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Die Schnäppchenfalle
Je günstiger das Angebot, desto schneller sollte man zugreifen? Nicht unbedingt: Wenn Energieanbieter Strom nachweislich unter ihrem Einkaufspreis verkaufen, sollten beim Verbraucher alle Alarmglocken schrillen. Solche Angebote sind eher ein Fall für Aufsichtsbehörden und Verbraucherschützer.
(09. Dezember 2011) Wie gefährlich Billigstromanbieter sein können, haben rund 800.000 Teldafax-Kunden vor kurzem am eigenen Leib erfahren müssen. Die Unternehmensberatung A.T. Kearney GmbH hat aktuelle Daten zum Strommarkt analysiert. Danach locken Strom-Discounter wie Flexstrom, Hitstrom, Priostrom, Energy2day und Stromio zahlreiche Neukunden vor allem durch scheinbar hohe Preisvorteile auf Online-Vergleichsportalen.
Die Analyse der Endkundenpreise der Billiganbieter zeigt, dass die Anbieter schon vor Abzug der internen Vertriebskosten eine negative Rohmarge haben, also mehr für Steuern/Abgaben, Netzentgelt und Energiebeschaffungskosten kalkulieren müssen, als die Endkunden zahlen.
Die Studie von A.T. Kearney rechnet aus, welche Rohmarge einem Billiganbieter verbleibt, wenn vom Endkundenpreis Steuern, Abgaben, Netzentgelte und Strombezugskosten abgezogen werden: 0 bis Minus 40 Euro.
Experten rechnen mit weiteren Marktbereinigung im Discountsegment, wenn die Anbieter nicht bald auf nachhaltig profitable Tarifmodelle umstellen. Die Discountanbieter geraten noch stärker unter Druck, wenn die Großhandelsmarktpreise für Strom – wie gegenwärtig absehbar – steigen. Hintergrund sind die oft kurzfristige Beschaffungsstrategien von Billiganbietern, die sie dann teuer zu stehen kommen. Langfristige Einkaufsplanungen etablierter Anbieter dagegen stabilisieren die Preise.
Vergleichsportale im Zwielicht
Die Studie weist darauf hin, dass sich die Geschäftsmodelle von Discountanbietern und Preisvergleichsportalen gegenseitig unterstützen: Die Preisportale kassieren häufig Provision von den aufgeführten Unternehmen und profitieren daher von hohen Wechselraten. Viele Internetportale wählen die Voreinstellungen für den Tarifvergleich daher so, dass sich möglichst eine hohe Preisdifferenz zwischen den Angeboten ergibt. So berechnen die Computerprogramme häufig einen einmaligen hohen Bonus von über 200 Euro für das erste Lieferjahr mit ein, obwohl der dauerhafte Preisvorteil nur einen Bruchteil dieser Summe beträgt. Auch Paketangebote suggerieren Preisvorteile, die den Kunden in der Praxis meist gar nicht zugute kommen.
Miese Geschäftspraktiken
Die negativen Margen bringen die Billiganbieter in eine wirtschaftliche Schieflage, aus der sie sich nach Ansicht des Bundes der Energieverbraucher teilweise durch sehr fragwürdige Geschäftspraktiken zu retten versuchen:
- Die Vertragsbedingungen werden unklar formuliert.
- Der Jahresbonus wird nicht an alle Kunden ausgezahlt.
- Kurz nach Vertragsschluss verkündet der Versorger exorbitante Preiserhöhungen.
- Das Unternehmen bucht häufig ohne Rücksprache deutlich überhöhte Abschlagszahlungen ab.
- Eine zugesicherte Preisgarantie wird in vielen Fällen nicht eingehalten. Kunden, die dies nicht akzeptieren, erhalten die Kündigung.
- Das Unternehmen schaltet Inkassobüros ein, um Verbraucher einzuschüchtern.
- Auf Verbraucherbeschwerden reagiert das Unternehmen einfach nicht.
