz: Moralische Pflicht zum kollektiven Handeln

Klimaschutz ist eine hochgradig öffentliche und politische Angelegenheit. Wir haben alle eine moralische Pflicht zum kollektiven Handeln: durch Aktivismus, politisches Engagement oder durch Gespräche und Vorträge. Individueller Verzicht findet kaum statt und ist zudem nicht genug, so die Philosophin Luisa Lippold.  

(23. November 2023) Lippold sagt in Interviews sinngemäß: Wir kämen durch Verzicht nicht auf das Emissionsniveau, das wir bräuchten, um effektiven Klimaschutz zu betreiben – nämlich von gegenwärtig 11 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr auf die erforderlichen höchstens 3 Tonnen. Die zentrale Frage ist also: Wenn ich auf alle meine individuellen klimaschädlichen Handlungen verzichte, habe ich dann alles getan, wozu ich moralisch verpflichtet bin? Dazu würde ich sagen: Nein.

Im Prinzip haben wir alle dieselbe moralische Pflicht zum kollektiven Handeln. Das Problem ist: Wir sind dazu aktuell nicht in der Lage. Daraus leite ich eine individuelle Pflicht ab, die „promotional duty“, also eine bewerbende Pflicht. Das ist die Pflicht, kollektives Handeln voranzutreiben. Sei es durch Aktivismus, durch politisches Engagement oder durch Gespräche und Vorträge.

Ziel ist eine klimaneutrale Gesellschaft. Vielleicht braucht es eine Vision, in der es bequem bleibt. Schließlich geht es darum, eine Mehrheit zu mobilisieren. Auf der individuellen Ebene ist meine Hoffnung, dass ich in einem Bau-, Mobilitäts-, Ernährungs-, Wohn- und Energiesystem lebe, das grundsätzlich klimaneutral ist. Dass egal, wie ich handle, ich immer klimaneutral handle. In Anbetracht der Zeit und der CO2-Lücke sollten wir alle Energie darauf fokussieren, wie wir jetzt auf den richtigen Weg kommen. Ganz pragmatisch: Es muss in diesem Wirtschaftssystem gehen.

Ähnlich äußert sich Johannes Schneider in Die Zeit: „Auf welcher Seite der Geschichte möchte man irgendwann gestanden haben? Ja wohl nicht auf der Seite derer, die zu blöd waren, die Bedrohung zu kapieren, oder zu skrupellos, sich ihr entgegenzustellen.“

Soziale Gerechtigkeit: Wo bleibt das Klimageld?

Menschen mit niedrigerem Einkommen werden in der Klimapolitik nicht ausreichend berücksichtigt. Dies gefährdet die Akzeptanz des Klimaschutzes und des staatlichen Handelns und damit der Demokratie insgesamt. Das hat das Potsdamer Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit RIFS ermittelt. 

Soziale Gerechtigkeit: Wo bleibt das Klimageld?

Menschen mit niedrigerem Einkommen werden in der Klimapolitik nicht ausreichend berücksichtigt. Dies gefährdet die Akzeptanz des Klimaschutzes und des staatlichen Handelns und damit der Demokratie insgesamt. Das hat das Potsdamer Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit RIFS ermittelt. 

(10. November 2023)  Der wachsende Unmut fokussiert sich insbesondere auf das Fehlen sozialer Gerechtigkeit bei der CO2-Abgabe. Der Bund der Energieverbraucher und ein breites Bündnis aus Sozial- und Umweltverbänden fordern, das Geld aus der CO2-Abgabe über ein sogenanntes Klimageld vollständig an die Bürger zurückzuführen.

„Das Klimageld ist ein gleichermaßen soziales, ökologisches und liberales Instrument, das der Zunahme der Ungleichheit zwischen Arm und Reich entgegenwirken und große Unterstützung für die ökologische Transformation herstellen kann. Diese Unterstützung sehen wir akut gefährdet, sollte die Bundesregierung an ihrem Kurs festhalten, den CO2-Preis vom Klimageld zu entkoppeln“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der Verbände. Eine Regelung zur Zurückführung der CO2-Steuer an Haushalte mit niedrigem Einkommen wurde von der Ampelkoalition zwar in der Koalitionsvereinbarung versprochen. Die Umsetzung stockt aber wegen angeblich technischer Probleme.

Ein ansteigender Preis für die Luftverschmutzung, kurz: CO2-Abgabe, ist ein unverzichtbares und wirksames Instrument zur Emissionsminderung. Dennoch bieten die künftigen Erhöhungen dieser Abgabe einen Grund zur Sorge. Ab 2026 wird sich für eine Familie mit einem Gasverbrauch von 20.000 kWh die CO2-Abgabe für Gas von 130 Euro auf 311 Euro erhöhen – ein erheblicher Anstieg. „Die belastende Abgabe durchzuziehen, die entlastende Rückzahlung an die Bürger aber aufzuschieben, ist ein fataler Fehler, der schnellstens behoben werden muss. Der Klimaschutz muss aus dem politischen Gezänk herausgehalten werden“, kritisiert der Bund der Energieverbraucher. Die Gerechtigkeit und Transparenz der CO2-Abgabe sind essenziell für ihre Akzeptanz.     

