125 Martin Jensen. Foto: obs/Peter Jensen GmbH/Angerer, Krafft

Klimaanlage statt Wärmepumpe

Wärmepumpen sind derzeit schwer zu bekommen – und durch die hohe Nachfrage stark im Preis gestiegen. Zudem sind Fachleute für den Einbau ebenfalls Mangelware. Da liegt ein Ausweg auf der Hand, der im Internet zirkuliert. Man schafft sich eine Klimaanlage an und betreibt sie im Winter als Heizung. Das funktioniert zumindest bei Wohnräumen gut gedämmter Häuser.

(17. April 2023) Klimaanlagen transportieren die Wärme aus dem Inneren des Hauses nach außen. Im Winter können diese Geräte ohne jede technische Änderung die Umgebungswärme der Außenluft in den Innenraum des Hauses transportieren. Man spricht von einer Luft-Luft-Wärmepumpe. Die der Außenluft entzogene Wärme erhitzt ein Wärmemittel, das sie an die Luft im Hausinneren abgibt. Man benötigt dazu keine großen Lüftungsöffnungen in den Außenmauern, sondern nur eine acht Zentimeter große Öffnung für den Schlauch des Wärmemittels. Im Unterschied zu Luft-Luft-Wärmepumpen geben rund 90 % aller Wärmepumpen die der Außenluft entzogene Wärme an das Heizungswasser im Haus ab. Man spricht von einer Luft-Wasser-Wärmepumpe oder schlicht einer Wärmepumpe.

293 Klimaanlage / Foto: Final Version Studio / stock.adobe.com

Interview mit Michael Keller

Über seine Erfahrungen mit einer Luft-Luft-Wärmepumpe haben wir mit Michael Keller aus Bonn gesprochen. Er hat sich vor einem Jahr eine Klimaanlage zum Heizen einbauen lassen.
Das Interview führte Aribert Peters

Wie bist du auf die Idee einer Luft-Luft-Wärmepumpe gekommen und was bringt sie?

Michael Keller: Auf die Idee gekommen sind wir durch unsere winterlichen Reisen nach Skandinavien. In vielen Häusern, in denen wir übernachtet haben, wird mit Split-Klimageräten geheizt – also Anlagen mit getrenntem Innen- und Außenteil. Früher sprach man von teuren und energiefressenden Klimaanlagen. Das stimmt heute nicht mehr. Klimaanlagen sind mittlerweile so energieeffizient wie die besten Wärmepumpen. Meine hat einen SCOP-Wert von 5,2: Im Jahresdurchschnitt werden 5,2 kWh Heizleistung bei nur 1 kWh Stromverbrauch erzielt.

Unser Haus ist insgesamt gut gedämmt. Sollte Gas knapp werden, haben wir durch die Klimaanlage trotzdem eine Heizung. Darüber habe ich mir schon weit vor dem Ukraine-Krieg Gedanken gemacht. Auch suchte ich nach einer umweltschonenden Alternative. Und dann haben wir das mit der Klimaanlage einfach ausprobiert – und sind jetzt wahnsinnig zufrieden. Denn bei Temperaturen über 6 °C können wir den kompletten Wohnbereich und das Esszimmer damit heizen. Selbst bei Außentemperaturen von -6 °C funktioniert es, aber dann arbeitet die Klimaanlage nicht mehr so effizient. Das ist jedoch bei einer Wärmepumpe nicht anders.

Klimaanlagen als Heizung
  • Erwärmen direkt die Luft in einem Raum im Haus
  • Hohe Energieeffizienz
  • Deutlich kostengünstiger als Wärmepumpen
  • Direkt lieferbar
  • Problematisch könnten das Luftgeräusch und der Luftstrom sein
  • Geeignet für gedämmte Häuser
  • Produktinfos hier: bdev.de/top10wp
Wie kann man bei sehr kaltem Wetter umweltschonend heizen?

Wenn es sehr kalt ist, machen wir Mischbetrieb: Die Gasheizung, die sonst nur gebraucht wird, um morgens den Warmwasserkessel zu erwärmen, heizt dann das Haus. Die Klimaanlage macht den Rest. Wir stellen die Thermostate an den einzelnen Heizkörpern auf 18 °C. Dadurch springt die Gasheizung morgens an und heizt das Haus, wenn es nachts abgekühlt ist.

Wie viel Heizleistung bringt die Klimaanlage?

Man steht morgens auf, es ist im Raum 17 °C. Man will hochheizen und stellt die Klimaanlage auf volle Power. Dann zieht sie auch tatsächlich bis zu 1.800 Watt in der Stunde und kriegt einen großen Wohnraum innerhalb einer Viertelstunde von 18 auf 21 °C, selbst wenn es draußen Minusgrade hat. Bei derzeit 7 °C Außentemperatur verbraucht sie morgens für das Aufheizen erst einmal mehr, dann tagsüber nur rund 300 Watt, also sehr wenig.

Und was kostet der ganze Spaß?

