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Sozialtarif

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Die 1.000-Watt Lösung von Köln

In Köln-Meschenich installiert die Rheinenergie ab Februar 2013 660 kluge Stromzähler. Gerät einer dieser Kunden in Zahlungsverzug, so kann er weiter eine geringe Strommenge beziehen.
Jörg Detjen berichtet über dieses wegweisende Pilotprojekt.

(28. März 2013) Im April 2007 beschlossen SPD, Grüne und DIE LINKE gemeinsam im Stadtrat Köln, künftig Stromsperren zu vermeiden, einen Sozialtarif zu prüfen und sich auf Bundesebene für einen Tarif einzusetzen, der sich „an dem belgischen Modell oder dem des Bundes der Energieverbraucher orientiert“ (Mindestmenge Strom). Dieser Beschluss löste überall im Land Diskussionen aus, aber in Köln passierte erst einmal gar nichts.

2421 Jörg Detjen

Jörg Detjen | Fraktionssprecher DIE LINKE im Rat der Stadt Köln und Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke GmbH

StromsparCheck in Köln

Schließlich startete 2010 endlich auch in Köln das Projekt StromsparCheck vom Caritas-Verband, unterstützt von der kommunalen Stadtwerke-Tochter RheinEnergie. Hartz-IV-Bezieher wurden ausgebildet und suchten Haushalte mit wenig Einkommen auf, um sie über Möglichkeiten von Energieeinsparungen konkret vor Ort in ihrer Wohnung zu beraten. Bedürftige Haushalten bekamen kostenlos Energiesparlampen zur Verfügung gestellt – im Durchschnitt für 52 Euro. Das Projekt wurde ein Erfolg. Bis heute wurden 1.088 Haushalte beraten. Sie sparten im Durchschnitt 141 Euro jährlich an Strom und Wasserkosten. Seit Herbst letzten Jahres wurde dieses Projekt auf das Doppelte aufgestockt. Insgesamt acht Personen sind heute in Sachen StromsparCheck täglich in Köln unterwegs.

Beratung für Energiearmut

In den letzten Jahren entwickelte sich aber auch die Zusammenarbeit zwischen dem örtlichen Beirat der Verbraucherzentrale und der kommunalen RheinEnergie. Seit kurzem gibt es eine Erstberatung für Energiearmut bei der Kölner Verbraucherzentrale, die von der RheinEnergie und der Landesregierung finanziert wird. Die Gesamtaufwendungen der RheinEnergie für alle Energiesparmaßnahmen belaufen sich auf ca. 400.000 Euro im Jahr.

10.000 Stromsperren in Köln

Im Sommer 2012 fragten wir im Sozialausschuss im Kölner Stadtrat, wie viel Stromsperren es in Köln gibt. Antwort: Jedes Jahr etwa 10.000 Stromsperren in Köln. Das setzte eine neue Diskussion in Gang. Es darf doch nicht sein, dass Menschen im Dunkeln sitzen. Rund 60 Prozent aller Stromsperren trifft Rentner, die oft nur geringe finanzielle Spielräume haben.

Pilotprojekt Strommindestmenge

Der Grundgedanke – jeder Mensch braucht eine Mindestmenge Strom – führte dann zu einem weiteren neuen Pilot-Projekt: In drei Hochhäusern mit insgesamt 660 Haushalten in Köln-Meschenich (ca. 1.300 Haushalte) wurden intelligente Stromzähler installiert. Die Investitionskosten betrugen über 100.000 Euro. Für die Kunden vor Ort entstanden keine zusätzlichen Kosten. Diese Stromzähler können von dem Energieunternehmen aus der Zentrale den Befehl erhalten, die Leistung zu begrenzen.

1845 2421 Smart Meter

Smarte Zähler machen komplette Stromsperren überflüssig.

Im Fall einer Stromsperre wird dem Haushalt nicht einfach der Strom gekappt, sondern die Leistung auf höchstens 1.000 Watt reduziert. Das reicht aus, um die notwendigste Versorgung sicherzustellen. Eine Herdplatte auf kleinster Stufe verbraucht rund 400 Watt. Der Haushalt kann also auf zwei Herdplatten kochen und hat noch 200 Watt für Licht etc. zur Verfügung. Würde aber dann noch ein stromfressender Fön betätigt, würde die gesamte Stromzufuhr unterbrochen. Der Stromzähler kann dann nur über den Hausmeister manuell wieder angestellt werden. Inzwischen gibt es noch modernere Stromzähler, wo das nicht mehr nötig wäre.

Leistungsreduzierung statt Sperre

Diese Leistungsreduzierung findet dann statt, wenn der Haushalt nach dreimaliger Mahnung Schulden von über 150 Euro nicht beglichen hat. Statt der vierten Mahnung kommt dann der Hinweis auf die Leistungsreduzierung, verbunden mit dem Angebot einer Schuldnerberatung durch den Caritasverband.

Dieses Projekt begann am 1. Februar 2013 und wird wissenschaftlich begleitet durch die FH Düsseldorf,  Forschungsschwerpunkt Wohlfahrtsverbände, unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Münch.

Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein, würden weitere intelligente Stromzähler in sozialen Brennpunkten installiert. Zum Vorteil der Kunden und des Energieversorgers, der seine Aufwendungen reduzieren könnte.

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