Kleines 1 x 1 der Erderhitzung

Die menschenverursachte Erderhitzung ist das wichtigste Thema der Gegenwart und der Zukunft. Zugleich ist sie ein komplexes physikalisches Phänomen. Wir berichten hier über einige bedeutende Zusammenhänge und Ergebnisse der Klimaforschung. 
Von Aribert Peters

(27. Oktober 2023)

Null Emissionen stoppen weitere Erderwärmung

Erst wenn wir das Verbrennen fossiler Treibstoffe komplett einstellen, wird sich die Erde nicht mehr weiter erwärmen. Allerdings ginge die bis dahin erfolgte Aufheizung auch nicht zurück. Von einem Verzicht auf fossile Treibstoffe sind wir aber noch sehr weit entfernt. Denn immer noch steigen die weltweiten Treibhausgasemissionen Jahr für Jahr.

Der Temperaturanstieg gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter ist so hoch wie die Menge der insgesamt emittierten Treibhausgase. Deshalb entsprechen die historischen Emissionsmengen (zum Beispiel EU: 30 %) dem Verursachungsanteil an der Erderhitzung (siehe Grafik). Bis die CO2-Emissionen aufhören, wird die Erdtemperatur weiter ansteigen und die Wetterextreme werden noch zunehmen.

 ED 03/2023 Kleines 1 x 1 der Erderhitzung (S. 10/11) 

Klima und Wetter

Jedes Wetterereignis wird in irgendeiner Weise durch die globale Erwärmung beeinflusst, unter anderem durch den Hitzeeintrag, mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre und den Anstieg des Meeresspiegels. Eine direkte Auswirkung der zusätzlichen Erwärmung sind intensivere und häufigere Hitzewellen.

Die Erwärmung beschleunigt die Verdunstung von Wasser aus dem Boden und aus Gewässern. Trocknet der Boden aus, verstärkt das eine mögliche Dürre und die Brandgefahr steigt. Durch die starke Verdunstung gelangt mehr Feuchtigkeit in die Atmosphäre und wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Beide Faktoren führen zu stärkeren Regenfällen. Die wärmeren Ozeane liefern außerdem zusätzliche Energie für Hurrikane, wodurch diese intensiver werden.

Einzelne Wetterereignisse konkret mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen, ist schwierig. Eines ist jedoch klar: Die globale Erwärmung erhöht das Auftreten und/oder die Stärke extremer Wettererscheinungen. Salopp formuliert: Das Wetter teilt die Schläge aus, aber das Klima trainiert den Boxer. 

Hitzewellen und Klimawandel

Klimaskeptiker versuchen von der wachsenden Gefahr von Hitzewellen abzulenken. Ihr Argument: Hitzewellen habe es früher auch gegeben, also können die heutigen nicht auf menschlichen Einfluss zurückgehen. Man könnte genauso gut argumentieren, dass Menschen schon lange vor der Erfindung der Zigarette an Krebs starben und Rauchen deshalb keinen Krebs verursachen kann.

Richtig ist: Hitzewellen gab es schon immer, aber die globale Erwärmung erhöht deren Häufigkeit und dieses Risiko wird in Zukunft noch weiter zunehmen. Schon jetzt treten Hitzewellen aufgrund der globalen Erwärmung fünfmal häufiger auf als zu Beginn der Wetteraufzeichnungen. Sie werden immer heißer und dauern länger. Wenn wir die Treibhausgasemissionen nicht reduzieren, werden Hitzewellen bis 2040 zwölfmal wahrscheinlicher. 

CO2 für Pflanzen, Tiere und Menschen

Pflanzen erzeugen aus den drei Bestandteilen Sonnenlicht, CO2 und Wasser in ihren Blättern Zucker (Glukose) und Sauerstoff. Der Zucker wird gespeichert und dient Menschen und Tieren als Nahrung. Der von Pflanzen erzeugte Sauerstoff ermöglich die Atmung von Menschen und Tieren, zumindest zu 50 %. Die andere Hälfte des Sauerstoffs entsteht in den Ozeanen. 

Beweise für die Klimawirksamkeit von CO2

Die wissenschaftlichen Beweise, dass Kohlendioxid (CO2) ein Treibhausgas ist, sind umfassend. Zunächst kann man auf die Physik und Chemie verweisen: CO2-Moleküle können Infrarotstrahlung, also Wärme, absorbieren und wieder abgeben. Das ist auf ihre spezifische molekulare Struktur zurückzuführen und wurde durch Laborexperimente mit Infrarotspektroskopie nachgewiesen.

