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Intelligente Zähler
Smarter Rollout in Frankreich
(10. Dezember 2011) Ab 2013 würden 35 Mio französische Haushalte kostenlos mit Smart Meter ausgestattet, kündigte das dortige Ministerium für Industrie, Energie und Digitalwirtschaft an. Finanziert werde das mit 4,3 Mrd Euro vom französischen Netzbetreiber ERDF, einer EdF-Tochter.
Kunden erhielten eine systematisch erstellte Abrechnung auf Grundlage des tatsächlichen Stromverbrauchs, eine Abrufmöglichkeit der monatlichen Verbrauchsdaten der letzten zwei Abrechnungsjahre, eine Warn-SMS bei Überschreitung des vereinbarten maximalen Verbrauchs und eine persönliche Beratung durch den Stromanbieter auf der Grundlage der Informationen.
Neues von den Tausendsassas
Über kein anderes Thema diskutiert die Versorgungswirtschaft derzeit so intensiv wie über intelligente Zähler. Bei Verbrauchern ist das Thema noch gar nicht recht angekommen. Wir informieren über die aktuelle Debatte.
(13. September 2010) Die meisten Verbraucher haben sich mit intelligenten Zählern bislang kaum beschäftigt. Das verwundert nicht, denn diese Geräte sind weder im Geschäft erhältlich, noch werben Versorger mit diesem Service. Im Gegenteil: Obwohl jeder Netzbetreiber seit Jahresanfang einen solchen Zähler einbauen muss, wenn der Kunde dies wünscht, ist dies in der Praxis schwer durchzusetzen. Zwar kann man den Messstellenbetreiber frei wählen, doch außer Yello bietet kein Anbieter die intelligenten Zähler tatsächlich an.

Vollautomatische Zählerproduktion bei der Firma Easymeter wird in Betrieb genommen.
Smart Meter helfen sparen
Für Verbraucher liegt der Vorteil der intelligenten Zähler auf der Hand: Sie eröffnen zeitnahe Erkenntnisse über den eigenen Stromverbrauch und helfen bei der Analyse des Bedarfs häufig genutzter Geräte und typischer Verbrauchsgewohnheiten. Intelligente Gaszähler ermöglichen es, den aktuellen Gasverbrauch zu ermitteln. So können die Bewohner zum Beispiel die Wirkung geschlossener Fensterläden, gekippter Fenster, geringerer Heiztemperatur und veränderter Taktung des Brenners überprüfen.
Intelligente Zähler für clevere Verbraucher
Intelligente Zähler ermöglichen es zudem, zeit- oder lastvariable Tarife zu nutzen. So können Verbraucher besonders stromintensive Geräte während preiswerterer Tarifzeiten betreiben oder Geräte, die nicht unbedingt im Dauerbetrieb laufen müssen wie den Eisschrank während teurer Zeiten ausschalten. Wer einen eigenen Pufferspeicher für Strom besitzt, ein Elektroauto laden möchte oder wählen kann, ob er selbst produzierten Strom selbst verbrauchen oder ins Netz einspeisen will, profitiert ebenfalls vom Smart Meter. Möglich ist es auch, dass der Netzbetreiber Geräte und Heizung schaltet oder Pufferspeicher wie den Kühlschrank als Regelenergie nutzt.
Folgende Möglichkeiten gibt es für Zähler in Privathaushalten:
- Bei derzeitigen Stromzählern handelt es sich meist um Modelle mit einer sich drehenden Scheibe, die sogenannten Ferraris-Zähler. 42 Millionen Haushalte in Deutschland sind mit einem solchen Zähler ausgestattet. Zu 29 Millionen Zählern kommt der Ableser des Netzbetreibers, eine Millionen Verbraucher geben die Werte in ein Internetportal ein, ebenso viele geben die Messwerte per Telefon durch. Und fast elf Millionen Verbraucher lesen die Werte ab und schicken sie per Post an den Netzbetreiber. Für Gas sind sogenannte Balgengaszähler üblich.
