Blackout in Städten und Köpfen
"Erst muss es dunkel werden, damit man anfängt, zu sehen".
(19. August 2003) Wie sicher ist Deutschlands Stromversorgung? Sommerliche Kraftwerksausfälle, Drohung von Stromabschaltungen, Blackout in den USA und der notwendige Kraftwerksneubau in Deutschland führen zu besorgten Fragen.
Der Bund der Energieverbraucher hat dazu Stellung bezogen: "Der Blackout zeigt uns unsere Grenzen. Zwar sind keine akuten Stromengpässe in Deutschland zu befürchten. Wir müssen dennoch erkennen, dass nur Investitionen in Energieeinsparung, dezentrale Stromerzeugung und erneuerbare Energien die Zukunft sichern können. Deutschlands Stromnetz ist überdimensioniert und überfinanziert", sagte der Vereinsvorsitzende Dr. Aribert Peters heute in Bonn in einem Interview.
Keine akuten Stromengpässe in Deutschland zu befürchten
Der höchste Stromverbrauch liegt in Deutschland an kalten dunklen Wintertagen vor Weihnachten. Selbst am Wintertag mit der höchsten Stromnachfrage (17.12.2001) wurden 83 GW nachgefragt. Die Kraftwerksleistung lag mit 105 GW um beruhigende 20 Prozent darüber. Ein akuter Erzeugungsengpass ist selbst an kältesten Wintertagen und erst recht nicht im Sommer zu befürchten.
Bei deutschen Strompreisen könnten USA jährlich 70 Mrd. $ mehr in Netze investieren
In den USA entfallen 70 Prozent des Strompreises ohne Steuern und Abgaben auf die Erzeugung und 30 Prozent auf die Übertragung. In Deutschland ist es genau umgekehrt.

Die Strompreise für Verbraucher betragen in Deutschland zehn Cent je Kilowattstunde ohne Steuern und Abgaben, in den USA dagegen nur sechs Cent. Mit diesen höheren Preisen, jährlich sieben bis zehn Milliarden Euro, ist in Deutschland in eine bessere Technik investiert worden. Der Ruf nach noch höheren Strompreisen für noch bessere und sicherere Technik entbehrt jeder Grundlage.
Für die Stromnetze zahlt jeder deutsche Haushaltskunde sieben Cent je Kilowattstunde im Schnitt, ohne Steuern und Abgaben. In den USA schlagen die Netze nur mit zwei Cent zu Buche. Würde in Deutschland für die Netznutzung nur zwei Cent berechnet, dann könnten jährlich sieben Milliarden Euro weniger in die Netze investiert werden. Wäre die Netznutzung in den USA so teuer wie in Deutschland, so könnte man dort jährlich 70 Milliarden Dollar mehr in die Stromnetze investieren.
Deutsche Stromnetze sind überbezahlt
Im Schnitt aller EU-Länder liegen die Netznutzungsentgelte um fast vier Cent unter dem deutschen Niveau, ohne dass in der übrigen EU die Versorgungssicherheit wesentlich höher ist. Die anstehende Senkung der in Deutschland weit überhöhten Netznutzungsentgelte gefährdet die Versorgungssicherheit in keiner Weise, wie das Beispiel der übrigen EU-Länder zeigt. Die deutschen Haushaltskunden haben jahrzehntelang durch ihre hohen Strompreise ein sehr gutes und sicheres Netz finanziert. Nun dürfen sie auch die entsprechende Sicherheit genießen.
Europäisches Verbundnetz verwundbar
Das Europäische Verbundnetz spannt sich über den ganzen Kontinent. Auch wenn es bisher noch keine größeren Störungen gab, sind Ausfälle durch technisches Versagen, Terror oder Naturgewalten grundsätzlich möglich. Das sollte in allen Planungen berücksichtigt werden.