Satellitenmessungen zeigen, dass weniger Wärmeenergie die Erdatmosphäre in denjenigen Wellenlängenbereichen verlässt, die CO2 absorbieren. Klimamodelle, die auf diesen und anderen physikalischen Prinzipien basieren, sind in der Lage, beobachtete Klimaveränderungen sehr genau zu reproduzieren, wenn sie den Einfluss von Treibhausgasen wie CO2 berücksichtigen. Anders als gegenwärtig verursachte in früheren Erdperioden die extern bedingte Erderwärmung eine höhere CO2-Konzentration.

Dann gibt es die historischen Daten. Untersuchungen von Eisbohrkernen zeigen, dass wärmere Klimaperioden in der Erdgeschichte mit höheren Konzentrationen von CO2 in der Atmosphäre zusammenfielen. Darüber hinaus ist die dramatische Zunahme des CO2-Gehalts in der Atmosphäre seit der industriellen Revolution hauptsächlich durch menschliche Aktivitäten mit einer deutlichen Erwärmung des globalen Klimas einhergegangen.

 ED 03/2023 Kleines 1 x 1 der Erderhitzung (S. 10/11) 

Schließlich gibt es den planetaren Beweis: Die Atmosphäre der Venus, die zu etwa 96,5 % aus CO2 besteht, schafft ein Treibhausklima mit Oberflächentemperaturen, die heiß genug sind, um Blei zu schmelzen (480 Grad). Dies zeigt eindrücklich die Wirkung von CO2 als Treibhausgas auf planetarer Ebene.

Frühere Perioden mit hohen CO2-Konzentrationen

Auch schon in früheren Zeiten der Erdgeschichte gab es höhere CO2-Konzentrationen. Vor 50 Millionen Jahren lagen diese zum Beispiel beim Fünffachen des heutigen Werts. Die Erde war 15 Grad wärmer und der Meeresspiegel 70 Meter höher. Vor 20.000 Jahren in der Eiszeit lag die Temperatur 7 Grad unter der heutigen und die CO2-Konzentration war nur halb so hoch wie heute, der Meeresspiegel um 130 Meter tiefer. Seit der Entwicklung der menschlichen Zivilisation vor etwa 8.000 Jahren waren Temperaturen und CO2-Konzentration sehr stabil. Bis vor 60 Jahren die CO2-Konzentration, verursacht durch fossile Verbrennung, nochmals unglaublich an Beschleunigung aufnahm. Daraufhin stiegt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre sehr rasch an und mit ihr die Temperaturen. 

 ED 03/2023 Kleines 1 x 1 der Erderhitzung (S. 10/11) 

CO2-Anstieg durch Menschen verursacht?

Der Nachweis, dass die erhöhten CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre tatsächlich von Menschen verursacht sind, erfolgt hauptsächlich über zwei Methoden: die Messung der Anteile von Kohlenstoffisotopen sowie der atmosphärischen Sauerstoffkonzentration. Bei der Isotopenmessung wird das Verhältnis zweier verschiedener Typen von Kohlenstoffatomen (Isotope) bestimmt, die in CO2-Molekülen auftreten können: 13C und 12C, wobei die Zahl die Masse des Atoms charakterisiert. Fossile Brennstoffe zeichnen sich durch ein geringes Verhältnis zwischen 13C und 12C aus. Wenn sie also verbrannt werden, sinkt auch das Isotopenverhältnis in der Atmosphäre, was den Schluss nahelegt, dass der Kohlenstoff nicht aus anderen Quellen (etwa Vulkanen) stammen kann.

Außerdem lässt sich durch genaueste Messungen der Sauerstoffkonzentration zeigen, dass das zusätzliche Kohlendioxid in der Atmosphäre aus Verbrennungsprozessen stammen muss. Bei einer Verbrennung von organischen Materialien wie Kohle, Öl oder auch Biomasse wird reiner Sauerstoff im CO2-Molekül gebunden, die Sauerstoffkonzentration in der Luft nimmt damit in einem festen Verhältnis zur CO2-Zunahme ab. 

Unsere Emissionen machen nur etwa 5 bis 6 % der globalen CO2-Emissionen aus. Obwohl das gering erscheinen mag, reicht dieser Betrag aus, um die globale CO2-Konzentration ansteigen zu lassen und die Erde aufzuheizen. Denn die 5 bis 6 % kommen jedes Jahr obendrauf und stören das Gleichgewicht. Man könnte einen Vergleich ziehen zur Zinszahlung für einen Hauskredit. Da machen 5 bis 6 % den entscheidenden Unterschied, ob man sich das Haus leisten kann oder nicht. 