- Elektronische Basiszähler können den bisherigen Ferraris-Zähler ersetzen. Neben dem laufenden Verbrauch zeigt er den Verbrauch der letzten 24 Stunden, der letzten sieben Tage sowie der letzten 30 Tage. Zusätzlich hat der Zähler zwei Schnittstellen zum Auslesen der Daten sowie zwei Tarifregister, denen die Verbräuche zugeordnet werden können. Ein solcher Zähler wird in Anlehnung an die Energiedienstleistungsrichtlinie und den § 21 b des Energiewirtschaftsgesetzes als EDL-21-Zähler bezeichnet. Die Anforderungen der Bundesnetzagentur an den Basiszähler, den sogenannten BNA-Zähler sind geringer, als die von der Versorgungswirtschaft konzipierten EDL21-Zähler.
- Home-Display: Ein gut sichtbares Anzeigegerät im Wohnbereich stellt die Verbrauchswerte dar.
- Intelligente Systeme können die Messdaten zusätzlich über das Stromnetz oder das Internet an den Netzbetreiber übermitteln.
- Integrierter Tarifrechner: Diese Zähler berücksichtigen unterschiedliche Energietarife zu verschiedenen Tageszeiten. Dies ermöglicht es, den jeweils günstigsten Tarif zu wählen beziehungsweise den Verbrauch, falls möglich, zeitlich zu verlagern. Damit können Smart Meter helfen, Geld zu sparen.
In der Diskussion geht es nun darum, wie schnell die verschiedenen Systeme in Deutschland eingeführt werden sollten und ob eine gesetzliche Verpflichtung zum Austausch der bestehenden Zähler geschaffen werden sollte.
Derzeitige Gesetzeslage
Der Gesetzgeber verpflichtet seit Anfang 2010 die Netzbetreiber dazu, intelligente Zähler in neue Gebäude einzubauen und auch auf Anfrage jedem Verbraucher anzubieten (§ 21b EnWG). Diese Verpflichtung gilt unmittelbar. Gleichwohl war bis vor kurzem nirgendwo festgelegt, was ein intelligenter Zähler eigentlich ist. Der Gesetzestext spricht von „Messeinrichtungen, die dem jeweiligen Anschlussnutzer den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln". Die Bundesnetzagentur hat in einem Positionspapier vom 23. Juni 2010 nun endlich konkretisiert, wie dieser sehr vage Text zu verstehen ist und was ein solcher intelligenter Zähler alles können muss (BNA-Zähler). Im Wesentlichen sind es die oben zum Basiszähler genannten Fähigkeiten.
Zusätzlich legt § 40 Abs. 3 EnWG fest, dass bis zum 30. Dezember 2010 Energieversorger einen Tarif anbieten müssen, der zur Einsparung oder Steuerung des Verbrauchs anreizt, also zum Beispiel einen tageszeitabhängigen Tarif wie der bekannte Tag/Nachtstromtarif. Der entsprechende Zähler hat die Bezeichnung EDL40.
Bericht der Bundesnetzagentur
Die Bundesnetzagentur hat am 10. März 2010 für das Bundeswirtschaftsministerium einen ausführlichen Bericht zur Zukunft der digitalen Zähler und variabler Tarife verfasst.
Wenig Bewegung am Markt
Die Gutachter folgern, dass die derzeitigen gesetzlichen Regelungen den flächendeckenden Einsatz elektronischer Zähler behindern - unter anderem, weil verbindliche Standards fehlen. Freie Messstellenbetreiber fürchten wirtschaftliche Risiken, weil die Netzbetreiber alle Messstellen in der Hand haben.
Die Einführung zeitvariabler Tarife hingegen scheitert derzeit an der vorherrschenden Verwendung von Standard-Lastprofilen, also über alle Verbraucher gemittelten Verbrauchscharakteristiken. Die Experten gehen daher davon aus, dass sich zunächst die Rahmenbedingungen ändern müssen, damit sich die digitalen Zähler durchsetzen. Andernfalls werden bestenfalls 20 Prozent der Haushaltskunden in den kommenden zehn Jahren von den smarten Zählern profitieren können.