Unsere Klimaanlagenheizung hat 1.300 Euro gekostet, Innen- und Außengerät. Dann kamen noch mal 100 Euro für ein WLAN-Modul dazu. Die Installation war kein Problem: Es wird nur ein Acht-Zentimeter-Loch durch die Außenwand gebohrt für die Kühlmittelleitungen, man braucht keine große Öffnung für die Luft. Es wird ja keine Luft von außen angesaugt, sondern das Innengerät erwärmt die bereits warme Luft im Haus. Die Montage hat drei Stunden gedauert. Sie ist nicht so teuer und wird auch gefördert. Bei fair kalkulierten Preisen holt die Förderung fast die komplette Installation raus. Es gibt Quick-connect-Systeme: Die Schläuche werden nur noch zusammengesteckt. Eigenmontage macht keinen Sinn und ist auch nicht erlaubt.

Man braucht auch keinen Heizungsinstallateur, sondern einen Klimaanlagenbauer. Ein völlig anderes Gewerk. Diese Firmen liefern die Anlagen und montieren sie auch. Sie sind meistens auf eine Marke spezialisiert und bieten zum Beispiel nur Panasonic an. Ich habe mich aber für eine Mitsubishi-Anlage entschieden, weil die sehr leise sind. Über die Suche im Internet, vom Anbieter ausgehend, wurde ich fündig.

Auch für einen reinen Austausch der Gasheizung gegen eine konventionelle Wärmepumpe haben wir ein Angebot bekommen. Fürs Außengerät wollten die 50.000 Euro haben. Mit der Klimaanlage hat man zwar keine zentrale Heizungsregelung. Aber um Energie zu sparen, regelt man heute sowieso jeden Raum einzeln über Thermostate – und übers Handy.

Stört dich der Lärm der Anlage?

Am lautesten ist der Ventilator des Außengeräts und selbst das ist kaum zu hören, wenn man zwei Meter Abstand hat. Das Lüftergeräusch innen ist bei Mitsubishi-Anlagen sehr gering. Man hört ein ganz leichtes Rauschen, das sich bei voller Leistung natürlich steigert. Das Innengerät bläst die erwärmte Luft in den Raum. Der Luftstrom ist selbst bei hoher Leistung schwach und man kann seine Richtung einstellen. Es gibt bereits Geräte mit einem Sensor, der Menschen erkennt und den Luftstrom genau dort nicht hinlenkt. Wir haben das Innengerät oben im Raum montieren lassen. Weil die warme Luft nach oben steigt, erwärmt das Gerät die wärmste Luft weiter – und bläst sie dann nach unten in den Raum.

Wenn ich die Anlage noch mal planen würde, würde ich ein Multi-Split-Gerät einbauen. Dann hat man außen nur eine Einheit und kann daran mehrere Inneneinheiten hängen. Und ich würde eine leistungsstärkere Anlage aussuchen, die auch an sehr kalten Tagen ausreicht.

Energieeffizienz von Wärmepumpen: JAZ, COP, SCOP, ETAs

Für die Effizienz einer Wärmepumpe gibt es viele unterschiedliche Messmethoden. Der COP (Coefficient of Performance) beschreibt die Leistungszahl einer Wärmepumpe und wird im Labor unter Normbedingungen ermittelt. Die Jahresarbeitszahl einer Wärmepumpe (JAZ) wird individuell unter realen Bedingungen rund ein Jahr lang gemessen und gibt Aufschluss über das Verhältnis des Jahresertrags an Heizenergie zur aufgewendeten Energie. Bei der Jahresarbeitszahl geht es darum, wie die Wärmepumpe tatsächlich arbeitet, und bei der Leistungszahl, welche Leistung sie theoretisch erbringen wird. Der SCOP ist der COP mit dem Zusatz „seasonal“ – also saisonabhängig. Das heißt, er wird für verschiedene angenommene Außentemperaturen berechnet und ist damit präziser als der allgemeine COP.

Seit 1. Januar 2014 müssen Split-/Multisplit-Raumklimageräte bis 12 kW Kälteleistung im Heizbetrieb einen SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) von 3,8 beziehungsweise bei Verwendung eines Kältemittels mit einem GWP < 150 (Global Warming Potential) einen SCOP von 3,42 erreichen. Geräte mit einem niedrigeren SCOP dürfen in den EU-Staaten nicht mehr in Verkehr gebracht werden.

Durch eine erneute Anpassung der Richtlinien spielt die JAZ seit Januar 2023 wieder eine wichtige Rolle beim Beantragen der Heizungsförderung. Infolgedessen muss eine Wärmepumpe so ausgelegt sein, dass sie eine errechnete JAZ von mindestens 2,7 erreicht. Ab 2024 muss der Mindestwert bei 3,0 liegen.

Eine weitere Kennziffer zur Effizienz der Wärmepumpe ist die jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz (ETAs oder ηs-Wert). Diese ist ebenfalls relevant für die staatliche Förderung nach BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude) und beschreibt, wie viel Primärenergie eine Wärmepumpe zur Erzeugung einer Kilowattstunde Heizwärme benötigt. Zur Ermittlung wird der Primärenergiefaktor durch den SCOP geteilt. In Europa liegt dieser bei 2,5 und wird als feste Größe zur Errechnung genutzt. Die ETAs wird in Prozent angegeben und sollte möglichst hoch sein.

letzte Änderung: 08.07.2024