Fakten zum Klimawandel

In der öffentlichen Diskussion ist wahrzunehmen, dass es Menschen gibt, die den Klimawandel nicht als Fakt und wissenschaftlichen Konsens betrachten, sondern meinen, der Klimawandel sei eine kontrovers und politisch zu diskutierende These. Energiedepesche-Leser Georg Nowak hat diesen Irrtum, der teilweise auch auf unseren Leserbriefseiten anzutreffen ist, zum Anlass genommen, eine wissenschaftlich-physikalische Faktensammlung zusammenzustellen.
 

(10. August 2021) Wir Menschen haben aus psychologischer Sicht interessante Verhaltensmuster entwickelt. Sobald wir einzelne Teilaspekte einer Sachfrage verstanden haben, neigen wir zur Selbstüberschätzung und meinen trotz objektiver Unwissenheit Gesamtzusammenhänge und komplexe Systeme vollends verstanden zu haben. Bestehende Wissenslücken gleicht unser Gehirn mit naheliegenden Vermutungen aus, sogenanntem „scheinbaren Wissen“, das wir fälschlich für echte Fakten halten. Kurz gesagt, wir neigen dazu, unsere eigene Kompetenz zu überschätzen und sind zugleich nicht in der Lage, unsere tatsächliche Inkompetenz zu erkennen – man spricht vom sogenannten „Dunning-Kruger-Effekt“. Unabhängig davon versuchen bestimmte Interessengruppen die öffentliche Meinung in der Klimawandelfrage zu lenken. Darüber berichtete Ihnen bereits Dr. Eva Stegen in „Marionetten der Fossilwirtschaft“. Diese Hintergründe der Klimawandelleugnung sollen daher im Folgenden nicht weiter beleuchtet werden, sondern die physikalischen Hintergründe des anthropogenen – daher vom Menschen verursachten – Klimawandels.

Eingeständnisse

Selbst Naturwissenschaftler, sogar promovierte Physiker, können bestimmte Teilaspekte übersehen, sodass der wirklich springende Punkt niemandem auffällt. Im Rahmen wissenschaftlicher Publikationen sollen derartige Fehler durch den sogenannten „Peer-Review-Prozess“ auffallen, in dessen Rahmen vor der Veröffentlichung Stellungnahmen anderer Wissenschaftler aus der gleichen Fachrichtung eingeholt werden. Dies funktioniert jedoch nicht immer: Eine Streitschrift von Gerlich und Tscheuschner, die im renommierten „International Journal of Modern Physics“ aufgrund falscher Annahmen behaupteten, den Treibhauseffekt gäbe es nicht, war vor gut zehn Jahren ein ziemlicher Flop des Peer-Review-Prinzips. Genau diese Publikation dient jedoch auch heute noch als Referenz für Klimawandelskeptiker.

Es gibt jedoch auch den umgekehrten Effekt: Forscher des Energiekonzerns ExxonMobil bestätigten in den 1970er Jahren in einem unternehmensinternen Forschungsprojekt den Klimawandel sowie den Einfluss der firmeneigenen Produkte auf den Klimawandel und untersuchten die sich daraus ergebenden unternehmerischen Gefahren. Diese Forschungsergebnisse wurden gezielt vor der Öffentlichkeit verborgen und erst vor wenigen paar Jahren aufgedeckt.

Stoffkreislauf

Dass ausgerechnet über Kohlenstoffdioxid (kurz „Kohlendioxid“ oder „CO2“) geredet wird, das ein unvermeidliches Verbrennungsprodukt der heutigen Industriegesellschaft ist, ist logisch: Die Natur hat eine Tendenz zum Einhalten von Gleichgewichten. Aus natürlichen Quellen treten ständig irgendwelche Gase aus; diese Gase werden aber auch ständig wieder gebunden und abgebaut. Wasserdampf steigt auf und fällt irgendwann als Regen auf den Boden. Kohlenstoff lagert vor allem in Carbonatgestein, der Kohlenstoffkreislauf wird in langen Zeiträumen über Wettervorgänge geschlossen. Kohlendioxid ist jedoch im Vergleich mit anderen Gasen in der Atmosphäre sehr stabil. CO2 reagiert auf elektromagnetische Strahlung. Darum wird es im Folgenden vor allem gehen, wenn auch das dargestellte Prinzip für jedes Gas gelten kann. (Wikipedai: Kohlenstoffzyklus)