Die Verbraucherverbände versuchen, durch gezielte Aufklärung und rechtliche Schritte gegen betroffene Versorger vorzugehen. Der Bund der Energieverbraucher wirft der Bundesnetzagentur vor, ihren gesetzlichen Schutzauftrag für Verbraucher zu vernachlässigen.
Trübe Funzel für Billigheimer
Der Bund der Energieverbraucher hat im September 2011 die „Trübe Funzel“ an Flexstrom und Stromio vergeben. Diese beiden Unternehmen sowie die mit ihnen verbundenen Firmen Flexgas und Gas.de zeichnen sich durch außergewöhnlich rüdes Verhalten gegenüber Verbrauchern aus. Im Internet lassen sich zahlreiche Fälle nachverfolgen, wie die beiden „Preisträger“ mit ihren Kunden umspringen.
Wildwuchs im Tarifwald
Die großen Vergleichsportale sind im Zusammenhang mit der Teldafax-Pleite in die Kritik geraten. Ihre Verantwortung im Strommarkt ist unübersehbar geworden. Der Marktführer Verivox fragt seit kurzem immerhin, ob Tarife mit Vorauskasse und Kaution mit angezeigt werden sollen. Paketangebote und Bonustarife erscheinen allerdings immer noch ungefragt. Was notwendig wäre: ein anerkanntes Gütesiegel für Tarifrechner, eine gesetzliche Verpflichtung für Versorger zur Veröffentlichung aller Tarife und Konditionen, ein gesetzliches Verbot des Tarifwildwuchses, die günstigsten Tarife den Ärmsten zugänglich zu machen.
Monitoringbericht 2011
(06. Dezember 2011) Die Bundesnetzagentur hat im „Monitoringbericht 2011“ erstaunliche Fakten über die Entwicklung der Strom- und Gasmärkte zusammengestellt.
Dominanz der vier Großen ungebrochen
Wer meint, dass mit dem Atomausstieg die vier Großkonzerne nun zurückgedrängt würden, irrt sich gewaltig. Ende 2010 verfügten die vier Großen über 77 Prozent der Stromerzeugungskapazitäten und erzeugten 82 Prozent des gesamten Stroms.
Kraftwerksneubauten
Bundesweit befinden sich 13 TWh an konventionellen Kraftwerken im Bau, die voraussichtlich bis 2014 fertig gestellt sein werden. Das sind 13 Prozent der im Dezember verfügbaren nichterneuerbaren Kraftwerkskapazitäten.
Aufgrund des Ausstiegsbeschlusses wurden acht Atomkraftwerke mit einer Leistung von 8,4 GW stillgelegt. Bis 2014 werden insgesamt 12,5 GW an Kraftwerksleistung stillgelegt.
Die bis 2014 stillgelegten Kraftwerke werden bis dahin durch konventionelle Kraftwerksneubauten ersetzt sein.
Für die Kraftwerkskapazitäten südlich Frankfurt/Main ergibt sich allerdings ein Mangel, weil bis 2014 deutlich mehr Kraftwerke stillgelegt als neu erbaut werden.
Strombörse
In Deutschland werden erhebliche Mengen an Strom gehandelt. Die gehandelte Menge ist siebzehnfach höher, als der tatsächliche Stromverbrauch. Bevor also eine Kilowattstunde aus der Steckdose kommt, hat sie zuvor im Schnitt bereits siebzehn mal den Besitzer gewechselt. Die Handelsmenge an der Strombörse machen dabei nur sechs Prozent des gesamten Stromhandels aus und ist damit weiterhin von untergeordneter Bedeutung. Der größte Teil des Handels wird außerhalb der Börse abgewickelt.
Die Strompreise an der Börse lagen 2010 bei 4,5 Ct/kWh (Grundlast) und 5,5 Ct/kWh (Spitzenlast). Die Preisschwankung an der Strombörse ist drastisch gesunken, seit der EEG-Strom an der Börse gehandelt wird und der deutsche und der nordische Markt gekoppelt sind. Die Kopplung des deutschen Stromhandelsgroßmarktes mit Skandinavien gibt es seit 9. November 2009, die Kopplung mit Frankreich und Benelux seit dem 9. November 2010. Seit der Kopplung kann der Strom an der ausländischen Börse gekauft werden, ohne dass der Käufer sich um die Übertragung über die Grenze kümmern muss.