Dreh- und Angelpunkt: das Display
Darüber hinaus geben die Gutachter zu bedenken, dass allein der Einstz von elektronischen Basiszählern ohne weitere Zusatzfunktionen zu keinem wesentlichen Einspareffekt führt: Erst ein informatives und einfach zugängliches Display für Kunden ermöglicht Einsparungen von etwa fünf Prozent.
Zahlreiche Pilotprojekte und Befragungen zeigen, dass Verbraucher durchaus für die neue Technik zu begeistern sind und sogar bereit wären, dafür mehr zu bezahlen. Sie müssen allerdings die Gewissheit haben, dass sie vollständig informiert werden und dass nicht an ihren Interessen vorbei gehandelt wird.
So denken Verbraucher
Das Forsa-Institut hat in den vergangenen Monaten zwei Verbraucherbefragungen zu modernen Zählern durchgeführt: Eine in Zusammenarbeit mit Accenture, eine für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Die Verbraucher haben erstaunlicherweise in der Untersuchung für die Versorgungswirtschaft deutlich positiver zu intelligenten Zählern Stellung bezogen als für die VZBV. Acht von zehn Haushalten wünschen laut Accenture den Einbau eines intelligenten Zählers. Sie erhoffen eine Unterstützung beim Energiesparen.
In der VZBV-Studie ist der Begriff Smart Meter weitgehend unbekannt, immerhin haben 52 Prozent schon einmal etwas von digitalen Stromzählern gehört. Aber auch hier können sich 72 Prozent die Nutzung eines digitalen Zählers gut vorstellen. Nur jeder Fünfte ist grundsätzlich skeptisch. 71 Prozent finden in der VZBV-Umfrage die Einführung digitaler Zähler gut. Sie erwarten, dass sie dadurch ihren Verbrauch um sechs bis zehn Prozent verringern können. 27 Prozent meinen gar, sie könnten ihren Verbrauch um mehr als zehn Prozent drosseln. Für einen nach und nach stattfindenden kostenlosen Austausch der Ferraris-Zähler durch digitale Basiszähler sprechen sich 54 Prozent der Befragten aus, 18 Prozent bevorzugen eine kostenpflichtige Installation auf Kundenwunsch, so wie es das Gesetz derzeit vorsieht. Hauptbedenken sind mögliche Tariferhöhungen und mangelnder Datenschutz.
Die Accenture-Studie ist nachzulesen in Energiewirtschaftliche Tagesfragen, Heft 4/2010, Seiten 38- 40.
Soll der Staat also die neuen Zähler flächendeckend anordnen? Die Experten warnen vor einem solchen Rollout: Weil die Verbraucher die damit verbundenen Mehrkosten tragen müssen, könnte dies dazu führen, dass die Zähler auf Vorbehalte stoßen und die Kunden mögliche Einsparpotenziale deshalb nicht nutzen. Allerdings gibt es Zählerhersteller, die einen elektronischen Basiszähler mit den von der Netzagentur geforderten Fähigkeiten schon für etwa 45 Euro anbieten (Easy-Meter Q3D). Gegenüber den Kosten für einen Ferrariszähler von rund 35 Euro sind die Mehrkosten überschaubar und dürften bei sehr großen Stückzahlen noch deutlich geringer ausfallen.
Die Gutachter empfehlen Folgendes:
- Es sollte vorgeschrieben werden, ab 2012 in größerem Umfang nur noch moderne Zähler neu einzubauen. Das gilt insbesondere bei ohnehin anstehenden Zählererneuerungen.
- Es gilt, Anreize zu schaffen, damit die Unternehmen von sich aus Strategien für einen umfassenden Rollout entwickeln, also den Ersatz bisheriger durch moderne Zähler.
- Die Zähler sollten so konstruiert sein, dass sie die Energieverbrauchswerte im Viertelstundentakt messen und speichern. Experten nennen dies Zählerstandsgangerfassung. Das erleichtert zeitvariable Tarife und sinnvolle Anwendungen für moderne Messsysteme.
- In zwei Testregionen sollen jeweils flächendeckend intelligente Zähler eingesetzt werden. In einer Region mit einem elektronischen Basiszähler und in einer zweiten Region mit Messwertfernübertragung und Auswertung.
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