Hohe Wirksamkeit

Der Mensch greift bei der Verbrennung von fossilem Kohlenstoff, der vor zigmillionen Jahren in der Erde abgelagert wurde, in das natürliche Gleichgewicht ein. Unser Zeitalter ist gekennzeichnet von Geräten, die nur durch Energiezufuhr funktionieren. Manche Argumente laufen dennoch darauf hinaus, dass Kohlendioxid „nur“ in einer Konzentration von 400 ppm vorliegt – also 400 Teilchen auf eine Million Luftteilchen, oder anders ausgedrückt: Der Volumenanteil liegt bei 0,04 Prozent. CO2 ist dennoch ein bedeutendes Treibhausgas, denn es absorbiert und emittiert Infrarotstrahlung in unserer Atmosphäre. Dass die geringe Prozentzahl dabei nicht über die Bedeutung hinwegtäuschen sollte, zeigt ein Blick aus dem Fenster: Die grünen Pflanzen, die Sie in der Natur sehen, sind ein Resultat der auf CO2 basierenden Photosynthese.

Strahlung und Materie

Alle Energie, die im Folgenden erwähnt wird, kommt ursprünglich als elektromagnetische Strahlung von der Sonne. Diese elektromagnetische Strahlung lässt sich sowohl durch Teilchen wie durch Wellen beschreiben, wobei die Teilchen Photonen genannt werden. Die Energiemenge von Photonen lässt sich auch als Wellenlänge, Frequenz oder Wellenzahl ausdrücken. Das Licht der Sonne dringt dabei großenteils durch die Atmosphäre auf die Erde und trifft hier auf den Erdboden und das Ozeanwasser.

2712 Schattenbild/Silhouette einer Industrieanlage / Foto: Thaut Images / stock.adobe.com

Würde die Erde die eingestrahlte Energie vollständig absorbieren, würde alles Leben binnen kürzester Zeit den Hitzetod sterben. Die wichtigste Bedingung für die Existenz von Leben auf der Erde ist daher ein Gleichgewichtszustand, in dem die Erde so viel Energie in das Weltall abgibt, wie sie von der Sonne aufnimmt. Weil die Gase der Atmosphäre jedoch auch einen Teil der Energiemenge aufnehmen, kann man die Bedingung erweitern zu: Das System „Erde+Atmosphäre“ muss im Gleichgewichtszustand so viel Energie nach außen abgeben, wie ihm durch die Sonne zugeführt wird. Erde und Atmosphäre tauschen natürlich auch untereinander Energie aus. Wie dies geschieht, also ob durch Wärmestrahlung und/oder Konvektion, ist eine „innere Angelegenheit“ des Systems Erde+Atmosphäre, die in der Wissenschaft der Meteorologie behandelt wird. Bei unserer grundsätzlichen Frage der Klimaerwärmung geht es aber weniger um das Wetter, sondern das Gleichgewicht der eingestrahlten Sonnenenergie und der Energie, die aus dem System Erde+Atmosphäre wieder austritt.

Wärmestrahlung wird jedoch nicht nur von der Sonne abgegeben. Auch die durch die Sonne erwärmten Festkörper, Flüssigkeiten und Gase geben ihrerseits Wärmestrahlung ab. Die Wärmestrahlung, die von einer Fläche auf der Erde ausgeht, entspricht dabei der lokalen Temperatur der Fläche. Auch die aus Gasen bestehende Atmosphäre strahlt Photonen aus, jedes Volumenelement entsprechend seiner Temperatur. Wichtig dabei: Die Erdoberfläche strahlt nur nach oben ab; die Atmosphäre dagegen ringsum, also nach oben, nach unten und seitwärts, wie bereits Albert Einstein vor über einem Jahrhundert analysiert hat. (Wikipedia: Spontane Emission)

Treibhauseffekt

Erdoberfläche und Atmosphäre tauschen untereinander Energie aus – als Gesamtsystem müssen sie aber Energie nach außen loswerden, um nicht zu kochen. Die Erdatmosphäre verliert dabei nur sehr wenig Materie mit zugehöriger Energie in den Weltraum. Der größte Anteil der Energieabgabe des Systems Erde+Atmosphäre in den Weltraum erfolgt auf dem gleichen Weg, wie diese Energie von der Sonne zur Erde gelangt ist: über Strahlung. Je durchlässiger die Atmosphäre für Wärmestrahlung ist, desto kühler wird das System Erde+Atmosphäre. Je undurchlässiger die Atmosphäre für Wärmestrahlung ist, desto wärmer wird die Erde samt Atmosphäre. Der Begriff „Treibhauseffekt“ beschreibt also den Umstand, dass Wärmestrahlung in das System Erde+Atmosphäre eindringt und im System gehalten wird.