Strompreise für Haushalte
Die Haushaltskundenpreise sind von 2010 auf 2011 um 2,0 Ct auf 25,5 Ct/kWh gestiegen. Dies ist der höchste Preisanstieg seit Beginn der Regulierung. Von diesem Anstieg wurden 1,8 Ct/kWh durch höhere Steuern und Abgaben verursacht.
Allerdings hätte der unternehmerische Preisanteil (Beschaffung, Vertrieb und Netzentgelt) wegen der gesunkenen Großhandelspreise deutlich sinken können in einer Größenordnung von 1,4 Ct/kWh, also soviel der Anstieg der EEG Umlage ausgemacht hat. Anders als möglich und erwartet ist der untenehmerische Preisanteil jedoch angestiegen: um 0,3 Ct/kWh.
Die Netzagentur hat ausgerechnet, dass die Beschaffungspreise in 2011 um 1,1 Cent/kWh unter den Beschaffungspreisen von 2010 lagen, wenn die Versorger über zwei Jahre im voraus regelmäßig Strombezugsverträge geschlossen. Die Netzagentur hat von den Unternehmen auch die tatsächlichen Beschaffungskosten erfragt. Diese lagen im Durchschnitt um 0,54 ct/kWh (2011) höher als die berechneten Preise und schwankten zwischen fünf und zehn Ct/kWh.
Die von den Unternehmen angegebenen Kosten für Vertrieb und Beschaffungsnebenkosten haben sich zwischen 2009 und 2011 um 0,7 Ct/kWh oder 50 Prozent erhöht.
Der Monitoring-Bericht schreibt: „Die Ursache für den Preisanstieg von 2010 zu 2011 ist nicht so offensichtlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Zwar ist ein gewichtiger Grund des Preisanstiegs in den staatlich bedingten Abgaben und Steuern zu finden. Jedoch trägt auch der unternehmerische Anteil für Energiebeschaffung und Vertrieb zum Preisanstieg bei, indem sich dieser trotz einer zu erwartenden Absenkung im Durchschnitt um rund 0,3 Ct/kWh erhöht hat“.
| Haushaltskunden 1. April 2011 | über alle Tarife mengengewichteter Mittelwert |
Anteil am Gesamtpreis in Prozent |
| Nettonetzentgelt | 5,06 | 19,9 |
| Entgelt für Abrechnung | 0,34 | 1,3 |
| Entgelt für Messung | 0,11 | 0,4 |
| Entgelte für Messtellenbetrieb | 0,24 | 0,9 |
| Konzessionsabgabe | 1,65 | 6,5 |
| Umlage nach EEG | 3,49 | 13,7 |
| Umlage nach KWKG | 0,04 | 0,2 |
| Steuern (Strom- und Umsatzsteuer) | 6,11 | 24,0 |
| Energiebeschaffung und Vertrieb (inkl. Marge) | 8,41 | 33,1 |
| Gesamtpreis | 25,45 | 100,0 |
aus Monitoring-Bericht 2011, S. 148, Tabelle 45: Durchschnittliches Einzelhandelspreisniveau für Haushaltskunden (Elektrizität)
Die Kosten der Stromversorgung weisen starke regionale Unterschiede auf. In Thüringen muss am meisten für Strom bezahlt werden.
aus Monitoring-Bericht 2011 S. 41, Abbildung 25: Darstellung des Elektrizitätspreisniveaus von Haushaltskunden in der Grundversorgung 2011
Immer noch werden 84,5 % von Haushaltskunden von ihrem Grundversorger beliefert, allerdings haben 41 % aller Kunden den Vertrag beim Grundversorger gewechselt. Im Jahr 2010 haben 2,7 Mio. Haushalte den Lieferanten gewechselt und 2,2 Mio. Haushalte den Tarif. Zwar ziehen jährlich gut vier Millionen Haushalte um, dabei wählt aber nur rund jeder zehnte Haushalt den Stromanbieter.
