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Mogelpackung bei Ökostrom

Greenpeace-Studie zu Ökostrom

(15. April 2009) Die Umweltorganisation Greenpeace hat vor Mogelpackungen beim Ökostrom gewarnt. Unter diesem Namen würden zahlreiche Produkte angeboten, die das Prädikat nicht verdienten, so Greenpeace.

Zu diesem Ergebnis sei eine im Auftrag von Greenpeace erstellte Studie des Energiewissenschaftlers Uwe Leprich von der Hochschule Saarbrücken gelangt. Viele Ökostrom-Geschäftsmodelle der Energiekonzerne basierten lediglich auf dem Handel mit Herkunftsnachweisen wie RECS-Zertifikaten.

Dabei kaufe ein EVU z.B. in Skandinavien billige Zertifikate für Öko-Strom aus Wasserkraft, nicht jedoch den Strom selbst. In Deutschland werde dann der konventionelle Strom mit den Zertifikaten zu Öko-Strom umdeklariert.

Die Studie nennt zwei Kriterien für echte Ökostrom-Angebote: Investitionen des Stromanbieters in neue Ökokraftwerke und detaillierte Informationen über die tatsächliche Herkunft des Stroms.

Zudem empfiehlt sie die Einführung eines einheitlichen Labels für Ökostromprodukte. Das heutige Nebeneinander verschiedener Zertifikate sei zu verwirrend. Die Studie kann unter www.greenpeace.de heruntergeladen werden.

Zusammenfassung aus der Studie

„Ökostrom“ ist ein Produkt, das das Bedürfnis der Kunden nach als 'ökologisch korrekt eingeschätztem Strom' befriedigen soll. Da eine Produktdifferenzierung eines an sich homogenen Gutes vom Kunden selbst nicht nachempfunden oder überprüft werden kann, lässt sich Ökostrom als „Vertrauensgut“ charakterisieren, das auf einem Vertrauensvorschuss gegenüber dem Anbieter basiert.

Im wissenschaftlich strengen Sinne wird „ökologisch korrekter“ Strom in Anlagen erzeugt, die wegen der Ökostrom-Nachfrage zusätzlich errichtet werden („nachfrageinduzierter Ökostrom“). Nur in diesem Fall ist gesichert, dass aus der Nachfrage ein ökologischer Zusatznutzen resultiert, insbesondere durch einen Beitrag zum Klimaschutz und zum Ausstieg aus der Atomenergie. Da diese Kausalität in der Realität jedoch schwer nachweisbar ist und Investitionsentscheidungen in aller Regel nach mehreren Kriterien gefällt werden, kann als „ökologisch korrekt“ in einem weniger strengen Sinne auch jener Strom angesehen werden, dessen Anbieter ausreichende Investitionen in den Neubau von „ökologisch korrekten“ Anlagen getätigt haben. Wenn es sich dabei allerdings um hochwirtschaftliche Investitionen handelt und das Nachfragekriterium überhaupt keine Rolle mehr bei der Investitionsentscheidung spielt - die Anlage also auch ohne jegliche Ökostromnachfrage errichtet würde - lässt sich ebenfalls kein ökologischer Zusatznutzen gegenüber dem Referenzfall ohne Ökostromnachfrage veranschlagen.

17_Ökostrom_zu_Unrecht
Ökostrom trägt seinen Namen oft zu Unrecht

Ökostrom, der „ohne Aufpreis“ verkauft wird und dadurch auch ohne Ökostromnachfrage als Egalstrom vermarktet werden könnte, bringt aktuell in den meisten Fällen keinen ökologischen Zusatznutzen und kann daher in aller Regel nicht als „ökologisch korrekt“ eingestuft werden. Das gilt insbesondere für Altanlagen wie z.B. Wasserkraftwerke, die vor der Strommarktliberalisierung im In- und Ausland errichtet wurden und ohnehin wirtschaftlich betrieben werden können.

Generell lässt sich zudem konstatieren, dass Ökostromangebote auf der Basis des Erwerbs von RECS-Zertifikaten aktuell und auf absehbare Zeit in aller Regel keinen ökologischen Zusatznutzen bewirken. Dies gilt auch für Angebote auf der Basis von Lieferverträgen aus bestehenden Altanlagen.

Der Verbraucher kann die Realisierung eines ökologischen Zusatznutzens durch seinen Ökostrombezug meist nicht selbst beurteilen. Diese Beurteilung können jedoch andere für ihn übernehmen, in dem sie z.B. formale und inhaltliche Qualitätsstandards erarbeiten und die Anbieter im Rahmen von Zertifizierungen periodisch überprüfen. Das derzeitige Nebeneinander von drei zertifizierenden Institutionen bzw. Dachorganisationen in Deutschland ist jedoch leider kaum geeignet, diese Beurteilung zu erleichtern.

Im Hinblick auf die Ziele des Klimaschutzes und einer nachhaltigen Energieversorgung werden Ökostromprodukte sowohl kurz- als auch mittelfristig einen im Vergleich zum EEG quantitativ nachgeordneten Beitrag leisten. Qualitativ jedoch tragen sie heute bereits zum Bewusstseinswandel in der Gesellschaft bei, geben Investoren Marktsignale und können Möglichkeiten darstellen, die bestehenden notwendigen Fördergesetze gezielt zu flankieren und weiter zu entwickeln.

Ziel sollte es sein, mit Ökostrom ein Premiumprodukt zu schaffen, das fraglos teurer sein wird als Egalstrom, das jedoch nachweislich einen ökologischen Zusatznutzen bewirkt und das von glaubwürdigen Unternehmen angeboten wird, die einen Umbau des gegenwärtigen Energiesystems und damit die Energiewende vorantreiben wollen.

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