Rückstrahlfähigkeit

Würde die ankommende Lichtenergie vor Eintritt in das System Erde+Atmosphäre reflektiert, würde sich die Erde gar nicht über eine niedrige Grenztemperatur erwärmen. Wäre die Erde völlig schwarz, würde sich eine sehr hohe Gleichgewichtstemperatur einstellen. Die Albedo, so nennt man die „Weißheit“ und damit die Rückstrahlfähigkeit eines Körpers, ist also mitentscheidend für die Erdtemperatur. Die Wolkenoberseite als auch die Eisflächen der Pole, Grönlands, der Gletscher und hellere Flächen auf der Erdoberfläche mit ihrer großen Albedo wirken kühlend. Meeresoberflächen haben dagegen eine besonders kleine Albedo und damit eine geringe Rückstrahlung von Sonnenlicht. Ebenso senken Rußteilchen auf großen Eisflächen und Straßen mit Asphaltdecke die Albedo der Erde. Eine Verminderung der Albedo gegenüber einem ursprünglichen Zustand trägt somit zur Verstärkung des Treibhauseffekts genauso bei wie das nachfolgend beschriebene Geschehen in der Atmosphäre. Der Klimawandel ist eine Verminderung der Fähigkeit, Strahlung aus dem Erde+Atmosphäre-System loszuwerden.

Wärmestrahlungsbilanz

Die Erdoberfläche absorbiert Sonnenstrahlung und sendet im Gegenzug Wärmestrahlung im Infrarotbereich aus. Das breite Spektrum umfasst Wellenlängen ab etwa 5 bis 50 µm mit einem Maximum bei etwa 10 µm. Die Atmosphäre ihrerseits emittiert ebenfalls Wärmestrahlung in Richtung Erde und in Richtung Weltraum. Lediglich geringe Teile der irdischen Wärmestrahlung werden auf dem Weg in den Weltraum nur geringfügig geschwächt. Diese Spektralbereiche heißen „Atmosphärische Fenster“. Das Wichtigste in diesem Zusammenhang liegt zwischen etwa 8 und 13 µm Wellenlänge.

Zusammenfassend lässt sich feststellen:

  • Lichtstrahlung von der Sonne trifft auf das System Erde+Atmosphäre
    • Ein kleinerer Teil dieser Strahlung wird in Abhängigkeit von der Rückstrahlfähigkeit reflektiert
    • – Ein größerer Teil wird von der Atmosphäre und auf der Erde absorbiert
  • Wärmestrahlung wird von der Erde in Richtung Weltraum abgegeben
    • Ein kleinerer Teil dieser irdischen Strahlung verschwindet durch das Atmosphärische Fenster
    • Der größere Teil wird von der Atmosphäre absorbiert
  • Die Atmosphäre strahlt selbst in jeder Höhe entsprechend der lokalen Temperatur in jede Richtung
    • Ein Teil dieser Wärmestrahlung wird in den Weltraum entlassen
    • Der andere Teil tritt als Gegenstrahlung auf die Erde

Bei näherer Betrachtung lassen sich weitere Details erkennen:

  • Die Atmosphäre hat einen bestimmten Temperatur- und Druckverlauf – jeweils mit zunehmender Höhe abnehmend
  • Die bodennahe Atmosphärenschicht strahlt mit einer Temperatur nahe der Bodentemperatur
  • Die oberste Atmosphärenschicht strahlt mit der dortigen Temperatur
  • Bestimmte Atmosphärengase absorbieren einen Teil der Strahlung, die aus jeder Richtung kommt
  • Die absorbierenden Moleküle erwärmen ihre Umgebung
  • Ein durch Photonenabsorption erwärmtes Atmosphärenelement strahlt stärker

Aus diesen grundlegenden Erkenntnissen ergeben sich folgende weitergehende Fragen:

  • Welche Molekülarten der Atmosphäre absorbieren beziehungsweise emittieren welche Anteile der irdischen Wärmestrahlung?
  • Was hat die Konzentration einer Molekülart mit der Strahlungsintensität zu tun?
Molekülschwingungen

Moleküle bestehen aus Atomen und diese wiederum aus positiv geladenen Atomkernen und negativ geladenen Elektronen wobei sich die Elektronen in fest definierten Bahnen um die Kerne bewegen. Die Atome von Molekülen können sich auch relativ zueinander bewegen – aufeinander zu oder voneinander weg. Den fest definierten Bahnbewegungen und Molekülschwingungen entsprechen festen Energieniveaus. Wir betrachten für unseren Ausflug in die Klimawandelgrundlagen unserer Atmosphäre im Folgenden vor allem solche Moleküle, die Dipole bilden können. Dipole reagieren nämlich auf elektromagnetische Strahlung wie unser Sonnenlicht und die Wärmestrahlung der Erde.