Rund 45 Prozent aller gewechselten Haushaltskunden werden von den vier größten Stromlieferanten aquiriert. Trotz zunehmender Zahl von Anbieterwechseln bleibt die lokale Dominanz der jeweiligen Grundversorger erhalten.
Gaspreise
Der Gaspreis für Haushalte betrug am 1. April 2011 in der Grundversorgung im Schnitt 6,64 Ct/kWh. Nach einem Lieferantenwechsel beträgt der Gaspreis nur noch 6,606 Ct/kWh. Nach einem Rückgang im Jahr 2010 sind die Gaspreise zwischen 2011 und 2011 wieder angestiegen. Nur sechs Prozent der Gaskunden werden nicht mehr von ihrem Grundversorger beliefert. Etwa 70 Prozent werden vom Grundversorger mit einem Sondervertrag beliefert.
Strommaste sind über 50 Jahre alt
(2. November 2011) Die Bundesnetzagentur hat einen Bericht über den Zustand der Stromnetze veröffentlicht.
Laut Bericht sind die Höchstspannungsmaste 220 Vol im Schnitt über 50 Jahre alt, (Grafik aus Bericht Seite 33), die ältesten Masten sind sogar über 85 Jahre alt. Zwar sind die 380 kV-Maste mit 37 Jahren deutlich jünger (Stand 2009), jedoch gibt es auch hier Maste, die 70 bis 85 Jahre alt sind. Bei den Transformatoren liegt das Durchschnittsalter bei 32 Jahren. Der Bund der Bund der Energieverbraucher e.V. kritisiert, dass die Netzbetreiber die Netzgelte in Höhe von über 15 Milliarden Euro jährlich zwar von den Verbrauchern verlangen, dafür aber zu wenig in die Erneuerung der Netze investieren.
Der Bericht stellt auch die aktuell in Bau befindlichen neuen Leitungstrassen dar.
Öko macht den Strom zu billig
Ökostrom senkt den Börsenpreis für Strom so weit ab, dass der Bau neuer Gaskraftwerke unwirtschaftlich wird. weiter lesen
Flexstrom: Bundesnetzagentur soll kritisch prüfen
Pressemitteilung vom Bund der Energieverbraucher e.V. vom 12. Juli 2011 weiter lesen
Pressemitteilung vom Bund der Energieverbraucher e.V.
Von Verbrauchern lernen: Vorsicht bei Stromio und Flexstrom
(24. August 2011) Oft sind Kunden nach einem Wechsel des Strom- oder Gasanbieters enttäuscht, weil der neue Anbieter nicht den Erwartungen entspricht oder der Wechsel nicht gut geklappt hat. Andere Verbraucher sollten aus diesen Erfahrungen lernen und Versorger meiden, die eine schlechte Bewertung bekommen haben.
Auf Verivox.de können die Verbraucher, die gerade gewechselt haben, angeben, ob sie noch einmal zu diesem Anbieter wechseln würden.
Zu Mainova beispielsweise würden 84 Prozent der Wechselkunden, die ihre Stimme abgegeben haben, wieder wechseln, zu Goldgas sogar 94 Prozent.
Am anderen Ende der Skala finden sich Flexstrom und Stromio: Zu Flexstrom würden 74 Prozent wieder wechseln, in den letzten sechs Monaten ist dieser Wert sogar auf magere 43 Prozent abgesunken.
Ähnlich schlecht wird Stromio bewertet mit 54 Prozent Kundenkritik wird an der Geschäftspolitik von Stromio- und Gas.de-Geschäftsführer Ömer Varol laut. Viele Verbraucher beschweren sich über falsche Abschlagszahlungen und Abrechnungen und werfen dem Anbieter unsaubere Geschäftspraktiken vor.
Verbraucherkritiken auf reclabox.com zu Stromio
Video: So wechselt man den Anbieter
Vorsicht vor Preisvergleich.de
Der Bund der Energieverbraucher e.V. warnt vor einer versteckten Servicepauschale weiter lesen
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