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26. UN-Klimakonferenz in Glasgow

26. UN-Klimakonferenz in Glasgow

Der Weltklimagipfel im schottischen Glasgow hat im November 2021 die Vertreter von über 200 Staaten sowie Aktivisten und Klimaforscher zusammengeführt. Es wurde unmissverständlich und unüberhörbar klar, dass schnelle Emissionsminderungen bis 2030 unumgänglich sind, um die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten und katastrophale Auswirkungen der Klimakrise abzuwenden.
Von Dr. Aribert Peters

(29. Juni 2022) Die Staaten der Welt haben in Glasgow den sogenannten „Glasgow Climate Pact“ beschlossen. Er fasst die gemeinsame tiefe Besorgnis der Regierungen über den Klimawandel in Worte. Und er ruft zu gemeinsamen Maßnahmen auf. Der Text fordert, dass die Länder ihre Klimaversprechen bis Ende 2022 „überdenken und verstärken“ sowie eine „Reduktion“ der Kohlenutzung einleiten. Eigentlich sollte über die Forderung des „Endes der Kohleverstromung“ verhandelt werden. Diese Formulierung wurde jedoch auf Drängen von China und Indien zu einer „Reduktion“ aufgeweicht.

Der Pakt legt fest, wie ein globales Ziel der Klimaanpassung, höhere Klimafinanzierung und Verlustfinanzierung zu erreichen sind. Gemeinsam wurde anerkannt, dass für die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad bis zum Jahr 2030 eine Emissionsminderung von 45 Prozent gegenüber 2010 notwendig ist. Die Finanzhilfen für arme Staaten sollen bis 2025 verdoppelt werden, damit diese sich an die vielerorts fatalen Folgen der Klimakrise anpassen können. Auch die Verhandlungen über das sogenannte Regelbuch des Paris-Abkommens wurden abgeschlossen.

2626 26. UN-Klimakonferenz 2021 in Glasgow  / Foto: UNclimatechange/flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Emissionsminderung

Über 140 Staaten haben in Glasgow ihre Emissionsminderungsversprechen erhöht und streben das Erreichen einer „Klimaneutralität“ an. Das UN-Klimasekretariat hat die jeweiligen Versprechen bewertet und daraus abgeleitet, dass unsere Welt, selbst wenn diese Versprechen eingehalten werden, immer noch auf 2,7 Grad Erwärmung zusteuert.

Die beiden Staaten mit den weltweit höchsten Emissionen, die USA und China, haben sich überraschend in Glasgow auf eine gemeinsame Erklärung verständigt. Sie erkennen darin die Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit der Klimakrise an. Sie verpflichten sich im kritischen Jahrzehnt der 2020er-Jahre, die Krise anzugehen, „um katastrophale Auswirkungen zu vermeiden“.

Öl- und Gasausstieg

Eine „Beyond Oil and Gas Alliance“ (BOGA) wurde unter der Führung von Dänemark und Costa Rica gegründet. Einer Kerngruppe der Allianz haben sich Frankreich, Grönland, Irland, Schweden und Wales angeschlossen. Die Allianz strebt einen geordneten und gerechten Ausstieg aus der Öl- und Gasproduktion an.

Methanemissionen

Die USA und die EU-Staaten haben alle Staaten dazu aufgerufen, ihre Methanemissionen bis 2030 um 30 Prozent zu vermindern. 105 Staaten haben sich der Verpflichtung im Verlauf der Konferenz angeschlossen. Die drei größten Methanemittenten China, Indien und Russland gehörten nicht zu den Unterzeichnern.

Verbrennungsmotoren

Rund 30 Staaten haben sich für ein Verbot von Neufahrzeugen mit Verbrennungsmotor ausgesprochen. Deutschland gehört nicht dazu.

Demonstrationen

Zwischen 20.000 und 100.000 Klimaaktivisten protestierten innerhalb und außerhalb der Konferenz. Viele nichtstaatliche Organisationen und Aktivisten haben von der Staatengemeinschaft schnellere und konkretere Schritte gegen den Klimawandel gefordert, weil sie kein Vertrauen in die Einhaltung der staatlichen Versprechen haben.

Abholzung

Über 100 Staaten haben versprochen, gemeinsam darauf hinzuwirken, dass bis 2030 der Verlust von Wäldern gestoppt und umgekehrt werden soll. Dafür werden mehr als 19 Milliarden US-Dollar bereitgestellt.

Bewertungen

Die Verhandlungsführerin von Paris, Christiana Figueres resümiert: „Mit allen Versprechungen, die im Jahr 2021 abgegeben wurden, einschließlich der in Glasgow gegebenen Versprechen, sind wir nun bei 2,4 Grad, im Jahr 2015 waren es noch 3,7 Grad. Das ist immer noch unakzeptabel viel. Aber wir bewegen uns in die richtige Richtung. Im Abschlusstext, der in Glasgow beschlossen wurde, wird anerkannt, dass wir uns in einer kritischen und entscheidenden Dekade befinden und sich die Emissionen bis zum Jahr 2030 halbieren müssen, also um 7 Prozent jedes Jahr. Das Klimaziel ist jetzt eindeutig mit 1,5 Grad benannt“. Der UN-Generalsekretär António Guterres fasst den Klimagipfel wie folgt zusammen: „Die Konferenz war ein wichtiger Schritt, aber die Beschlüsse sind nicht genug. Es ist Zeit, in den Notfallmodus zu gehen.“