Ein Wechsel der Elektronenbahnen und der Molekülschwingungen ist immer mit der Aufnahme oder Abgabe einer Portion Energie verbunden. Bei allen elementaren Vorgängen der Energieabgabe oder Energieaufnahme werden Photonen bestimmter Energie/Frequenz/Wellenlänge/Wellenzahl erzeugt oder absorbiert. Die Wellenlängen, die den Wechseln zwischen Energiezuständen entsprechen, werden im folgenden Hauptlinien genannt. Für einzelne dipolfähige Moleküle stehen die Schwingungseigenschaften sogar in der Wikipedia: Die CO2-Hauptlinie liegt bei etwa 15 μm. Absorptionsspektren werden in Datenbanken wie HITRAN geführt und in Simulationsprogrammen wie Spectraplot genutzt.

Absorption

Tatsächlich sind die Moleküle ständig in Bewegung. Sie stoßen einander an und ändern damit ihre Richtung sowie Geschwindigkeit. Die statistisch verteilten Geschwindigkeiten und Stöße der Moleküle lassen sich mit den physikalischen Größen Temperatur und Druck beschreiben. Passiert elektromagnetische Strahlung die Atmosphäre erfolgt durch die unterschiedlichen Bestandteile der Luft eine unterschiedlich starke Aufnahme von Energie. Die Absorption wiederum erfolgt – je nach Gas – in unterschiedlichen Bereichen des Spektrums. Die Bewegungen und Stöße der Moleküle verändern die Absorptionslinien zu breiten Absorptionsbanden.

Mit zunehmender Höhe über dem Erdboden verteilen sich die Luftmoleküle auf einen größeren Raum bei geringerer Anziehung durch die Erde. Die Moleküle haben mehr Platz zur Verfügung, stoßen seltener aufeinander und haben geringere Geschwindigkeiten. Das führt mit zunehmender Höhe zu sinkender Temperatur, sinkendem Druck und sinkender Absorption. Die Wärmestrahlung der Erde, die – über große Bodenflächen gemittelt – ein gleichmäßiges Spektrum besitzt, wird nur in einem Teil des Spektrums, dem schon erwähnten „Atmosphärischen Fenster“, durch keines der in der Atmosphäre vorkommenden Gase stark absorbiert. Der größere Teil der Strahlung wird hingegen durch die Gase in der Atmosphäre unterschiedlich stark absorbiert.

Optische Dicke

Mit dem Begriff der „optischen Dicke“, einer einfachen Zahl, wird angegeben, wie stark ein Medium eine bestimmte Strahlung absorbiert. Die Ausdrucksweise „bestimmte Strahlung“ soll darauf hinweisen, dass für verschiedene Anteile der Strahlung unterschiedliche optischen Dicken gelten können. Die symbolische Abkürzung für die optische Dicke ist „Tau“ (τ). Je größer Tau, desto weniger Strahlung kommt am Ende einer Schicht heraus. Bei Tau = 1 werden rund 63 Prozent absorbiert, bei Tau = 2 sind es rund 87 Prozent und bei Tau = 5 rund 99,4 Prozent.

Ein Beispiel: Wenn eine Nebelwand für Licht eine optische Dicke von Tau = 5 hat, sind auf der anderen Seite nur noch etwa 0,6 Prozent zu sehen. Genauso ist es in der Atmosphäre: Wenn die strahlungswirksame Atmosphäre für die Hauptabsorptionslinie eines Gases die optische Dicke Tau = 5 hat, wird die Photonenenergie eines Ausgangsstrahls nahezu komplett in Wärme umgesetzt. Entscheidend für die Stärke des Treibhauseffekts ist die Gesamtabsorption aller Spektralbereiche in der Atmosphäre.

Wirkung von CO2

Zur Bestimmung von Tau für verschiedene Spektrallinien können wir die bereits genannte Seite Spectraplot verwenden. Zum leichteren Verständnis bietet es sich an, nicht die genauen Werte von Tau zu vergleichen, sondern den Lichtweg zu betrachten, nach dem Tau = 1 erreicht wird. Je weiter ein Lichtstrahl hierbei kommt, umso weniger trägt er zum Treibhauseffekt bei.

Eine Beispielsimulation mit dem Gas CO2 auf der Wellenlänge 14.095 μm (nahe der 15-μm-Hauptabsorptionslinie) in der heutigen Konzentration von 400 ppm: Am Boden und bei einer Temperatur von 300 Kelvin (rund 27 °C) ist Tau = 1 nach 550 m erreicht, in 6.100 m Höhe (-24,6 °C, 466 hPa) erst nach einer Strecke von 4.200 m. Erhöhen wir die Konzentration von CO2 beispielhaft auf 800 ppm, wird Tau = 1 am Boden bei 300 K bereits nach 280 m erreicht und in 6.100 m Höhe (-24,6 °C, 466 hPa) nach 2.100 m. Hier zeigt sich auf den ersten Blick, dass ein höherer CO2-Wert in der Atmosphäre zu einer stärkeren Aufheizung der Atmosphäre durch die von der Erdoberfläche ausgehende Wärmestrahlung führt; einerseits werden die sowieso schon stark absorbierenden Hauptlinien noch stärker, andererseits werden die zuvor schwach absorbierenden Bandenbereiche stärker. Insgesamt wird mehr Wärmestrahlungsenergie in der Atmosphäre absorbiert. Kurzum: Das System Erde+Atmosphäre wird mit steigendem CO2-Anteil in der Atmosphäre stärker erwärmt und kann gleichzeitig durch eine stärkere Gegenstrahlung der Atmosphäre schlechter abkühlen – die Temperatur steigt.

2712 Garfik jährlichen Strahlungsbilanz des Systems Erde+Atmosphäre / Grafik: NASA, IqRS, Christoph S.

Sonderfall Flugverkehr

Die von hochfliegenden Flugzeugen erzeugten Kondensstreifen mit Rußeinschlüssen oberhalb der höchsten Wolkendecke (Tropopause) sind problematisch. Selbst wenn die Streifen sich verteilen, sorgen die verbleibenden Kondensstreifen-Zirren für eine Bedeckung des Himmels von bis zu zehn Prozent, wie eine Studie des DLR für den Bereich über Europa herausgefunden hat. Diese Zirren stellen nur ein schwaches Hindernis für das ankommende Sonnenlicht dar, streuen jedoch das eintreffende Licht in viele Richtungen und reflektieren nachts die von der Erde ausgehende Wärmestrahlung besonders gut. Licht wird zudem teilweise von den Wassermolekülen absorbiert, die sich dadurch erwärmen. Die DLR-Studie kommt im Ergebnis zu dem Schluss, dass die aus den Kondensstreifen von Flugzeugen entstehenden Zirren einen stärkeren Effekt auf die Erderwärmung haben als das von den Flugzeugen ausgestoßene CO2.

Klimagase

Seit Beginn des industriellen Zeitalters wird die Zusammensetzung der Atmosphärengase jedoch nicht nur im Hinblick auf die CO2-Konzentration verändert. Einerseits wurden diverse anthropogene Gase wie beispielsweise Fluor- und Chlorverbindungen neu in die Atmosphäre eingeleitet, zum andern wurde der Anteil vorhandener natürlicher Gase verstärkt. Dazu zählen beispielsweise Methan insbesondere in der Landwirtschaft und Wasserdampf durch den Flugverkehr in großen Höhen. Die Mengen an hinzugekommenen treibhausrelevanten Gasen können berechnet werden. Die mittlere Lebenszeit und die genauen Spektren der Gase sind ebenfalls bekannt. Die genannten Simulationsprogramme ermöglichen Analysen, welches Gesamtspektrum und welche emittierte Strahlungsintensität zu erwarten sind. Dabei ergeben sich interessante Erkenntnisse: Methan ist beispielsweise 25-mal wirksamer als CO2, einige Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW) sogar bis zu 14.800-mal so effektiv wie CO2. Die letztgenannten Stoffe sind bereits in kleinsten Mengen so schädlich, dass Lecks in einzelnen industriellen Fertigungsstätten detektierbar sind (siehe „Illegale FCKW-Freisetzungen“). Nur weil es „stärkere Gifte“ gibt, sollte man jedoch nicht vergessen, dass der Einfluss von CO2 für den Treibhauseffekt und den Klimawandel entscheidend ist.

Gesamtbetrachtung

Was in diesem Artikel am Beispiel CO2 rechnerisch demonstriert wurde, ließe sich auch mit anderen Gasen machen. Tatsächlich ergänzt sich die Wirkung aller Gase durch ihre ineinander verschachtelten Spektren. Unter bestimmten Umständen dominiert aber das eine oder das andere Gas. Es gibt auch keinen linearen Zusammenhang zwischen Gaskonzentration und Temperatursteigerung.

Ein zukünftig mitentscheidender Einflussfaktor wird die Erwärmung der Arktisregion sein. Die großen Vorkommen von Methanhydrat in den arktischen Schelfgebieten und von Methangas in Permafrostböden stellen wesentliche Kippelemente dar, bei deren Freisetzung es schwierig bis unmöglich sein wird, eine katastrophale Entwicklung noch aufzuhalten.

Wenn Sie selbst die Absorptionswirkung relevanter Klimagase nachvollziehen möchten, können Sie neben der Seite Spectraplot auch eine Klimasimulation der Universität Chicago für verschiedene Erdregionen mit unterschiedlichen Gaskonzentrationen durchführen.

Nach einer Vorlage von Georg Nowak

Dieser zusammenfassende Artikel wurde auf Basis eines Leserbriefes von Georg Nowak durch Louis-F. Stahl für die Energiedepesche erstellt

letzte Änderung: 12.02.2024